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Vorgestellt: Der neue VPN-Dienst von Samsung

sicheres WLAN

„Sicheres WLAN“ ist ein VPN-Dienst, den Samsung in Kooperation mit dem Software-Anbieter McAfee auf seinen Geräten bereitstellt. Glaubt man den Angaben von Samsung, bietet der Dienst viel Schutz für die Privatsphäre zu einem vergleichsweise niedrigen Preis.

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Samsung · VPN · WLAN
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Was ist „sicheres WLAN“?

Hinter der Funktion verbirgt sich ein „Virtual Private Network“-Dienst, den Samsung sukzessive auf verschiedenen Geräten freischaltet. Samsung kooperiert dafür mit dem IT-Sicherheitsanbieter McAfee. Der Datenverkehr der Nutzerinnen und Nutzer wird dabei über VPN-Server von McAfee geleitet. Nach Angaben von Samsung verschlüsselt der Dienst die Daten dabei mit dem „IKEv2“-IPSec-Protokoll.

Was macht ein VPN-Dienst?

Virtual Private Networks (VPNs) leiten Internetdaten vom eigenen Gerät, zum Beispiel dem Smartphone, zuerst zu einem zwischengeschalteten Server (Proxy). Auf der Strecke zwischen Gerät und Proxy werden die Daten extra verschlüsselt. So können Dritte den Datenverkehr hier nicht mitlesen.

Vom Proxy gehen die Datenpakete dann zur eigentlichen Ziel-Adresse, zum Beispiel einer Webseite, die man gerade aufrufen möchte. Allerdings haben sie dann als Absender die IP-Adresse des Proxys und nicht mehr die eigene. So lässt sich die eigene IP-Adresse verschleiern.

Auf welchen Geräten gibt es den VPN-Dienst von Samsung?

Bisher ist die Funktion auf dem Modell Galaxy Note 8 sowie Galaxy J7 und Galaxy J5 verfügbar, für Galaxy Note 8 in Deutschland erst seit Dezember 2017. In Zukunft soll es den Dienst auch auf anderen Samsung-Modellen geben.

Wie benutzt man „sicheres WLAN“?

Wenn ein Gerät den Dienst nutzen kann, sieht man in den Geräteeinstellungen unter dem Punkt „WLAN“ die zusätzliche Option „sicheres WLAN“. Man muss den Dienst einmalig einrichten und kann ihn dann nach Belieben konfigurieren, an- oder ausschalten. Ist die Funktion aktiv, wird sämtlicher Datenverkehr über die VPN-Server von McAfee geleitet. McAfee betreibt schon länger einen VPN-Dienst und hat vor kurzem mit „TunnelBear“ einen beliebten VPN-Anbieter übernommen.

Man kann auswählen, ob der Dienst die Datenübertragung von allen Apps umleiten soll oder ob einzelne Apps ausgenommen werden sollen.

250 Megabyte Datenverkehr pro Monat sind kostenlos. Eine Nutzung ohne Datenbegrenzuung kostet 1,99 Euro monatlich. Verglichen mit anderen VPN-Diensten ist dieser Preis sehr niedrig.

Wie geht die VPN-App mit Daten um?

Samsung ist – nach eigener Aussage – der offizielle Betreiber des Dienstes, auch wenn der Datenverkehr über McAfee-Server geleitet wird. Daher gelten für den Dienst die ABGs für SamsungAccounts.

Wie es bei Allgemeinen Geschäftsbedingungen von IT-Unternehmen oft der Fall ist, ermöglichen sie eine Datenweitergabe an Dritte unter vage formulierten Bedingungen.

Möglich ist die Weitergabe beispielsweise an die jeweiligen Netzanbieter sowie an Geschäftspartner, soweit das „für die Bereitstellung von Ihnen angeforderter Dienste erforderlich“ ist. Ebenso gilt das für Serviceanbieter, die im Namen von Samsung beispielsweise Abrechnungen machen oder E-Mails verschicken und für Ermittlungsbehörden.

Wir haben Samsung gefragt, ob bei der Nutzung von „sicheres WLAN“ Metadaten (also Informationen darüber, mit welcher IP-Adresse man welche Inhalte ansteuert) sowie Kommunikationsinhalte gespeichert werden. In einem schriftlichen Statement versicherte Samsung gegenüber Mobilsicher: „Es werden keine Metadaten und keine privaten Daten des Nutzers aufgezeichnet.“

Ob sich Samsung am Ende an diese Aussage gebunden fühlt oder im Zweifel doch auf die viel weitreichender formulierte Datenschutzerklärung verweist, ist fraglich.

Wo liegen die Kritikpunkte?

VPN-Dienste können den gesamten Datenverkehr – den man ja eigentlich schützen will – einsehen und unter Umständen sogar manipulieren. Die Auswahl eines Virtual Private Networks ist deswegen immer eine Vertrauensfrage.

Vorteile bei dem VPN-Dienst von Samsung sind erstens, dass mit Samsung und McAfee zwei große Marken beteiligt sind, die durchaus einen Ruf zu verlieren haben, sollten Unregelmäßigkeiten bekannt werden.

Zweitens haben sowohl der Dienst selber als auch die beteiligten Unternehmen ein klares Geschäftsmodell. Drittens dürften die Firmen über das nötige Know-How verfügen, den Dienst ohne größere Fehler zu implementieren und zu betreiben.

Für ganz unproblematisch halten wir „sicheres WLAN“ dennoch nicht. Denn Samsung ist der größte Hersteller von Android-Smartphones und hat schon jetzt privilegierten Zugang zu Daten, da das Unternehmen seine Geräte mit vorinstallierten Samsung-Apps ausliefert.

Wenn Nutzerinnen und Nutzer einem Samsung-VPN-Dienst ihren Internetverkehr anvertrauen, könnte die Datenballung weiter zunehmen. Zwar sichert Samsung zu, weder Metadaten noch Inhalte der Daten zu speichern, die über den VPN-Dienst laufen.

Das könnte sich aber auch ändern. Wo Daten sind, da wachsen auch Begehrlichkeiten. Ähnliches gilt für die Firma McAfee, die über ihre Sicherheitssoftware schon Daten von vielen PCs und Mobilgeräten erhält.


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