Ratgeber

Firewall fürs iPhone: Lockdown kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 05.07.2020

Lange ließ Apple keine externen Werbeblocker zu. Inzwischen ist das Blocken unerwünschter App-Verbindungen auch auf iPhone und iPad möglich. Wir empfehlen die kostenlose und quelloffene Firewall-App Lockdown.

Das ist Lockdown

Lockdown ist eine Firewall für das iPhone. Die App ist kostenlos und blockiert Tracker und Werbung – und zwar nicht nur im Browser, sondern in allen Apps. Lockdown gibt es für iOS, iPadOS und MacOS.

Das einzige vergleichbare Werkzeug, das iOS direkt mitbringt, ist der Safari-Inhaltsblocker. Dessen Funktion beschränkt sich allerdings auf den Browser.

Während es für Android-Geräte schon länger Firewall-Programme gibt, ist das Angebot für Apple-Produkte bisher sehr überschaubar. Das hängt damit zusammen, dass Apple lange keine klassischen Firewalls in seinem Appstore akzeptierte.

Firewalls als Tracking-Blocker sind für die Privatsphäre eine gute Option: Smartphones sind nahezu immer online, viele Apps sammeln Daten im Hintergrund. Außerdem verbrauchen eingebaute Tracker Strom- und Datenvolumen, sodass eine Firewall sich positiv auf die Leistung des Handys auswirken kann.

Nach Angaben der Entwickler*innen ist Lockdown die erste Firewall für das iPhone, deren Programmcode offen zugänglich ist (Open Source).

So funktioniert Lockdown

Lockdown filtert unerwünschte App-Verbindungen heraus. In der App wird eine Liste mit Internetadressen hinterlegt, auf die Apps nicht zugreifen dürfen.

Die App enthält ab Werk Vorschläge, welche Seiten Sie blocken könnten: beispielsweise URLs, die zu Facebook gehören oder zu Trackern wie Google Analytics. Mit jeweils einem Klick können Sie diese Adressen auf die Blockliste setzen. Darüber hinaus können Sie händisch weitere Domains hinzufügen.

Anschließend aktivieren Sie die Firewall mit einem Button auf der Startseite der App. Direkt unter dem Button sehen Sie die aktuelle Anzahl bereits geblockter Verbindungen.

Ähnlich wie Firewalls für Android arbeitet auch Lockdown mithilfe der VPN-Funktion, die alle iPhones ab Werk mitbringen. VPN steht für Virtual Private Network (virtuelles privates Netzwerk). Die Funktion ermöglicht es, sämtlichen Datenverkehr, der vom Gerät kommt, auf eine bestimmte Internetadresse umzuleiten.

In der kostenlosen Version baut Lockdown aber nur ein sogenanntes "lokales VPN" auf. Das bedeutet, der Datenverkehr wird auf dem Gerät selbst durch die App geleitet, wo jede aufgerufene Adresse mit der hinterlegten Liste abgeglichen wird.

Entwicklung und Finanzierung

Hinter Lockdown stehen die beiden ehemaligen Apple-Entwickler Johnny Lin und Rahul Dewan, die gemeinsam die Firma Confirmed betreiben. Laut Webseite verzichten sie aus Prinzip auf Werbung bei Facebook und Co., da sie das Privatsphäre verletzende System, gegen das sie mit ihrer App angehen, nicht unterstützen möchten.

Lin und Dewan entwickelten auch Confirmed VPN, einen Open-Source-VPN-Dienst. Unter dem Namen „Secure Tunnel“ ist Confirmed VPN auch über die Lockdown-App nutzbar. Dieser zusätzliche VPN-Dienst, mit dem Sie Ihre Verbindungen verschlüsseln und Ihre IP-Adresse verschleiern können, ist im Gegensatz zur Firewall jedoch kostenpflichtig.

Den VPN-Dienst bekommt man per In-App-Kauf, nach einer kostenlosen Probewoche kostet er 52,99 Euro im Jahr.

Lockdown im Praxis-Test

Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich, leider ist die App aber noch nicht auf Deutsch verfügbar. Die Bedienung ist aber auch ohne fortgeschrittene Englischkenntnisse intuitiv. Wenn Sie die voreingestellten Domains auf der Blockliste aktivieren, genießen Sie bereits guten Schutz.

Punktuell kann die App zu Einschränkungen bei der Benutzung führen, was in der Natur der Sache liegt: Haben Sie etwa wie voreingestellt die Verbindungen zu Facebook-Domains gesperrt, können Sie die Facebook-Seite oder auch die zum Konzern gehörende Instagram-Seite nicht öffnen. In dem Fall müssten Sie die Firewall deaktivieren, was mit einem Fingertipp getan ist.

Praktisch: Ist die Firewall aktiv, so ist sie das auch, wenn das Handy zwischendurch heruntergefahren wird; die App schaltet sich automatisch wieder ein.

So schützt die App Ihre Daten

Lockdown ist quelloffen, der Code ist also öffentlich einseh- und verwendbar und kann von unabhängigen Dritten überprüft werden. Dies ist besonders bei Firewall-Apps wichtig, da Nutzer*innen einer solchen App den gesamten persönlichen Datenverkehr anvertrauen.

Darüber hinaus agiert die App ausschließlich lokal. Da das Blocken direkt auf dem Gerät stattfindet, werden keinerlei Daten auf fremde Server übertragen. Auch das „View Log“, das die geblockten Verbindungen des laufenden Tages auflistet, befindet sich ausschließlich auf dem Gerät und wird jeden Tag um Mitternacht gelöscht. Die Datenschutzerklärung ist entsprechend kurz.

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