Ratgeber

Surfen mit Tor (Android)

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Das Anonymisierungs-Netzwerk Tor kann dabei helfen, einen Teil der Spuren, die man beim Surfen im Netz hinterlässt, zu verschleiern. Welche Android-Software man für Tor braucht und wie man sie benutzt, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

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Anonym surfen · Darknet · Onion · Privatsphäre · Tor · Tracking · Zwiebel
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Tor kann man sich wie eine Wolke im Internet vorstellen, in der es Eingänge und Ausgänge gibt. Innerhalb der Wolke werden die eigenen Verbindungsdaten von einem Rechner oder auch Router (Tor-Knoten, Englisch: node) zum nächsten geleitet, bevor sie an einem der Ausgangsnetzknoten (Englisch: exit node) ins Internet geschickt werden.

Teil 1: Tor sicher nutzen

Die eigene Absenderadresse, die IP-Adresse, wird durch Tor anonymisiert und die Spuren im Internet werden verwischt – sofern man bestimmte Verhaltensregeln beachtet. Diese Verhaltensregeln besprechen wir im ersten Abschnitt dieses Ratgebers.

Mit Tor surft man nicht unbeobachtet

Was Sie im Netz tun, welche Werbung Sie anklicken, welche Cookies sie gespeichert haben und welche Informationen Sie auf Webseiten eingeben, kann auch beobachtet werden, wenn Sie über Tor surfen. Man nennt das Tracking (auf Deutsch: verfolgen). Damit kann man eventuell Rückschlüsse auf Ihre „echte“ Identität ziehen. Es gibt Browser-Erweiterungen, die das Tracking einschränken können.

Einige Webseiten-Betreiber können erkennen, ob die Besucher der Seite Tor benutzen. In manchen Fällen werden Tor-Nutzer explizit vom Besuch der Seite ausgeschlossen, beziehungsweise blockiert. Im Internetbrowser erscheint dann oft eine Fehlermeldung, zum Beispiel, dass die Seite nicht gefunden werden konnte.

Anonym ist nicht gleich verschlüsselt

Unverschlüsselter Datenverkehr kann auch im Tor-Netzwerk leicht von Dritten mitgelesen werden. Insbesondere an den „Ausgängen“ zum Internet, den Ausgangsnetzknoten, können Überwacher den Datenverkehr aufzeichnen.

Wenn Sie sich zum Beispiel über Tor auf einer unverschlüsselten Webseite einloggen, etwa in ein Diskussionsforum, können Ihr Benutzername und Ihr Passwort mitgelesen werden. Ihre Diskussionsbeiträge, die Sie schreiben, werden ebenfalls unverschlüsselt übertragen.

Verschlüsselte Webseiten sind von Dritten nicht so leicht abzuhören. Die Internetadresse solch einer verschlüsselten Webseite beginnt mit HTTPS anstatt mit HTTP in der Adresszeile. Sie erkennen es auch an dem geschlossenen Schloss-Symbol in der Adresszeile. Allerdings bieten nicht alle Webseiten eine verschlüsselte Version ihrer Webinhalte an.

Keine personalisierten Informationen über Tor versenden

Wenn Sie mit Tor surfen, sollten Sie keine Informationen auf Webseiten eingeben, die Rückschlüsse auf Ihre Identität zulassen. Bankgeschäfte erledigen, WhatsApp nutzen oder E-Mails versenden sollten Sie über Tor nicht.

Wenn Sie in Chats oder Foren anonym bleiben möchten, dann legen Sie sich ein neues, anonymes Benutzer-Konto an – aber nur, wenn Sie bereits mit Tor verbunden sind. Verwenden Sie dieses anonyme Konto niemals außerhalb des Tor-Netzwerkes.

 

Teil 2: Tor-Apps installieren und konfigurieren

Um sich mit dem Tor-Netzwerk zu verbinden, braucht man die Proxy-App Orbot, entwickelt von der Open-Source-Initiative „The Guardian Project“. Das Projekt wurde 2009 von dem US-Amerikaner Nathan Freitas gegründet und bringt unter anderem Tor auf mobile Endgeräte.

Um über Tor anonym surfen zu können, braucht man zusätzlich einen Tor-fähigen Webbrowser wie Orweb, Orfox oder Lightning Browser. Orweb und Orfox sind ein Gemeinschaftsprojekt von „The Tor Project“ und „The Guardian Project“. Der alternative Lightning Browser wird von Fachleuten ebenfalls empfohlen. Allerdings sind die Standard-Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre bei diesem Browser (Version 4.2.3a) nicht optimal. So wird beispielsweise Werbung nicht blockiert, und Cookies dürfen gesetzt werden.

Orfox basiert auf dem Tor-Browser für Desktop-Computer sowie Firefox für Android, und ist noch im Beta-Entwicklungsstadium. Orfox soll aber weniger Sicherheitslücken haben als die Browser-App Orweb. Zusätzliche Browser-Erweiterungen, wie „NoScript“ und „HTTPS Everywhere“, sind in Orfox bereits vorinstalliert und schützen die eigene Privatsphäre zusätzlich.

In den folgenden Absätzen erklären wir, wie Sie die Tor-Apps Orbot (Proxy-App) und Orfox (Browser-App) installieren und für das Anonymisierungs-Netzwerk Tor konfigurieren.

Woher bekommt man die Tor-Apps?

Die Entwickler von Orbot und Orfox empfehlen, die Apps über den Open Source-Shop „F-Droid“ zu installieren. Man findet die Apps aber auch bei Google-Play oder im Amazon App-Shop. Den jeweils aktuellen Link zu den App-Shops findet man auf der Webseite von „The Guardian Project“. Da in der Vergangenheit gefälschte Tor-Browser-Apps aufgetaucht sind, sollte man diesen kurzen Umweg in Kauf nehmen, um sicher zu gehen, dass man die richtige App installiert. Orbot kann man sich alternativ auch als .APK-Installationsdatei von der Webseite der Entwickler herunterladen und die Apps manuell installieren.

Schritt 1: Orbot starten

Nachdem Sie Orbot heruntergeladen und installiert haben, öffnen Sie die App. In der Mitte des Displays erscheint ein Android-Männchen mit einer Zwiebelschale auf dem Kopf und einem großen Knopf auf dem Bauch.

Um sich mit Tor zu verbinden, muss man den Knopf lange gedrückt halten. Erst, wenn der Button grün leuchtet, ist man mit dem Tor-Netzwerk verbunden. Sie brauchen keine besondere Konfiguration dafür. Zum Beenden der App tippen Sie auf das Menü-Symbol rechts oben in der Ecke. Je nach Programm-Version sind das drei kleinen Punkten oder ein Zahnrad.

Die Standardinstallation von Orbot ist in englischer Sprache. Sie können die Sprache aber über das Menü anpassen.

Schritt 2: F-Droid installieren

Falls noch nicht geschehen, sollten Sie nun die F-Droid-App installieren. Damit erhalten Sie einfachen Zugang zum F-Droid-Store. Surfen Sie dazu auf die Webseite von F-Droid, laden Sie sich die .apk-Datei herunter, und installieren Sie diese manuell.

Schritt 3: Orfox aus F-Droid installieren

Um den Browser Orfox in F-Droid finden zu können, müssen Sie im Programm-Menü von F-Droid die Paketquellen konfigurieren. Tippen Sie dazu in der F-Droid-App oben rechts auf die drei kleinen Punkte. Wählen Sie Paketquellen verwalten aus und aktivieren Sie die Paketquelle The Guardian Official Release (die genaue Bezeichnung kann je nach Programm-Version variieren).

Tippen Sie dann auf das runde Pfeil-Symbol oben rechts, um die Downloadquellen zu aktualisieren. Tippen Sie anschließend auf das Lupen-Symbol und geben „Orfox“ in das Suchfeld ein. Die App sollte Ihnen jetzt angezeigt werden. Tippen Sie darauf, um sie zu installieren.

Schritt 4: Testen der Installation und surfen über Tor

Sie können mit Orfox in seiner Standardkonfiguration nur im Internet surfen, wenn die Proxy-App Orbot eine Verbindung ins Tor-Netzwerk aufgebaut hat. Anderenfalls bekommen Sie eine Fehlermeldung angezeigt.

Um zu überprüfen, ob beide Apps korrekt arbeiten, öffnen Sie die Proxy-App Orbot, verbinden Sie sich mit dem Tor-Netzwerk (Schritt 1) und klicken Sie dann unten links auf das Feld Browser überprüfen. Wählen Sie im folgenden Dialog Standard-Browser und wählen Sie dann die gerade installierte Browser-App Orfox aus.

Wenn Ihnen dann eine hellgrüne Zwiebel im Browser-Fenster angezeigt wird und dort steht „Congratulations. This browser is configured to use Tor“, dann haben Sie Ihr Android-Gerät erfolgreich für die Benutzung mit Tor eingerichtet.

Schritt 5 (optional): Orbot konfigurieren, um Internetsperren zu umgehen

Im Konfigurationsmenü von Orbot (Schieberegler-Symbol oben rechts) kann man unter Netzknotenkonfiguration (in Englisch: Node Configuration) > Ausgangsnetzknoten (in Englisch: Exit Nodes) bestimmte Länder angeben, in denen man das Tor-Netzwerk verlassen möchte. Wenn man dann eine Webseite im Internet besucht, denken die Betreiber der Internetseite, dass man aus dem Land kommt, das man in Orbot als Ausgangsnetzknoten angegeben hat.

Dafür tippt man die internationalen Länderkürzel in geschweiften Klammern ein, zum Beispiel {RU} für Rumänien oder {CA} für Kanada.

Andere Apps und Tor

Man kann in der Proxy-App Orbot sehr viele Einstellungen machen, die sich eher an fortgeschrittene Nutzer richten. Unter anderem, welche Applikationen die Tor-Verbindung von Orbot mitbenutzen sollen. Das funktioniert allerdings noch nicht für alle bereits installierten Android-Apps zuverlässig. Verzichten Sie daher im Moment noch auf diese Zusatzfunktion.

Hinweis: Tor mit Verstand nutzen

Nutzen Sie Tor aufmerksam, und verlassen Sie sich nicht blind darauf, dass Ihnen die Apps absolute Sicherheit im Internet geben. Auch bei Tor-Apps kann es unerwartete Schwachstellen geben. So gibt die Tor-Browser-App Orweb zum Beispiel bei manchen Geräten die echte IP-Adresse und somit die eigene Identität preis, wenn man HTML5-Videos abspielt. [Stand Dezember 2015, Version 0.7.1].

Auch wenn Tor technisch einwandfrei funktioniert, ist es sehr schwierig, vollständig anonym zu surfen. Wenn Ihre persönliche Sicherheit, oder die Ihrer Kommunikationspartner, von Anonymität im Internet abhängt, sollten Sie sich über diesen Ratgeber hinaus informieren.

 

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