Ratgeber

Mobilgeräte für Kinder einrichten

Hinter Glas

Viele Kinder wünschen sich ein eigenes Smartphone oder Tablet. Ganz ohne elterliche Aufsicht sollten sie diese Geräte jedoch nicht nutzen. Und Eltern können viel dafür tun, dass ihre Kinder unbesorgt mit dem Mobilgerät spielen und lernen können.

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Android · Einstellungen · Eltern · Kinder · Kindertelefone · Sicherheit
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Kinder - Hilfestellung für Eltern
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Der geschulte Umgang mit Computern, Mobilgeräten und den „Neuen Medien“ ist eine Kulturtechnik wie lesen, schreiben oder Schnürsenkel binden. Kinder können beim spielen und surfen mit Smartphones und Tablets nicht nur viel Spaß haben, sondern auch soziale Kontakte pflegen und wichtige Kompetenzen erwerben.

Um Problemen vorzubeugen, können Sie verschiedene technische Maßnahmen treffen, die weiter unten aufgelistet sind. Am Ende sind Sie als Eltern jedoch selbst dafür verantwortlich mit Augenmaß genau für Ihr Kind die Gerätenutzung passend zu gestalten. Bleiben Sie mit Ihrem Kind im Gespräch, seien Sie aufmerksam, wenn Ihr Kind von Problemen berichtet. und passen Sie Einschränkungen und Kontrolle regelmäßig an.

Beraten Sie sich auch mit anderen Eltern gleichaltriger Kinder, wie diese ihre Mediennutzung gestalten. Wenn ein Kind als einziges aus der Klasse nicht auf Facebook sein darf und deshalb nicht den Treffpunkt fürs Freibad erfährt, schadet diese Maßnahme vielleicht ja mehr als sie nützt.

Schutzfunktionen des Betriebssystems nutzen

Aktuelle Android- oder iOS-Betriebssysteme bringen von Hause aus Kinderschutzmöglichkeiten mit.

  • Oberste Instanz bleiben. Bei Android und iOS wird bei der ersten Einrichtung des Gerätes ein Hauptbenutzer angelegt („Eigentümer“ bei Android und „Benutzer“ bei iOS). Dieser hat zunächst die volle Kontrolle über das Gerät und kann andere mittels Bildschirmsperre ausschließen. Eltern sollten also das Gerät erstmalig einrichten. Für den Eigentümer bei Android sollte ein Passwort gewählt werden, das das Kind nicht kennt und nicht leicht erraten kann.
  • Eingeschränkte Nutzung zulassen. Über „Einschränkungen“ bei iOS und über „Benutzerkonten“ oder „Profile“ bei Android können Eltern die Gerätenutzung durch Kinder gezielt beschränken. Einige Hersteller (zum Beispiel Samsung) bieten auf einigen Geräten auch einen speziellen „Kindermodus“ an.
  • Speziell für Android: Benutzerkonto vs. Profil. Für jüngere Kinder, die noch nicht lesen können, bieten sich Profile an. Eltern können dort einzelne altersgerechte Apps (zum Beispiel die „Sesamstrasse“) freischalten. Für ältere Kinder eignen sich Benutzerkonten besser. So können sie das Smartphone oder Tablet in seiner Funktionsweise verstehen lernen. Auch die Verwaltung von sozialen Netzwerken und E-Mails lässt sich damit besser organisieren, besonders wenn mehrere Kinder ein Tablet gemeinsam nutzen. Benutzerkonten und Profile sind ab 4.2 („Jelly Bean“) auf Tablets und ab 5.0 („Lollipop“) verfügbar.
Welche Einschränkungen bei iOS möglich sind, erklären wir hier: iOS-Geräte mit Anderen teilen.
Was Profile und Benutzerkonten genau sind, erklären wir hier: Android für mehrere Nutzer einrichten.

Kostenexplosionen vorbeugen

  • Keine Zahlungsdaten speichern. Eltern sollten möglichst keine eigenen Kreditkarten- oder Kontodaten im Gerät hinterlegen. Für Einkäufe im App-Store, bei iTunes oder in verschiedenen Onlineshops sind Gutscheinkarten erhältlich.
  • In-App-Käufe sperren. Besonders junge Kinder können leicht versehentlich innerhalb von Spielen reales Geld ausgeben. Solche Käufe können aber für das ganze Gerät gesperrt werden.
  • App-Store-Zugang mit Passwort schützen. Sowohl bei Android als auch bei iOS kann der Zugang zum klassischen App-Store beschränkt werden. Bei iOS finden Sie die Funktion unter Einstellungen > Allgemein > Einschränkungen. Bei Android könenn Sie direkt im Play-Store unter „Einstellungen“ eine Kindersicherung einschalten.
  • Speziell für iOS: Familienfreigabe nutzen. Apple bietet ein umfangreiches Konzept für Famlien an. Werden Apple-IDs zu einer Familie zusammengefasst, können beispielsweise Eltern die Einkäufe ihrer Kinder genehmigen.
Wie sie In-App-Käufe sperren können, erfahren sie hier: Worauf man bei In-App-Käufen achten sollte
Welche Kostenfallen es gibt und wie Sie sich schützen können, erfahren Sie hier: In-App-Käufe, Abofallen, Datenschutz: Probleme bei mobilen Spielen.

Inhaltsfilter sinnvoll verwenden

  • Kindersuchmaschine statt Browser installieren. Gerade für jüngere Kinder gibt es Suchmaschinen-Apps (zum Beispiel die fragFINN-App), die sich besonders leicht bedienen lassen, und die nur für Kinder geeignete Webseiten als Ergebnisse anzeigen. Bei jüngeren Kindern sollte eine solche App den Browser ersetzen. Der Standard-Browser (Safari bei iOS, Chrome bei Android) kann deaktiviert werden.
  • Speziell für iOS: Jugendschutzeinstellungen vornehmen. Bei iOS gibt es die Möglichkeit, einen Jugendschutzfilter für den Browser „Safari“ einzurichten. Diese Funktion findet sich unter Einstellungen > Allgemein > Einschränkungen.

Ein paar Worte zu Kindersicherungs-Apps

  • Kinderschutz-Apps für den Überblick. Auf dem Markt sind viele kostenlose und kostenpflichtige Kinderschutz-Apps erhältlich. Die meisten dort gebotenen Funktionen kann man auch ohne Apps, aber möglicherweise viel umständlicher selbst einrichten. Für besseren Überblick kann eine solche App durchaus sinnvoll sein.
  • Überwachung nur per App. Für einige Funktionen ist auf jeden Fall eine App technisch erforderlich. So gibt es zum Beispiel Apps mit Überwachungsfunktionen wie die Aufzeichnung besuchter Webseiten. Solche Apps stellen allerdings einen ethisch und rechtlich problematischen Eingriff in die Privatspäre des Kindes dar.

Aktualisiert am 2.10.2015, 12:15 Uhr: In einer früheren Version dieses Beitrags konnte der Eindruck entstehen, die Redaktion von Mobilsicher würde den Einsatz einer Überwachungs-App empfehlen. Das ist nicht der Fall. Um Missverständnisse zu vermeiden haben wir den Abschnitt „Überwachung nur per App“ ergänzt und den Hinweis auf eine konkrete Überwachungs-App entfernt. Vielen Dank für den Hinweis an Lea Paschke (datenschutz nord GmbH).

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