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App-Test „Clean Master“: Böse Überraschung

Was früher der Buch-Tipp und später die Film-Empfehlung war, ist inzwischen der App-Tipp. Er gehört selbst bei technikfernen Medien längst zum guten Ton. Doch wissen wir überhaupt, was wir da empfehlen? Der Fall „Clean Master“ zeigt: Eher nicht.

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Zugegeben, es ist verführerisch: Weihnachten steht vor der Tür? Dann suchen wir für die bunte Seite mal eben ein paar nette Apps zum Thema Backen und Geschenke raus. Das Wochenende naht? Die fünf Top-Apps der Woche sind schon ausgesucht.

Genau wie die Buchkritik und der Film-Tipp scheint auch die App-Empfehlung einen festen Platz im Medienrepertoire gefunden zu haben, bei Online- und Print genauso wie in TV und Hörfunk. Bei Technik-Medien gehört sie sowieso zum täglichen Brot.

Doch während man bei einem Buch und auch bei einem Film genau weiß, was drin steckt, wenn man es gelesen oder ihn gesehen hat, ist das bei Apps ganz anders.

Technik-Medien liegen voll daneben

Wie heftig man bei einer harmlosen App-Empfehlung daneben liegen kann, zeigt der Fall „Clean Master“. Die Android-App vom Hersteller Cheetah mobile ist mit mehr als 40 Millionen Nutzerkommentaren  extrem erfolgreich. Wann immer man zum Thema „Optimierung“ oder „Cleaner“ sucht, landen die Cheetah-Produkte ganz oben. Sie werden auf praktisch allen Technik-Magazinen und Blogs besprochen.

Zum Beispiel auf netzwelt.de

www.netzwelt.de

Oder von Chip.de, mit der Bewertung Sehr gut

www.chip.de

Bei Computer Bild landete sie bei den besten Apps immerhin nur auf Platz 5

www.computerbild.de

Oder von PC-Welt

www.pcwelt.de

Und selbst die c’t erwähnt die App ganz beiläufig, als wäre sie ganz harmlos

Keine dieser Besprechungen weist darauf hin, dass die App im Hintergrund Seiten mit Schadprogrammen und Pornos aufruft. Und dass der Hersteller ganz offensichtlich über seine Apps Datenverkehr für äußerst zwielichtige Webseiten erzeugt und schlichtweg unseriös ist. Bei einer App mit so vielen Zugriffsrechten sollten da eigentlich alle Alarmglocken schrillen.

Kein Verlass auf den Schwarm

Doch alle von außen erkennbaren Parameter deuten darauf hin, dass es sich um eine völlig harmlose App handelt, die im schlimmsten Fall nicht besonders nützlich ist. Selbst unsere eigenen Tipps, die wir auf unserer Webseite zum Erkennen unseriöser Apps geben, hätten hier versagt. Denn auch wir empfehlen, nach Downloadzahlen, Nutzerkommentaren, Besprechungen auf Technik-Seiten zu sehen.

Was die App tatsächlich tut, kam erst bei einem mobilsicher.de-Test zutage, bei dem wir Apps auch technisch analysieren. Wie tief die App ganz eindeutig im Sumpf zwielichtiger Affiliate- und Traffic-Erzeugungsprogramme steckt, hat uns ziemlich überrascht. Auch wir haben bisher zumindest ein wenig an die „Schwarm-Intelligenz“ geglaubt. Nach dem Motto: Bei so vielen Nutzern hätte es Irgendwer schon gemerkt.

Die Erfahrung mit Clean Master zeigt noch deutlicher als zuvor: Meistens merkt es keiner. Wer nicht Gefahr laufen will, aus Versehen eine App zu empfehlen, die zwielichtig oder sogar gefährlich ist, kommt um eine Analyse des Datensendeverhaltens nicht herum. Die klassische Besprechung, bei der lediglich die Funktion vom Nutzer-Interface aus getestet wird, ist bei Apps schlichtweg nicht ausreichend. Denn Apps sind eben keine Bücher.

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