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Was Smartphones sicherer macht als einfache Mobiltelefone

Carnac Steine

Sind moderne Smartphones unsicherer als ihre Vorfahren, die einfachen Mobiltelefone? Regelmäßige Berichte über Sicherheitslücken bei iPhone, Android und Co. nähren diese Annahme. Dieser Eindruck täuscht. Warum, stellen wir im Folgenden vor.

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Alte Handys · Dumb Phone · Featurephone · Handy · Nokia · Old Phone
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Weltweit wurden im Jahr 2014 über eine Milliarde Smartphones verkauft. Entsprechend ist auch die Berichterstattung und die Medienpräsenz der Sicherheitsprobleme gewachsen.

Doch Smartphones sind nicht generell unsicherer als einfache Mobiltelefone. Sie bieten sogar eine ganze Reihe von Sicherheitsvorteilen.
Die Smartphone-Betriebssysteme werden ständig weiterentwickelt. Wo Sicherheitsprobleme bekannt werden, werden meistens zeitnah Lösungen entwickelt.

Außerdem machen es Smartphones ihren Nutzerinnen inzwischen sehr einfach, Daten und Kommunikation vor Unbefugten zu schützen. Mit einfachen Mobiltelefonen hingegen ist Daten- oder Kommunikationssicherheit schlichtweg nicht möglich.

Sicherheitsprobleme bei Smartphones und einfachen Mobiltelefonen:

  • Hardware nicht Quelloffen
  • Telefonate und SMS über das unsichere Mobilfunknetz GSM

Vorteile bei Smartphones:

  • Software teilweise quelloffen
  • Festplattenverschlüsselung möglich
  • Bildschirmsperre möglich
  • Verschlüsselte Kommunikation möglich
  • Nutzerfreundliche Datensicherung möglich

 

Vorteil 1 : Datensicherheit durch Datensicherung

Es kommt vor, dass ein Mobiltelefon verloren oder kaputt geht. Neben den Anschaffungskosten ist es besonders ärgerlich, wenn die, auf dem Telefon gespeicherten Daten, mit verloren gehen. Ob es Urlaubsfotos, SMS oder die Telefonnummern aller Bekannten sind, ein Backup schützt vor jeder Menge Frust.

Bei modernen Smartphones ist ein solches Backup der persönlichen Daten meistens relativ einfach. Im Gegensatz dazu lässt sich eine Datensicherung bei einfachen Mobiltelefonen entweder gar nicht machen oder es werden spezielle Kabel, spezielle Software und eine Menge Geduld benötigt.

Backups werden und wurden bei „Dumbphones“, wie einfache Mobiltelefone auch gelegentlich genannt werden, kaum gemacht. Die Smartphones liegen beim Thema Backup Dank ihrer NutzerInnenfreundlichkeit klar vorn.

Vorteil 2 : Datensicherheit durch Verschlüsselung

iPhones und Android-Smartphones lassen sich ganz einfach komplett verschlüsseln. Damit können persönliche Daten, Fotos und auch die Daten anderer, zum Beispiel SMS oder Rufnummern von Freunden, gegen unbefugten Zugriff geschützt werden.

Selbst unverschlüsselte Smartphones bieten noch einigen Schutz gegen das Auslesen des Telefonspeichers, etwa durch die Bildschirmsperre. Das liegt daran, dass Smartphones durch ein Rechtemanagement die Möglichkeit bieten, Zugriffsrechte auf gespeicherte Daten zu reglementieren.

Bei den einfachen Mobiltelefonen ist das anders. Sie bieten keine Verschlüsselung und auch keinen Schutz durch Bildschirmsperren. Stattdessen muss man sich auf den Pincode der SIM-Karte verlassen, der sich ziemlich leicht umgehen lässt. Wer das Telefon in die Hand bekommt, kann beispielsweise durch Wechsel der SIM-Karte alle Nachrichten und Kontakte im Telefonspeicher lesen.

Vorteil 3 : Kommunikationssicherheit durch Wahl der Kommunikationsart

Bei einfachen Mobiltelefonen gibt es keinen Weg um das Mobiltelefonnetz herum, auch GSM (Global System for Mobile Communications) genannt. Jede Nachricht ist eine SMS, jeder Anruf geht über das GSM-Telefonnetz.

Dabei ist längst bekannt, dass sich SMS und Anrufe über das GSM-Telefonnetz von technischen Experten leicht mitlesen und mithören lassen. Und zwar nicht nur vom eigenen Telefonanbieter, sondern auch von Angreifern.

Bei Smartphones wird zwar GSM ebenfalls verwendet, allerdings lässt es sich bei einzelnen Modellen ganz ausschalten. Bei den anderen Modellen lässt sich das GSM-Netz zumindest deaktivieren. Stattdessen kann dann über Apps kommuniziert werden, die mit dem Internet verbunden sind. Diese nutzen eine vorhandene WLAN-Verbindung oder aber das LTE-Protokoll (4G).

Eine Reihe von Apps bieten sogar verschlüsselte Anrufe sowie verschlüsselte Nachrichten und Datenübertragung an. Ein klarer Pluspunkt für Smartphones.

Vorteil 4 : Datensicherheit durch Open Source Software

Einfache Mobiltelefone sind eine Blackbox, ein Gerät also, dessen Funktionsweise den Nutzerinnen verborgen bleibt. Klingt das auch im ersten Moment halb so wild, man muss ja schließlich auch den Toaster nicht aufschrauben, um sich ein Brot zu toasten, ist es doch die Grundlage für alle Nutzersicherheit.

Denn, um im Bild zu bleiben, hat der Toaster einen gefährlichen Konstruktionsfehler, kann dieser nur rechtzeitig entdeckt werden, wenn er dann doch regelmäßig überprüft wird. Fehler passieren immer, es kommt darauf an, sie rechtzeitig zu bemerken. So ist es auch bei jeder Software und jedem Mobiltelefon: Smart oder einfach.

Viele Android-Varianten sind zumindest in großen Teilen Quelloffen. Bei ihnen werden die unvermeidlichen Fehler regelmäßig von Sicherheitsforschern entdeckt und können zeitnah behoben werden. Gleiches gilt auch für Apps, wenn deren Quellcode offen liegt.

Die einfachen Mobiltelefone schneiden hier äußerst schlecht ab. Die integrierte Software ist nicht frei zugänglich, gravierende Sicherheitslücken können so unentdeckt über viele Jahre existieren und ausgenutzt werden, ohne dass sich die NutzerInnen überhaupt der Gefahren bewusst sind.

Vorteil 5 : Datensicherheit durch Updates

Selbst wenn Softwarefehler entdeckt und behoben werden, ist bei einfachen Mobiltelefonen kein Mechanismus vorgesehen, diese Aktualisierungen an die Verbraucher auszuliefern. Sicherheitsupdates, die bei Smartphones üblich sind, sind bei einfachen Mobiltelefonen gar nicht vorhanden.

Wenn über Schwachstellen berichtet wird, kann das also beides bedeuten: ein Problem, aber auch eine Lösungsmöglichkeit. Wenn Schwachstellen gar nicht erst bekannt werden, können sie möglicherweise jahrelang ausgenutzt werden.

 

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