Hintergrund

Die eSIM kommt

A ship in a bottle

Kleiner, unkomplizierter, vielfältiger – die fest verbaute eSIM-Karte soll in zehn Jahren zum Standard werden. Die Gerätehersteller könnten dadurch mehr Macht gegenüber den Mobilfunkanbietern bekommen. Aber auch für Kunden könnte die eSIM Vorteile bringen.

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Mobilfunk · Provider · SIM · Telekom
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Für Mobiltelefone benötigen Nutzerinnen eine SIM-Karte, die sie vom Mobilfunkanbieter erhalten. Man steckt die Karte in sein Telefon, gibt die zugehörige PIN ein und kann lostelefonieren. Ohne SIM kann sich das Gerät nicht beim Mobilfunkbetreiber einwählen.

Wechseln Nutzer das Telefon, können sie diese Informationen mit der SIM-Karte mitnehmen: Sie müssen die Karte einfach in das neue Gerät stecken und können weitertelefonieren.

„eSIM“ steht für „embedded SIM“ – also ein ins Gerät integriertes Modul, das die Funktionen der SIM-Karte übernimmt. Mit dieser neuen Technik soll der Wechsel von SIM-Karten zwischen Mobiltelefonen der Vergangenheit angehören. Zudem sollen neue Geräte, wie zum Beispiel Smartwatches und vernetze Autos, so per Mobilfunk online gehen können. Die eSIM wird nicht mehr einmalig beschrieben und dann verschickt, sondern kann bei Bedarf neu programmiert werden.

Obwohl die eSIM noch nicht offiziell von der Branchenorganisation GSMA zertifiziert wurde, sind erste Geräte mit der Technik bereits im Handel: So verkauft die Deutsche Telekom ein iPad Pro mit integrierter SIM-Karte von Apple, Konkurrent Vodafone ist mit der Samsung Gear S2 3G am Start. Spätestens 2017 soll die eSIM auch in vielen Mobiltelefonen zum Einsatz kommen.

Was ist eigentlich eine SIM?

Um die eSIM zu verstehen, muss man wissen, was eine SIM-Karte ist. Die Abkürzung steht für „subscriber identity module“ – zu deutsch etwa: „Teilnehmer-Identitätsmodul“. Auf dem kleinen Datenspeicher sind schreibsicher Daten wie die IMSI abgelegt – eine weltweit eindeutige Nummer, mit der ein Mobilfunkprovider seine Kunden identifizieren kann.

Zudem sind auf dem Datenspeicher wichtige digitale Schlüssel gespeichert, die die sichere Kommunikation mit dem Mobilfunknetz ermöglichen. Deshalb ist die herkömmliche SIM-Karte an einen Provider und an einen bestimmten Vertrag gebunden.

Geräte mit SIM-Karten, die fest verbaut sind, gibt es schon. So hat Amazon in einigen Modellen seines E-Book-Readers „Kindle“ bereits vor Jahren ein Mobilfunkmodul eingebaut, damit Kunden neue Bücher unterwegs herunterladen können.

Auch in der Industrie sind fest eingebaute SIM-Karten verbreitet. Im Rahmen der so genannten „Industrie 4.0“ werden immer mehr Geräte mit Mobilfunkmodulen versehen. So können Überseecontainer automatisch melden, wann sie voraussichtlich im nächsten Hafen eintreffen, Windräder ihre Auslastung an die Zentrale melden.

Der Nachteil: Fest verbaute SIM-Karten können nicht neu beschrieben werden. Sie sind wie herkömmliche SIM-Karten, nur fehlt der Schlitz zum Entfernen. Die so vernetzten Geräte sind unflexibel. So hat Amazon beispielsweise für sein Kindle-Angebot Verträge mit Mobilfunkbetreibern in über 100 Ländern abgeschlossen. Verlässt man deren Abdeckungsgebiet, bleibt das Gerät erst einmal offline.

Die eSIM bietet hier neue Möglichkeiten: Da sie neu beschrieben werden kann, könnte sie zum Beispiel zu einem neuen Provider Kontakt aufnehmen.

Was ändert sich für den Verbraucher?

Der offensichtlichste Vorteil der eSIM ist: Sie braucht deutlich weniger Platz. Der ist auch bei den größeren Smartphones ein knappes Gut. Zudem fällt eine potenzielle Fehlerquelle für mechanische Probleme weg. Da der SIM-Karten-Schacht nicht mehr von außen zugänglich sein muss, können Gehäuse leichter wasserdicht gebaut werden.

Die geringe Größe kommt besonders bei Geräten wie Smartwatches und Fitness-Armbändern zum Tragen: Diese können mit einer eSIM eigenständig online gehen und müssen nicht erst mit einem Smartphone gekoppelt werden.

Für den Verbraucher ändert sich zunächst einmal die Handhabung. Statt bei Geräte- oder Providerwechsel eine neue SIM-Karte in das Mobiltelefon einzulegen, kann er künftig sein Gerät direkt online mit einem passenden Tarif ausstatten. Vertragswechsel können zumindest theoretisch in wenigen Minuten über die Bühne gehen.

Mit der eSIM werden die Karten im Mobilfunkmarkt eventuell neu gemischt: Bisher riskierten Kunden bei Vertragswechsel, zeitweise nicht mehr erreichbar zu sein. Dieses Problem sollte mit der eSIM wegfallen: Wer eben noch über seinen alten Provider online war, könnte innerhalb von Minuten beim neuen Provider telefonieren.

Allerdings hilft die eSIM nicht dabei, die Vertragsdauer von Mobilfunkverträgen zu verkürzen. Wer seine eSIM auf einen neuen Vertrag einstellt, ist noch nicht von den Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinem alten Provider befreit.

Insgesamt hofft die Branche auf ein einträgliches Geschäft dank eSIM: So rechnet die Deutsche Telekom damit, dass im Jahr 2020 ein durchschnittlicher Kunde bis zu zehn vernetzte Geräte besitzt: Vom Smartphone und Tablet, über das Fitnessarmband bis hin zum vernetzten Auto. Und mehr vernetzte Geräte bedeuten auch mehr Umsätze für die Provider.

Entwicklung offen

Die eSIM gibt den Geräteherstellern allerdings auch neue Mitspracherechte. So konnte die Apple SIM, die der US-Konzern 2014 vorstellte, nur mit Providern aktiviert werden, die einen Vertrag mit Apple geschlossen hatten. Die Deutsche Telekom war als einziger der großen deutschen Netzbetreiber dabei.

Wie die Umsetzung der eSIM konkret aussehen wird, muss sich noch zeigen. So will die GSMA noch diesen Sommer einen verbindlichen Standard vorstellen. Anschließend liegt es an den Mobilfunkbetreibern und den Geräteherstellern, wie sie die Umsetzung dieses Standards und den Freischaltungs-Prozess organisieren.

Die eSIM bietet das Potenzial für mehr Flexibilität für Verbraucher, aber auch für neue Einschränkungen. Technisch liessen sich mit der eSIM Geräte dauerhaft an einen Anbieter binden oder auch flexibel miteinander kombinieren. Welche Varianten dem Verbraucher in Zukunft angeboten werden, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Unklar ist zum Beispiel noch, ob es per eSIM möglich sein wird, mit einem Gerät unter verschiedenen Mobilfunknummern erreichbar zu sein oder einen Sprachtarif eines Providers mit dem Datentarif eines anderen Anbieters zu kombinieren.

Dies war bisher schon mit so genannten Multi-SIM-Telefonen möglich, die allerdings in Deutschland selten sind. Mit der eSim könnten Kombi-Tarife für viele Kunden möglich werden. Aber eben nur, wenn es die Provider zulassen.

 

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