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Startpage: „Wir speichern absolut nichts über die Suchenden“

Ein Artikel von , veröffentlicht am 22.12.2019
Foto: iStock

Die Suchmaschine Startpage lebt von ihrem Datenschutzversprechen. Jetzt kaufte sich ein US-amerikanischer Investor bei der niederländischen Firma ein. Was ändert sich? Wir haben nachgefragt.

Die niederländische Suchmaschine Startpage wurde im März 2019 Testsieger der Stiftung Warentest – vor Google, Bing, Duckduckgo, Ecosia und fünf weiteren Suchmaschinen. Im Oktober 2019 erklärte Startpage in einem Blogpost, der US-amerikanische Investor System1 habe über seine Tochtergesellschaft Privacy One Group den Mehrheitsanteil der Firma gekauft.

Datenschützer*innen reagierten besorgt: Bedeutet ein US-amerikanischer Investor bald auch US-amerikanisches Datenschutzrecht? Ist gar ein Handel mit Nutzer*innendaten zu befürchten? Startpage-Sprecher Jörg Bauer gibt Antworten.

 

mobilsicher: Herr Bauer, auf der Webseite von Startpage heißt es, die Firma sei seit 2004 profitabel. Warum brauchen Sie überhaupt einen Investor?

Jörg Bauer: Profitabel zu sein, reicht in 2019 nicht mehr aus. Der Markt der alternativen Suchmaschinen ist hart umkämpft – wir müssen investieren und uns weiterentwickeln.

 

Woher stammen die Einnahmen von Startpage?

Aus nicht personalisierten Werbeanzeigen, die über den Suchergebnissen eingeblendet werden. Diese werden nur abhängig vom Suchbegriff geschaltet und tracken nicht – erst wenn Suchende auf Anzeigen klicken, erhält der jeweilige Werbetreibende Nutzerinformationen. Wir bei Startpage speichern übrigens absolut nichts über die Suchenden – nur das Land, aus dem die Suchabfrage stammt. Selbst diese Information wird nach kurzer Zeit wieder gelöscht.

 

Seit 2019 gehört der größere Teil der Surfbord Holding BV, die Startpage betreibt, der Privacy One Group. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen der US-amerikanische Investor bei einem Richtungsstreit die Entscheidungsmacht aus der Hand nimmt?

Nein, denn alle Fragen rund um den Datenschutz der Suchmaschine müssen den Gründern vorgelegt werden, die dann die Entscheidungen treffen. Die Verträge wurden mit der Privacy One Group entsprechend aufgesetzt. Die Datenschutz-Grundverordnung ist für den europäischen Markt eine wahnsinnig große Errungenschaft, amerikanische Unternehmen sehen diesen Vorteil für sich. Das überzeugende Argument für Startpage ist also der Datenschutz. Daran etwas zu ändern, wäre für alle Beteiligten kontraproduktiv.

 

"Kein Mensch braucht eine kleine, alternative Suchmaschine, die ihre Nutzerinnen und Nutzer verfolgt."

 

Was macht Sie da so sicher?

Startpage verarbeitet durchschnittlich sieben Millionen Suchanfragen pro Tag. Im Vergleich zu Google oder Bing sind wir also recht klein. Kein Mensch braucht alternative Suchmaschinen, die ihrer Nutzerinnen und Nutzer verfolgen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist und bleibt der Datenschutz.

Anders als einige Mitbewerbern betreiben wir eigene, sicher verschlüsselte Server, zu denen die niemand außer unserem eigenen Team Zugang hat. Unseren Teammitgliedern ist der Datenschutz eine Herzensangelegenheit.

 

Startpage nutzt den Google-Index. Wie funktioniert die Suchmaschine genau?

Wir schalten uns zwischen Google und die Suchenden. Wir übermitteln also die Suchanfrage an Google und bringen dann die Suchergebnisse zur Nutzerin oder zum Nutzer, sodass Google nichts über die Person erfährt. Das passiert innerhalb eines Sekundenbruchteils.

 

Warum spielt Google da mit und blockiert Startpage nicht?

Wir haben einen Vertrag mit Google und kaufen die Suchergebnisse ganz offiziell. Je mehr Suchanfragen wir an Google weiterleiten, umso mehr kostet diese Dienstleistung. Auch die Anzeigen bei Startpage stammen von Google.

 

Das heißt, Startpage ist komplett von Google abhängig?

Stimmt – wir zeigen dadurch die relevantesten Suchergebnisse. Übrigens setzen alle alternativen Suchmaschinen auf die Indices großer Anbieter. Wenn es nicht Google ist, dann etwa Microsofts Dienst Bing oder die russischen Suchmaschine Yandex. Selbst einen Suchindex aufzubauen, der wirklich funktioniert, wäre ein ungeheurer Kostenaufwand, der selbst die Budgets großer europäischer Konzerne übersteigt.

 

Wo wird Startpage am meisten genutzt?

Unser stärkster Markt ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleich danach kommen die USA. Wer in den USA mit Startpage sucht, hat trotzdem den Schutz der europäischen Datenschutz-Grundverordnung, weil der Firmensitz in den Niederlanden ist – und kann zusätzlich in den Einstellungen festlegen, dass nur über europäische Server gesucht wird.

 

Wie wird Startpage sich weiterentwickeln?

Wir planen momentan viele neue Funktionen, um als Alternative zu Google noch interessanter zu werden. Mehr kann ich leider noch nicht verraten – aber ich verspreche: 2020 wird ein spannendes Jahr.

 

Unser Porträt der Suchmaschine finden Sie hier: StartPage: Suchmaschine mit starkem Tracking-Schutz.

Die Autorin

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Inga Pöting

Inga Pöting ist Chefin vom Dienst bei mobilsicher.de. Sie gibt Texten den letzten Schliff, kümmert sich um die Webseite und erklärt Apps und Smartphone-Funktionen vor der Kamera. Davor hat sie im Ruhrgebiet für verschiedene Zeitungen und Magazine geschrieben.

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