Ratgeber

Video-Chat Zoom kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 16.04.2020, bearbeitet am10.11.2020
Pressefoto: ZOOM

Zu Beginn der Corona-Zeit sprangen die Nutzer*innenzahlen beim Video-Chat Zoom von zehn auf 200 Millionen. Doch der Dienst steht wegen Problemen bei Sicherheit und Datenschutz in der Kritik. Die Vor- und Nachteile im Überblick.

Vorteile: In der kostenlosen Variante bietet Zoom Video-Gruppenchats mit bis zu 100 Personen und einer Gesprächsdauer von bis zu 40 Minuten. Zoom ist bekannt für seine gute Qualität, auch bei schwacher Verbindung.

Inzwischen hat Zoom eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) für Video-Chats eingeführt. Diese muss durch Nutzer*innen aber erst aktiviert werden.

Ein Zoom-Sprecher sagte gegenüber dem IT-Magazin heise online, dass im Test des Anbieters E2E-verschlüsselte Konferenzen mit bis zu 1000 Teilnehmer*innen reibungslos funktioniert hätten. Endnutzer*innen könnten mit bis zu 200 Personen in einer solchen Konferenz zusammenkommen.

Nachteile: In Sachen Sicherheit hat der Dienst eine durchwachsene Geschichte. 2019 wurde eine massive Sicherheitslücke bekannt, die es Angreifer*innen ermöglichte, die Kameras von Teilnehmer*innen zu kapern. Anfang 2020 sorgte ein Fehler dafür, dass bestimmte Teilnehmer die Kontaktdaten von anderen, ihnen völlig fremden Nutzer*innen, lesen konnten.

Bis März 2020 setzte Zoom das Facebook-SDK in seiner Software ein, ohne Nutzer*innen darüber zu informieren. Nach heftiger Kritik verzichtete der Dienst auf den Facebook-Baustein. Besonders unglücklich: Der Dienst behauptete selber, dass die Video-Telefonie Ende-zu-Ende-verschlüsselt sei. Wie das Onlinemedium "The Intercept" aufdeckte, entsprach das nicht der Wahrheit.

Laut Datenschutzerklärung sammelt der Dienst viele Daten von Chattenden, zum Beispiel die Namen, Städte, Gesprächsdauer sowie Einstellungen und eindeutige Geräte-IDs aller Teilnehmer*innen für jedes einzelne Meeting. Inhalte aus der Kommunikation werden nicht gespeichert.

Im November 2020 verpflichtete die US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde Zoom zu höheren Sicherheitsstandards, die Zusammenfassung gibt's hier bei golem.de.

Tracker in der Android-App: Google Firebase Analytics. Quelle: Exodus Privacy.

Fazit: Man muss dem Dienst zugute halten, dass er schnell und ehrlich auf Probleme reagiert und die Sicherheitslücken behoben hat. Neben der Ankündigung, massiv in Sicherheit und Verschlüsselung zu investieren, hat Zoom im Mai 2020 den Chatdienst "Keybase" gekauft und sich damit ein Entwicklerteam mit Expertise auf genau diesem Feld ins Haus geholt. Ende Oktober 2020 startete die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Zoom-Chats.

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