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Projektstart: Wie Klimaschädlich sind deine Apps?

Ein Artikel von , veröffentlicht am 22.07.2022, bearbeitet am27.07.2022
Pixabay / WaffOzzy

Jederzeit Musik auf Spotify streamen, beim Warten eine Runde Candycrush daddeln – dass Apps und Online-Dienste jederzeit und überall zur Verfügung stehen, ist längst normal. Ans Klima denken dabei die wenigsten. Doch auch digitale Dienste verbrauchen Ressourcen – und nicht zu knapp.

Weil dieser Ressourcenverbrauch vor allem in den Rechenzentren und der Infrastruktur zur Datenübertragung anfällt, bleibt er für Nutzer*innen weitgehend unbemerkt. Wie energieintensiv eine Anwendung oder ein Dienst ist, lässt sich nur schwer einschätzen.

Das Institut für Technik und Journalismus (ITUJ) hat im vergangenen Jahr eine Messtechnik entwickelt, mit der sich dieser Verbrauch erfassen lässt.

Mit unserem neuen Projekt bringen wir diese Technik in die Anwendung und machen sie für andere interessierte Stakeholder nutzbar. Ermöglicht wird das Vorhaben durch die Unterstützung der Stiftung Mercator.

Die Stiftung Mercator

Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung, die auf der Grundlage wissenschaftlicher Expertise und praktischer Projekterfahrung handelt. Sie strebt mit ihrer Arbeit eine Gesellschaft an, die sich durch Weltoffenheit, Solidarität und Chancengleichheit auszeichnet. Um diese Ziele zu erreichen, fördert und entwickelt sie Projekte, die Chancen auf Teilhabe und den Zusammenhalt in einer diverser werdenden Gesellschaft verbessern. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa will die Stiftung Mercator durch ihre Arbeit stärken, die Auswirkungen der Digitalisierung auf Demokratie und Gesellschaft thematisieren und den Klimaschutz vorantreiben. In einem neuen thematischen Schwerpunkt beleuchtet die Stiftung die Auswirkungen der Digitalisierung auf Demokratie und Gesellschaft. Der Bereich Digitalisierte Gesellschaft setzt sich dafür ein, dass digitale Technologien in Deutschland und in Europa im Einklang mit demokratischen Rechten und Werten weiterentwickelt und genutzt werden. Die Stiftung Mercator engagiert sich in Deutschland, Europa und weltweit. Dem Ruhrgebiet, Heimat der Stifterfamilie und Stiftungssitz, fühlt sie sich besonders verbunden.

Welcher Ressourcenverbrauch lässt sich messen?

Wer Apps benutzt, verbraucht dabei Energie – nicht nur durch den Akku, sondern vor allem in den Rechenzentren, in denen tausende Server rund um die Uhr laufen und aufwändig gekühlt werden. Denn dort legen die meisten Apps Daten ab und nehmen Rechenkapazität in Anspruch.

Der wichtigste Stromfresser aber sitzt zwischen Endgerät und Server: Es ist die Netzinfrastruktur, eine gigantische Maschinerie aus Sendemasten, Kabeln, Switches und Verstärkern, die für die Datenübertragung zwischen Endgeräten und Servern sorgt.

Wenn Apps Daten senden und empfangen, wird diese Übertragungsinfrastruktur belastet – der Stromverbrauch steigt. Dieser Teil des Energieverbrauches ist abhängig vom übertragenen Datenvolumen und lässt sich durch das Testsystem des ITUJ erfassen.

Ressourcenverbrauch von Apps: Vieles ist vermeidbar

Datenströme entstehen zum einen durch die Kernfunktion mancher Apps, etwa durch das Streamen von Videos oder durch das Herunterladen von Wetterdaten.

Aber auch Werbe- und Tracking-Dienste, die häufig in Apps eingebunden sind, erzeugen beim Betrieb einen Datenstrom. Der CO2-Fußabdruck, den diese Dienste verursachen, ist enorm.

Schätzungen zu Folge erzeugen alleine die Tracking- und Werbeaktivitäten von mobilen Apps in der EU jährliche Datenströme von 29,6 bis 50,4 Milliarden Gigabyte. Dies entspricht Emissionen von 5 bis 14 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (2021, Carbon footprint of unwanted data use by smartphones - An analysis for the EU). Für die eigentliche Funktionalität der Apps wäre dieser Datenverkehr nicht notwendig.

Das Messsystem des ITUJ unterscheidet, ob das versendete und empfangene Datenvolumen einer analysierten App zur eigentlichen Funktionalität gehört oder durch Tracking und Werbung erzeugt wurde. Aus dem ermittelten Datenvolumen werden dann die dadurch verursachten CO2-Emissionen berechnet.

Auch die Art der Datenübertragung spielt für den Energieverbrauch eine große Rolle. So macht es einen entscheidenden Unterschied, ob Daten über eine schlechte Edge-Verbindung oder über WLAN übermittelt werden.

Mehr Transparenz – bessere Apps

In den kommenden sechs Monaten werden wir unser Analysewerkzeug nutzen, um verschiedene App-Gruppen zu untersuchen. Wir wollen herausfinden, wo es besonders viel Einsparpotential gibt und welche Features dafür besonders geeignet sind.

Außerdem werden wir herausfinden, ob es besonders problematische oder besonders ressourcensparende Tracking- und Werbemethoden gibt.

Vor allem aber wollen wir unser Testwerkzeug verbessern und vereinfachen, so dass andere Stakeholder, Wissenschaftler und Interessierte damit eigene Messungen vornehmen können.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

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Miriam Ruhenstroth

begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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