News vom 02.12.2019

Mit dem Staatstrojaner gegen Einbrecher*innen

Ein Artikel von , veröffentlicht am 02.12.2019

Wer verdächtigt wird, serienmäßig in Wohnungen einzubrechen, bei dem darf in Zukunft auch der Staat einbrechen – per Staatstrojaner auf dem Handy. Ein entsprechendes Gesetz zur Überwachung verschlüsselter Messenger bei Verdächtigen hat der Bundesrat nun gebilligt.

Wie das IT-Nachrichtenportal heise.de berichtet, hat der Bundesrat am Freitag ein Gesetz gebilligt, das die Einsatzmöglichkeiten des Staatstrojaners erneut ausweitet. Wird bei Einbruchsdiebstählen von einem serienmäßigen Vorgehen ausgegangen, darf dieser nun auch für die Überwachung der Messenger-Kommunikation von Verdächtigen eingesetzt werden.

Das Gesetz zur "Modernisierung des Strafverfahrens" war bereits vor zwei Wochen vom Bundestag verabschiedet worden. Durch die Überwachung der Messenger-Kommunikation soll zum Beispiel der Kontakt der Täter*innen zu potenziellen Käufer*innen ihres Diebesguts besser nachgewiesen werden können.

Alles Wissenswerte zu Staatstrojanern finden Sie in unserem Text Wenn die Polizei das Handy anzapft – alles rund um Staatstrojaner

So funktioniert der Staatstrojaner

Um die Kommunikation von Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messengern zu überwachen, ist eine sogenannte Quellen-Telekommunikations-Überwachung (Quellen-TKÜ) nötig. Mithilfe einer Schadsoftware – dem Staatstrojaner – werden hierbei Kommunikationsdaten direkt an der Quelle, also auf dem angegriffenen Handy abgefangen.

Dies geschieht also noch bevor die Messenger, beispielsweise Signal, Threema oder WhatsApp, die Daten verschlüsseln können. Die Politik reagiert mit diesem Gesetz auf die immer größere Verbreitung Ende-zu-Ende-verschlüsselter Messenger, deren Datenfluss mit der klassischen Telekommunikations-Überwachung (TKÜ) nicht entschlüsselbar ist.

Um die Schadsoftware auf das Handy der Verdächtigen zu schleusen, sind die Ermittlungsbehörden auf Schwachstellen in der Sicherheitsarchitektur dieser Handys angewiesen. Diese Sicherheitslücken, die auch sämtliche anderen Nutzer*innen des Handytyps betreffen können, werden dementsprechend geheim gehalten.

Sie können neben den staatlichen Behörden also auch von Kriminellen genutzt werden. Der Einsatz von Staatstrojanern wird daher von Expert*innen für IT-Sicherheit immer wieder kritisiert.

Der Autor

E-Mail

t.baulig@mobilsicher.de

PGP-Key

BE4B0538AA06645A

Fingerprint

3577 45E7 ECC4 7372 DFF8 0A80 BE4B 0538 AA06 645A

Thorsten Baulig

Thorsten Baulig macht Sie auf unseren Social Media-Kanälen und im monatlichen Newsletter auf unsere neuesten Beiträge und wichtige Branchennews aufmerksam - und ist immer auch auf Ihre Meinung zu diesen Themen gespannt. Außerdem kümmert er sich bei mobilsicher um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zuvor studierte er Kulturwissenschaft in Siegen und Berlin, organisierte Kulturprojekte und arbeitete im Verlag.

Weitere Artikel

YouTube-Video 

F-Droid als Ersatz für den Google Play-Store?

Wer sich beim Apps installieren nicht von Google abhängig machen will, hat noch andere Möglichkeiten. Wir empfehlen den verbraucherfreundlichen App-Store F-Droid. Inwieweit diese Alternative den Google Play-Store ersetzen kann, erfahren Sie im Video.

Ansehen
Ratgeber 

Identifier: So erkennen Tracking-Firmen Sie im Netz

Viele Apps senden Nutzerdaten an Firmen, die daraus Nutzerprofile erstellen. Das nennen wir "tracken". Aber wie erkennen diese Firmen eigentlich, welcher Datensatz von welchem Nutzer kommt? Das funktioniert mit sogenannten "Identifiern". Wir erklären, was das ist.

Mehr
Ratgeber 

GSM – Der unsichere Standard zum mobilen Telefonieren

Wer mobil telefoniert oder SMS-Textnachrichten versendet, nutzt dazu meistens die mobilen Telefonnetze, die je nach Mobilfunkanbieter verfügbar sind. Das am weitesten verbreitete Standardnetz ist das GSM-Netz. Aber wie sicher sind diese Verbindungen?

Mehr
YouTube-Video 

10 Fragen aus der YouTube-Community: Messenger-Special

Die Fragen unserer YouTube-Community sind viel zu interessant, um sie in der Kommentarspalte untergehen zu lassen. Deshalb gibt es unsere Antworten nun als Video. Wir starten direkt mit einem Special: 10 Fragen zum Thema Messenger-Dienste – und unsere Antworten.

Ansehen