Ratgeber

Suchen ohne Zuschauer: DuckDuckGo, Qwant, StartPage und Swisscows

Suchmaschinen
Bild: Pixabay, ilovetattoos, CC0

Kann man das Web durchsuchen, ohne die eigene Privatsphäre zu gefährden? Eine ganze Reihe von Anbietern präsentieren sich als datenschutzfreundliche Alternative zu Google, Bing und Co. Sie lassen sich bequem im üblichen Browser oder über eine eigene App nutzen.

Veröffentlicht am
Autor
Schlagworte
Suchmaschinen · Surfen · Tracking-Schutz
Drucken

Suchmaschinen verraten viel

Wohl kaum eine Datenquelle sagt mehr über einen Menschen aus als seine Suchanfragen. Ob Nutzer nach Krankheitssymptomen oder ihren Lieblings-Stars suchen – jede Anfrage bietet einen Blick in das Persönlichkeitsprofil der jeweiligen Person. Wer mobil auf seinem Smartphone das Web durchsucht, liefert zudem zahlreiche weitere Informationen wie den Standort seiner Suchanfrage mit.

Das ist einerseits praktisch: Wer zum Beispiel „Wetter“ in den Mobilbrowser Chrome eingibt, bekommt ohne Umwege das aktuelle Wetter an seinem Aufenthaltsort angezeigt. Eine Suche nach „Kino“ fördert nicht nur eine Liste der Kinos in der eigenen Stadt, sondern auch eine übersichtliche Kartenansicht der Umgebung zutage.

Andererseits nährt man mit solchen Anfragen das Datenprofil auf den Servern der Anbieter, die diese Informationen nutzen, um ihren Nutzern zielgerichtet Werbung anzuzeigen. Wer diese Datenauswertung vermeiden will, hat mittlerweile eine Auswahl an einer ganzen Reihe von Suchmaschinen, die ihren Nutzern versprechen, ihre Privatsphäre zu schützen – und dennoch brauchbare Suchergebnisse zu liefern.

Finanzierung durch Werbung

Die Finanzierung funktioniert jedoch meist wie bei der großen Konkurrenz. Auch die Alternativ-Anbieter blenden Werbung über oder zwischen den Suchergebnissen ein. Der Unterschied: Die Suchmaschinenanbieter personalisieren die Werbung nicht mit Nutzerdaten, ebenso verzichten sie weitestgehend auf Cookies, das sind kleine Textdateien, die Webseiten bei einem Besuch im verwendeten Browser ablegen.

Auch andere Tracking-Techniken wenden die Anbieter nicht an – zumindest versprechen sie das. Inwieweit die jeweiligen Unternehmen sich an ihre Versprechen halten, ist zum Teil Vertrauenssache. Auch ohne Cookies zu setzen, können Anbieter auf vielfältige Weise Nutzerdaten erfassen.

Die Nutzung einer alternativen Suchmaschine ist in der Regel einfach. Die simpelste Option: Man gibt im genutzten Browser einfach die Webadresse der Suchmaschine ein und beginnt die Suche. Bequemer ist es, den jeweiligen Begriff direkt in das Adressfeld einzugeben. Meist ist Google als Standard-Suchmaschine voreingestellt, das ist bei den Browser-Apps Chrome, Firefox und dem Safari Browser der Fall.

Bei Firefox für Android sieht man zusätzlich eine Leiste mit weiteren Suchmaschinen sowie anderen Webseiten mit Suchfunktion. Klickt man eines der Symbole an, führt Firefox die Suche mit dem jeweiligen Dienst aus. Im Firefox-Browser auf einem Testhandy des Modells Samsung Galaxy S8 mit Android 8 tauchen in dieser Leiste die Suchmaschinen Bing und Duckduckgo sowie zusätzlich Amazon, Wikipedia und Twitter auf.

Mit wenigen Klicks kann man in einem Browser den Standard-Suchmaschinenanbieter wechseln. Beim mobilen Firefox reicht zum Beispiel ein langer Tap in das Suchfeld einer Suchmaschinen-Webseite aus, um einen Anbieter als Suchmaschine hinzuzufügen.

In den Browser-Einstellungen kann der Nutzer zusätzlich seinen Favoriten für die Suche festlegen. Damit nutzt Firefox die alternative Suchmaschine auch als Standardquelle für Suchvorschläge, die angezeigt werden, wenn man etwas in die Browser-Zeile eingibt. Beim Testhandy Galaxy S8 mit Firefox geht das über den Navigationspfad Einstellungen > Suche.

Zusätzlich bieten viele Suchmaschinen-Anbieter Browser-Erweiterungen oder gar eigene Apps an, um ihre Nutzung noch komfortabler zu machen.

DuckDuckGo

Das aus den USA stammende Unternehmen DuckDuckGo Inc. ist der populärste Anbieter für Privatsphäre-freundliche Websuchen. 2008 gegründet hat sich das Unternehmen eine ständig wachsende Gefolgschaft aufgebaut und hat es geschafft, dass Browser-Hersteller wie Firefox DuckDuckGo als Suchoption zur Auswahl voreinstellen. Im März 2018 hat der Browser Vivaldi DuckDuckGo sogar zur voreingestellten Standard-Suchmaschine erhoben – allerdings nur im Privatsphären-Modus.

Laut Angaben des Herstellers baut DuckDuckGo seinen eigenen Webseiten-Index auf, greift aber auch auf 400 externe Quellen zu – darunter unter anderem die konventionellen Suchmaschinen Bing und Yandex. Zusätzlich bietet DuckDuckGo auch eine Suche nach Bildern und Videos an. Der Betreiber sammelt nach eigenen Angaben keine Informationen über die Nutzer.

Allerdings kritisieren Konkurrenten, dass DuckDuckGo auf der Cloud-Infrastruktur von Amazon aufsetzt – somit könnte der US-Gigant Amazon die Daten theoretisch nutzen und infolge gar die US-Regierung. Konkrete Vorfälle sind jedoch nicht bekannt.

Wer DuckDuckGo mit einer zusätzlichen Sicherheitsschicht verwenden will, kann auf Android zusätzlich die Dienste der Tor-App Orbot nutzen. Die Anonymisierungstechnologie Tor verschleiert die verräterische IP-Adresse, eine Zahlenkombination, die einem beim Surfen identifizierbar macht. Somit erfährt noch nicht einmal DuckDuckGo, von wo aus ein Nutzer auf die Suchmaschine zugreift. Die Android-App von DuckDuckGo sieht eine bequeme Integration von Orbot vor. Auf iOS ist das leider nicht so einfach möglich.

Neben der reinen Web-Suchmaschine bietet DuckDuckGo auch eine Firefox-Browsererweiterung (Addon) sowie die App „DuckDuckGo Privacy Browser“ für Android und für iOS an. Zusätzlich ist die Android-Anwendung auch auf F-Droid verfügbar. Der alternative App-Store F-Droid listet Apps auf, die Ihren Quellcode, den Bauplan eines Programms, vollständig oder überwiegend über ein sogenanntes Open-Source-Modell veröffentlichen. Das bedeutet, dass außenstehende Entwickler überprüfen können, was eine App genau macht.

Neben der voreingestellten Suchmaschine bietet die eigene Browser-App zusätzliche Funktionen zum Schutz der Privatsphäre. So blockiert sie Werbetracker – zusätzlich ermöglichen das Addon und die Apps eine Privatsphäre-Beurteilung der aufgerufenen Webseiten.

Für die Browser-App greift DuckDuckGo auf das Programmierwerkzeug Android WebView zurück. Das allerdings hat eine Tücke: Seit 2005 ist eine kritische Sicherheitslücke in WebView bekannt, und Google behebt diese Lücke nur für Android-Versionen ab 5.0 (Lollipop). Für Besitzer von Geräten mit der älteren Android-Version 4 (Jelly Bean) ist die DuckDuckGo-App somit unsicher. Daniel Davis, Community-Manager von DuckDuckGo, hat gegenüber Mobilsicher explizit bestätigt, dass sich die App nur an Nutzer von Android 5.0 oder höherer Versionen richtet.


Positiv:

  • komfortable App
  • App mit Tracking-Schutz

Negativ:

  • Nutzung von Amazon-Cloud-Diensten
  • unsicher für Nutzer von Android 4

StartPage

Ebenfalls große Verbreitung hat der Dienst StartPage der niederländischen Aktiengesellschaft Surfboard Holding BV gefunden. Bereits 1998 unter dem Namen „Ixquick“ gestartet, erkannte das Unternehmen bereits im Jahr 2006 das Bedürfnis nach Privatsphäre.

Zwar hat das Unternehmen seinen eigenen Index, setzt aber auch auf einen starken Partner. Das Unternehmen integriert Suchergebnisse von Google in sein Angebot. Auch die Anzeigen, die das Angebot finanzieren, kommen von Google. Der Unterschied wird aber schnell deutlich: So findet man hier weder sein lokales Wetter noch angepasste Kinokalender, die Suchmaschine behandelt den Nutzer größtenteils als Unbekannten. Es gibt nur eine grobe Filterung nach dem Land, in dem sich der Nutzer befindet. Die eingeblendete Werbung orientiert sich nach den gesuchten Begriffen, nicht nach dem Suchprofil oder dem genauen Standort des Nutzers.

Die Anonymität der Suche lässt sich auch auf die gefundenen Webseiten ausdehnen. Über den Link „anonym öffnen“, den der Dienst jeweils unterhalb eines Suchtreffers einblendet, bietet StartPage den Zugang über einen Verschleierungs-Rechner an, einen sogenannten Proxy. Der verbirgt die verräterische IP-Adresse und weitere Daten vor den aufgerufenen Webseiten, diese können auch keine Cookies im Browser des Nutzers abspeichern. Ebenso ist JavaScript deaktiviert, eine Programmiersprache, die das Verfolgen von Nutzeraktivitäten erleichtert. Das kann allerdings bedeuten, dass die Funktionsfähigkeit mancher Webseiten leidet, die auf diese Technologie setzen.

StartPage verspricht, völlig auf sogenannte Tracking-Cookies zu verzichten, die Nutzeraktivitäten verfolgen. Man verwende einen „harmlosen Cookie“, heißt es, der sich ausschließlich die Einstellungen des Nutzers merkt und sonst nichts.

Wie DuckDuckGo bietet auch StartPage eine App für Android und für iOS an. Diese ist allerdings deutlich spartanischer aufgebaut und nur für Suchanfragen konzipiert, nicht als vollwertiger Browser.

Konkret heißt das: Es gibt in der App ein Suchfeld. Klickt man die Suchergebnisse an, öffnet sich die jeweilige Webseite. Es gibt aber kein klassisches Adressfeld, in das Sie eine Webadresse eingeben können. Neben der Suchmaschine hat der Anbieter auch den kostenpflichtigen E-Mail-Dienst Startmail im Programm.


Positiv:

  • optionaler Proxy (Verschleierungs)-Dienst

Negativ:

  • vielfältige Sucheinstellungen
  • spartanische App

Qwant

Ein weiterer europäischer Anbieter ist Qwant SAS mit Sitz in Paris, der 2013 gegründet wurde. An Qwant ist der deutsche Axel-Springer-Verlag mit 20% beteiligt Die Suchseite des Dienstes ist breiter aufgestellt als die der Konkurrenten. So integriert die Startseite eine Nachrichten-Übersicht, ebenso eine Bilder-, eine Video- sowie sogar eine Musik-Suche und zeigt auch Inhalte sozialer Medien an.

Qwant hat ebenfalls einen eigenen Index, setzt aber auch auf die Ergebnisse des großen Konkurrenten Bing, um die Suchanfragen seiner Nutzer zu beantworten. Qwant verspricht, keine Cookies zu setzen und den Suchverlauf von Nutzern nicht zu speichern. Das führt wie bei anderen Daten-sparsamen Suchmaschinen allerdings dazu, dass Suchergebnisse weniger personalisiert sind.

Anders als die anderen Anbieter bindet Qwant Inhalte dritter Anbieter direkt in die Suche ein. YouTube-Videos werden zum Beispiel direkt auf der Seite abgespielt. Ein Manko: Nutzer werden nicht davor gewarnt, dass ihre Daten dabei auch an Google gehen.

Wie DuckDuckGo bietet Qwant eine App für Andoid und für iOS, die als vollwertiger Browser fungieren kann. Sie beruht auf dem Browser Firefox.

Qwant bietet die Möglichkeit an, ein Profil anzulegen, mit dem Nutzer auf ihre Lesezeichen zugreifen oder thematische Linklisten anlegen können. Ebenso werden die Suchmaschineneinstellungen damit synchronisiert.


Positiv:

  • komfortable Suche
  • vollwertiger Browser

Negativ:

  • Direkt-Einbindung von externen Inhalten

Swisscows

Neuester Zugang bei den Privatsphäre-Suchmaschinen ist das 2014 gestartete Schweizer Angebot Swisscows, ein Projekt der Humbee AG mit Sitz in Egnach. Wie Qwant baut auch Swisscows einen eigenen Index auf, ist bisher aber auf die Unterstützung durch Suchergebnisse von Bing angewiesen.

Das Aussehen unterscheidet sich deutlich von dem anderer Suchmaschinen. So bindet Swisscows eine thematische Kachelansicht mit passenden Suchbegriffen ein. Mit denen können Nutzer ihre Anfragen verfeinern – Swisscows nennt dies einen „Informations-Cluster“. Als Antwort auf eine Suchanfrage erscheint zum einen die gewohnte Liste mit Treffern. Zum anderen kann man über einen Klick auf ein kleines Feld am linken Bildschirmrand eine Aufschlüsselung in verwandte Begriffe öffnen.

So führt eine Anfrage nach „Privatsphäre“ zum Beispiel zu den Themenbereichen „Google-Konto“, „Facebook“, aber auch zum Konkurrenten „Qwant“. Neben speziellen Suchen für Bilder, Produkte, Videos und Musik bietet die Webseite auch einen Übersetzungsdienst an, den der russische Anbieter Yandex bestückt.

Langfristig soll eine Stiftung die Suchmaschine tragen, Swisscows wirbt um Spenden seiner Nutzer. Derzeit ist das Angebot aber noch ein Zuschussgeschäft für die Betreiberfirma, die auf der Suchseite für ihre kommerzielle Suchtechnologie für Firmen wirbt. Anzeigen von Dritten gibt es derzeit nicht. Unter dem Punkt „Geschenke“ verbirgt sich aber eine Produktsuche, die ausschließlich auf Amazon-Angebote führt und Provisionen für Swisscows einspielt.

Swisscows bietet auch Apps, die unter dem Namen „Swissscows Search“ im Play-Store von Android bzw. im App-Store von iOS stehen. Hinter denen verbergen sich aber keine vollwertige Apps. Stattdessen handelt es sich eigentlich jeweils nur um einen Link auf die Webseite der Suchmaschine. Startet man Swisscows, öffnet man den Link mit einer der Browser-Apps, die man auf dem Gerät installiert hat.


Positiv:

  • semantische Suche

Negativ:

  • unklares Finanzierungsmodell
  • intransparente Produktsuche

 

Mehr zum Thema bei mobilsicher.de

Sie haben einen Fehler entdeckt oder vermissen einen Artikel zu einem bestimmten Thema?
Schreiben Sie uns eine E-Mail an hinweis@mobilsicher.de!