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Video-Chat: 12 beliebte Dienste und Geheimtipps

Ein Artikel von , veröffentlicht am 09.04.2020, bearbeitet am30.04.2020
Video-Chat: im Homeoffice oder mit der Familie | Foto: iStock

Sie suchen einen bezahlbaren, einfachen Dienst für Video-Telefonie, bei dem Ihre Daten sicher sind? Wir haben zehn bekannte und weniger bekannte Anbieter für Sie geprüft. Die Vor- und Nachteile von zehn Diensten im Überblick.

Jitsi Meet: Ruckeliger Alleskönner

Kostenloser Video-Chat per Browser, keine Anmeldung nötig, per App oder Browser nutzbar, keine Teilnehmerbegrenzung. Anbieter ist die 8x8 Inc. mit Sitz in den USA. Der Quellcode ist frei zugänglich, die Qualität war in unseren Tests durchwachsen. Der Gruppen-Videochat ist nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Jami: Chat ohne zentralen Server

Jami ist kostenlos und werbefrei, die Software quelloffen. Gespräche zu zweit und in Gruppen sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Die Teilnehmerzahl ist theoretisch unbegrenzt, die Qualität hängt jedoch von der Leistung des Hosting-Geräts ab. Anbieter ist die kanadische Firma Savoir-faire Linux, die den Dienst gemeinsam mit Freiwilligen entwickelt.

Wire: Echt sicher, nicht umsonst

Der Messenger bietet in der Pro-Version Videokonferenzen mit maximal vier Personen - mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in stabiler Qualität. Kosten: Vier Euro pro Monat. Gäste können ohne Download der Software per Link eingeladen werden. Per App, Browser oder Desktop-Client nutzbar. Der Quellcode ist frei zugänglich, Anbieterin ist die Wire Group Holding mit Hauptsitz in den USA.

Signal: Optimal zu zweit

Kostenloser Messenger inklusive Video-Chat mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für zwei Personen. Nur per App und mit Telefonnummer nutzbar. Betreiber ist die Signal-Stiftung mit Sitz in den USA. Der Programmcode ist frei zugänglich. Genießt einen hervorragenden Ruf bei Sicherheit und Datenschutz.

Blizz: Videotelefonie aus Deutschland

In der kostenlosen Variante Ende-zu-Ende-verschlüsselte Video-Chats für fünf Personen. Teilnehmer müssen einen Client oder eine App installieren. Anbieter ist die deutsche TeamViewer AG. Die Datenschutzbedingungen sind akzeptabel, die Qualität bei schwacher Internetverbindung sehr durchwachsen.

BigBlueButton: Kostenlos für Online-Unterricht

Non-Profit-Projekt aus Kanada mit vielen Zusatzfunktionen für Lehrer*innen. Kostenlos und mit bis zu 100 Personen nutzbar. Der Programm-Code ist frei zugänglich, empfehlenswert etwa die Variante "Senfcall". Abhörsicher ist BigBlueButton nur, wenn Sie ihren eigenen Server aufsetzen.

GoToMeeting: bis 150 Teilnehmer*innen

Kostenpflichtiger Dienst für Ende-zu-Ende verschlüsselten Videochat mit bis zu 150 Teilnehmer*innen. Kostenpunkt: Ab 12 Euro pro Monat. Anbieter ist LogMeIn Inc., mit Hauptsitz in Massachusetts, USA. Es gibt auch Büros in Deutschland. Teilnahme per Webbrowser ohne Anmeldung ist möglich.

Zoom: Steiler Aufstieg, tiefer Fall

In der kostenlosen Variante Video-Gruppenchats mit bis zu 100 Personen und bis zu 40 Minuten Gesprächsdauer möglich. Steht wegen vieler Probleme mit Sicherheit und Datenschutz in der Kritik. Videochats in Gruppen sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Für sichere Video-Kommunikation nicht geeignet. Anbieter ist die Zoom Videocommunications Inc. mit Sitz in den USA.

Skype: Alter Bekannter von Microsoft

Kostenlose Video-Chats mit bis zu 50 Personen bei recht guter Qualität. Gehört zum Microsoft-Konzern. Nur mit Microsoft-Konto nutzbar. Die Video-Chats sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. In der Android-App sind vier Tracker enthalten: Adjust, Facebook Ads, Google Firebase Analytics, Microsoft Appcenter Analytics, Microsoft Appcenter Crashes. Quelle: Exodus Privacy.

FaceTime: Sicher für Apple-Nutzer*innen

FaceTime ist Apples Dienst für Video-Anrufe und -Konferenzen. Bis zu 32 Personen können damit Ende-zu-Ende-verschlüsselt miteinander kommunizieren. Kostenlos, aber nur mit Apple-Geräten nutzbar.

Google Duo: Abhörsicher für 12 Personen

Hier können bis zu zwölf Personen kostenlos und Ende-zu-Ende-verschlüsselt miteinander kommunizieren. Für die Anmeldung ist eine Telefonnummer oder ein Google-Konto nötig.

WhatsApp: Schwacher Datenschutz

Mehr als zwei Milliarden Menschen nutzen WhatsApp weltweit. Seit April 2020 sind Videoanrufe mit bis zu acht Teilnehmer*innen möglich. Nachrichten und (Video-)Anrufe sind mit dem Signal-Protokoll verschlüsselt. Kritikpunkt: WhatsApp sammelt viele Metadaten und teilt Nutzer*innendaten mit Facebook - darunter auch die eigene Telefonnummer.

Die Autorin

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Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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