News vom 07.05.2019

re:publica 2019: tl;dr? Wann lange Texte nötig sind – und wann nicht

Ein Artikel von , veröffentlicht am 07.05.2019

Das Motto der diesjährigen Netzkonferenz re:publica in Berlin lautet too long; didn’t read (tl;dr). Wir sind vor Ort und diskutieren mit. Denn die Frage, wie lang Texte eigentlich sein dürfen, beschäftigt uns in unserem Redaktionsalltag immer wieder. Beim Lesen und beim Schreiben.

Die diesjährige Netzkonferenz re:publica, die vom 6. bis 8 Mai in Berlin stattfindet, widmet sich dem Kleingedruckten. In unserer Zeit der Bilderflut geht es um Texte, die ausführlich, komplex, trocken oder schwer zugänglich sind. Was mitschwingt: Die Aufforderung, genau hinzuschauen, es sich nicht zu leicht zu machen, sorgfältig zu recherchieren und zu lesen.

Als Redaktion, die sich täglich mit AGB's, Datenschutzerklärungen, Nutzungsbedingungen und Co. beschäftigt, um Apps und Online-Dienste für Sie richtig einzuordnen und zu erklären, freuen wir uns über das Motto "too long; didn't read". Denn lange Texte zu lesen, ist anstrengend. Wir tun es trotzdem - manchmal mit sportlichem Ehrgeiz, manchmal, weil es einfach sein muss.

Wir werden dabei häufig ein Gefühl nicht los: Lange Erklärungen schaffen nur vermeintlich Transparenz. Oft werden wichtige Punkte verschwiegen, abschreckende Bleiwüsten werden von Nutzer*innen schneller weggeklickt.

Kurze Datenschutzerklärungen, bitte!

Unsere kleine Utopie zur re:publica 2019: Wir wünschen uns Datenschutzerklärungen, die so kurz sind, dass  "too long; didn't read" (wahlweise: too lazy, didn't read) keine Rolle mehr spielt.

Denn: Je mehr ein Unternehmen erklären muss, desto stärker fragen wir uns, was eigentlich konkret im Hintergrund passiert. In unseren App-Tests können wir häufig Datenverkehr erkennen, über den der App-Anbieter nicht oder nur sehr schwammig aufklärt.

Und hier stehen wir selbst vor der Herausforderung: Wie können wir komplexe, technische Informationen so aufbereiten, dass sie einerseits konkret und hilfreich, andererseits noch ansprechend zu lesen sind? Manchmal sind lange Texte mit vielen Details und entsprechender Einordnung notwendig. Sonst sind Sie später nicht klüger als vorher.

Wir freuen uns, dass Sie bereit sind, diesen Weg mit uns zu gehen und sich immer wieder in wertschätzenden und anregenden Leserbriefen an uns wenden.

Über die re:publica 2019

Im Mittelpunkt der Konferenz mit knapp 20.000 Teilnehmer*innen aus 80 Ländern stehen wieder Fragen der digitalen Gesellschaft, es geht um die Debattenkultur im Netz, um Populismus, Politik, Haltung und Technik.

Zum ersten Mal in der Geschichte der re:publica eröffnete mit Frank-Walter Steinmeier ein Bundespräsident die Veranstaltung. In seiner Rede nannte er "die Demokratisierung des Digitalen" eine wichtige Aufgabe und bedankte sich bei den Machern und Unterstützern, die mit der re:publica einen wertvollen Impuls geben.

Die re:publica verzichtet passend zum Motto auf stylische Deko, stattdessen hängen Buchstaben an die Decke des Veranstaltungszentrums Station: Eine 480 Meter lange Stoffbahn mit dem gesamten Text von Herman Melvilles „Moby Dick", einer der berühmtesten Wälzer der Weltliteratur.

Wir sind am Dienstag und am Mittwoch weiter vor Ort. Wenn Sie auch da sind: Schicken Sie uns eine Mail, sprechen Sie uns an, wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Moby Dick an der Decke der Station Berlin

Die Autorin

E-Mail

i.poeting@mobilsicher.de

PGP-Key

0x98926A6965C84F21

Fingerprint

7F5D B2F7 C59F 0547 D730 7DD7 9892 6A69 65C8 4F21

Inga Pöting

Inga Pöting ist Redakteurin bei mobilsicher.de. Sie schreibt Texte, kümmert sich um die Webseite und erklärt Apps und Smartphone-Funktionen vor der Kamera. Davor hat sie im Ruhrgebiet bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen gearbeitet.

Weitere Artikel

App-Test 

App-Tipps: Mit dem Handy in den Frühling

Pflanzen am Wegrand bestimmen oder auf Schnitzeljagd gehen mit GPS – beides geht mit kostenlosen Apps. Doch viele enthalten Werbung und Tracking. Wir haben zwei Tipps für Apps, die Sie beim Ausflug ins Grüne bedenkenlos nutzen können.

Mehr
App-Test 

App-Test Transportr: Bahn- und ÖPNV-Suche bundesweit

Transportr zeigt Nah- und Fernverbindungen des öffentlichen Verkehrsnetzes in Deutschland und anderen Ländern an. Herausgeber ist der deutsche Entwickler Torsten Grote, der auch Mitglied des „Free Software Foundation Europe (FSFE) e.V.“ ist.

Mehr
Firewalls und VPNs 

Mehr Datenkontrolle durch Firewall-Apps (Android)

Wer sich gegen heimliche Datenübertragungen im Hintergrund wehren will, dem kann eine Firewall helfen. Auf Computern sind solche Programme schon lange sehr beliebt, es gibt sie aber auch für Smartphones. Wie Firewalls auf Android funktionieren, erfahren Sie hier.

Mehr
Ratgeber 

Sicherheit bei Apples iOS 10

Das aktuelle Betriebssystem für iPhones und iPads ist iOS 10. Apple hat ihm zahlreiche Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten zu Datenschutz und Datensicherheit verpasst. Wir geben einen Überblick.

Mehr