Messenger

Messenger-App Delta.Chat kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 03.06.2019, bearbeitet am04.06.2019

Anders als WhatsApp und Co. schickt der Messenger Delta.Chat Nachrichten nicht über eigene Server, sondern nutzt die Infrastruktur bestehender E-Mail-Adressen. Der Dienst ist damit dezentral – für Nutzer*innen hat das Vorteile.

Das ist Delta.Chat

Delta.Chat nennt sich selbst ein „Open Source Community Projekt“, die Messenger-App gibt es seit Anfang 2019. Dahinter steht die Merlinux GmbH aus Freiburg, die auch IT-Dienstleistungen anbietet.

Die App ist kostenlos, ein endgültiges Geschäftsmodell steht noch nicht fest. Finanziert wird und wurde die Entwicklung durch EU-Förderungen, den OpentechFund und Spenden.

Der Programmcode der App ist quelloffen, jede*r kann ihn also einsehen und weiterentwickeln. Delta.Chat ist für Android im alternativen App-Store F-Droid sowie im Google Play-Store erhältlich, außerdem arbeitet das Team an einer iOS- sowie an Desktop-Versionen.

So funktioniert Delta.Chat

Delta.Chat hat eine besondere technische Struktur: Statt jede Nachricht über eigene Server zu leiten, bedient der Dienst sich der Infrastruktur bestehender E-Mail-Adressen.

Jede Person, die über eine E-Mail-Adresse verfügt, kann sich damit in der App anmelden und über ein Chat-Fenster Nachrichten verschicken. Welcher E-Mail-Dienst genutzt wird, ist dabei egal.

Wenn die Empfänger*innen ebenfalls Delta.Chat nutzen, werden die Nachrichten automatisch Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen und in der App als Chatnachricht dargestellt.

Die allererste Nachricht wird unverschlüsselt gesendet, denn die Informationen für die Verschlüsselung müssen erst per Nachricht zwischen den beiden Chattenden ausgetauscht werden. Ab der zweiten Nachricht chattet man dann Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Nutzen die Empfänger*innen Delta.Chat nicht, wird eine aus der App gesendete Nachricht als E-Mail in ihrem Postfach angezeigt. Aus dem Postfach heraus kann man auch direkt per E-Mail antworten. Die E-Mail wird dann als Chatnachricht in der App angezeigt.

Achtung: Die Kommunikation zwischen App und regulären E-Mail-Postfächern ist standardmäßig nicht Ende-zu-Ende-, sondern nur transportverschlüsselt. Der E-Mail-Dienst kann den Inhalt also einsehen. Mail-Apps, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterstützen, können auch verschlüsselte Mails in die Chat-App senden.

Delta.Chat braucht keine eigenen Server

Da Delta.Chat auf die Infrastruktur von E-Mail-Diensten aufsetzt, kann die App ganz auf eigene Server verzichten.

Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten werden lokal auf den verwendeten Geräten gespeichert und sind nur für die Kommunikationspartner*innen lesbar. Auch Ende-zu-Ende-verschlüsselte Gruppenchats sind möglich.

Nutzer*innen bleiben also unabhängig von einem zentralen Dienstanbieter. Zum Vergleich: Bei WhatsApp, Telegram und Co. müssen Nutzer*innen darauf hoffen, dass der Dienst seine Server dauerhaft betreibt, da ansonsten keine Nachrichten mehr versendet werden können.

Auch kann ein zentraler Dienst seine Vertrauenswürdigkeit verlieren, durch staatliche Gewalt eingeschränkt oder für Nutzer bestimmter Länder gesperrt werden.

Backup bei Delta.Chat

Wer seine Delta.Chat-Inhalte, Kontakte und Einstellungen von einem Gerät auf ein anderes überspielen will, muss dazu ein lokales Backup seiner Daten erstellen.

Dabei werden alle App-Daten in einem Dateiordner auf dem eigenen Smartphone oder Tablet abgelegt. Anschließend muss man diesen Ordner auf das neue Gerät überspielen – zum Beispiel per USB-Kabel über den PC. Bei Neuinstallation findet die App dieses Backup dann auf dem neuen Gerät.

Ein lokales Backup lässt sich über folgenden Pfad erstellen:  Menü (drei Punkte rechts oben in der App) > Einstellungen > Erweitert  > Backup.

Hinweis: Das Backup-Datenpaket ist nicht verschlüsselt, beim Überspielen über eine Cloud wie zum Beispiel Google Drive sind die Daten also nicht geschützt.

Delta.Chat: Vor- und Nachteile

Positiv:

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Chats und Gruppen-Chats
  • Lokale Backups (unverschlüsselt)
  • Ohne Telefonnummer nutzbar
  • Speichert keinerlei Daten
  • Offener Quellcode (Open Source)

 

Negativ:

  • Keine Audio- und Video-Telefonie
  • Kein Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten

Die Autorin

E-Mail

i.poeting@mobilsicher.de

PGP-Key

0x98926A6965C84F21

Fingerprint

7F5D B2F7 C59F 0547 D730 7DD7 9892 6A69 65C8 4F21

Inga Pöting

Inga Pöting ist Redakteurin bei mobilsicher.de. Sie schreibt Texte, kümmert sich um die Webseite und erklärt Apps und Smartphone-Funktionen vor der Kamera. Davor hat sie im Ruhrgebiet bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen gearbeitet.

Weitere Artikel

Ratgeber 

AdVersary: Werbefreie Zone (Android)

Werbung in Apps ist nicht nur lästig, sie kann auch in die Privatsphäre eines Nutzers eingreifen. Zudem können Werbebanner Links zu schädlichen Seiten enthalten. Eine neue Android-App namens AdVersary entfernt Werbung aus anderen Apps.

Mehr
Ratgeber 

Serie: Die beliebtesten Navigations-Apps im Check

Navigations-Apps gibt es inzwischen für jeden Geschmack – die meisten bringen einen zuverlässig von A nach B. Aber wie gehen die verschiedenen Dienste mit Nutzerdaten um? Das haben wir bei den beliebtesten Navi-Apps untersucht. Einen Überblick gibt es hier.

Mehr
App-Test 

App-Test: Firefox-Browser

Firefox ist ein Webbrowser von Mozilla, der für die meisten Betriebssysteme angeboten wird – auch für Android. Unser Test zeigt: Mozilla lässt den Nutzern viele Wahlmöglichkeiten und versucht, Privatsphäre und Service zu vereinen.

Mehr
Ratgeber 

Handy für Kinder einrichten (Android)

Wer seinem Kind ein Smartphone schenken möchte, tut gut daran, es vorher selber zu konfigurieren. So werden die Weichen in Sachen Privatsphäre gleich richtig gestellt. Wir führen Sie durch die wichtigsten Schritte - von den Grundeinstellungen über App-Auswahl bis zum Einrichten verschiedener Nutzerkonten.

Mehr