Ratgeber

iOS 12: Die wichtigsten Neuerungen für Privacy und Sicherheit

Ein Artikel von , veröffentlicht am 10.10.2018
Foto: Pixabay, CC0

Die aktuelle Version des mobilen Betriebssystems von Apple glänzt vor allem mit Leistung und Schnelligkeit. Doch auch in Sachen Privacy und Sicherheit hat sich was getan. Vor allem beim Tracking-Schutz, bei der Passwort-Verwaltung und beim Schutz vor ungewolltem Auslesen hat Apple nachgelegt.

Für Eltern und Kinder: Bildschirmzeit

Bei iOS 12 ging es Apple vor allem darum, die Leistung und Schnelligkeit auch bei älteren Geräten zu optimieren. Das ist ungewöhnlich: Normalerweise werden alte Smartphones mit dem neuen Betriebssystem eher langsamer. Daher glänzt iOS 12 eher mit vielen kleinen Neuerungen.

Interessant für Eltern ist die neue Funktion „Bildschirmzeit“. Damit können sie nun mit Boardmitteln kontrollieren, wie lange ihr Kind das Gerät nutzt – oder sie selbst. Denn wenn sie mit gutem Beispiel voran gehen wollen, sollte auch bei Erwachsenen die Smartphone-Nutzung nicht überhandnehmen.

Die Funktion zeigt einerseits an, wie viel Zeit man mit den verschiedenen Apps verbringt. Zum anderen kann man auch Zeiträume festlegen, in denen man das Smartphone gar nicht benutzen darf, oder Zeit-Limits für bestimmte Apps setzen.

SOS-Modus

Wie bei iOS 11 eingeführt gibt es bei iOS 12 weiterhin die Funktion „SOS-Modus“. Damit kann man die biometrische Anmeldung via Fingerabdruck (Touch-ID) oder Gesichtserkennung (Face-ID) in Gefahrensituationen deaktivieren. Dafür müssen Nutzer fünfmal hintereinander den Ein- und Ausschalter des Smartphones drücken.

Aus dem SOS-Modus heraus können vom Nutzer hinterlegte Notfallkontakte angerufen werden, etwa wenn der Besitzer einen Unfall hat und Passanten Hilfe rufen wollen.

Mehr Informationen zum Entsperren mit biometrischen Merkmalen finden Sie in unserem Beitrag Touch ID und Co: Wie sicher sind Fingerabdrucksensoren?

Passwortverwaltung verbessert

Apple-Nutzer konnten bisher schon ihre Passwörter über die iCloud zwischen ihren Apple-Geräten synchronisieren. Seit iOS 11 geht das nicht nur mit Login-Daten von Webseiten, sondern auch mit den Anmeldedaten von Apps. Ab iOS 12 nun gibt die Passwortverwaltung eine Warnung heraus, wenn man für verschiedene Dienste das gleiche Passwort benutzt.

Um das zu prüfen, gehen Sie zu Einstellungen > Passwörter & Accounts. Der erste Punkt heißt dort Website- & App-Passwörter. Um sich die Passwörter anzeigen zu lassen, müssen Sie sich per Face-ID, Touch-ID oder Code authentifizieren. Dann bekommen Sie eine Liste mit allen Passwörtern, die Sie durchscrollen können.

Accounts, bei denen Sie das gleiche Passwort benutzen, sind mit einem kleinen Warndreieck markiert. Wenn Sie drauftippen, bekommen Sie zusätzliche Informationen, welche anderen Accounts dieses Passwort benutzen und einen Link zur Webseite, wenn Sie das Passwort gleich ändern möchten.

iOS 12 zeigt ein kleines Warndreieck, wenn Sie Passwörter auf verschiedenen Webseiten benutzen.

Außerdem sind die Vorschläge für Passwörter besser geworden. Das bedeutet, dass in vielen Fällen (wenn man nur Apple-Geräte verwendet) ein externer Passwort-Manager nicht nötig ist.

Möchte man aber einen externen Passwortmanager verwenden, so hat Apple bei iOS 12 eine Schnittstelle dafür geschaffen. Dadurch können auch externe Passwortmanager wie 1Password oder LastPass auf die Autofill-Funktion des Gerätes zugreifen. Dafür müssen Sie die Funktion Automatisch ausfüllen aktivieren, die Sie ebenfalls unter Einstellungen > Passwörter & Accounts finden.

Was Passwort-Manager sind und welche es gibt, erklären wir im Beitrag Passwort-Manager richtig nutzen.

Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) für Online-Dienste ist für die Sicherheit großartig. Dabei müssen Nutzerinnen und Nutzer einen zusätzlichen Code eingeben, der ihnen per SMS oder über ein spezielles Programm geschickt wird, damit sie sich einloggen können. Ab iOS 12 erkennt das Betriebssystem, wenn über SMS ein 2FA-Code ankommt und füllt ihn automatisch ein.

Damit soll den Nutzern der zusätzliche Schritt leichter gemacht werden, damit die Akzeptanz für die 2FA steigt.

Was die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist und wie Sie Ihr iCloud-Konto damit sichern, erklären wir im Beitrag Apple-ID: So funktioniert die Zwei-Faktor-Authentifizierung

Trackingschutz bei Safari weiter optimiert

Nutzer werden jetzt explizit gefragt, wenn Cookies von Drittanbietern gespeichert werden sollen. Das gilt vor allem für Schaltflächen zum Teilen und Kommentieren von Inhalten von Social-Media-Plattformen wie Facebook. Denn auch wenn man die Schaltflächen nicht anklickt, können Facebook und Co. über die Schaltflächen nachverfolgen, welche Webseiten man besucht.

Zudem verhindert Safari, dass Webseiten Nutzer über sogenanntes Browser-Fingerprinting identifizieren können. Beim Fingerprinting können Nutzer über ihre Systemkonfiguration identifiziert werden. Dazu gehört das Gerätemodell, die Browserversion, die Bildschirmauflösung, welche Plugins man im Browser installiert hat und so weiter. Diese Informationen werden normalerweise bei jedem Aufruf einer Seite an den Server weitergegeben. Safari gibt nur eine vereinfachte Version dieser Konfiguration weiter, so dass mehr Geräte identisch aussehen und nicht identifiziert werden können.

Mit diesen Maßnahmen entwickelt Apple den sogenannten intelligenten Tracking-Schutz weiter, der schon bei iOS 11 eingeführt wurde. Dabei werden Machine-learning-Algorithmen eingesetzt, um Seiten zu identifizieren, die Nutzer nachverfolgen.

In unserem Hintergrund-Text Tracking im Internet: Cookies, Cache & Co erklären wir, wie Techniken zur Nachverfolgung von Nutzern funktionieren und was Drittanbieter-Cookies sind.

Schutz vor Auslesen im USB-Modus

Schon bei iOS 11.4.1 hat Apple eine Sicherheitslücke verkleinert, die es erlaubte, über den USB-Modus ein iOS-Gerät auszulesen. Vor allem in den USA nutzen Strafverfolgungsbehörden diese Methode, um gesperrte iPhones über den Lightning-Anschluss auszulesen.

iOS 12 erschwert diese Methode noch einmal. Wie bei iOS 11 werden USB-Verbindungen gesperrt, wenn Nutzer USB-Zubehör vor länger als einer Stunde getrennt haben. Will man dann wieder USB-Zubehör verbinden, muss man seinen Passcode eingeben. Damit will Apple für Nutzer, die oft USB-Zubehör benutzen, zum Beispiel ihr Telefon per USB-Kabel mit ihrem Autoradio verbinden, die Usability verbessern.

Wenn es länger als drei Tage her war, dass USB-Zubehör mit dem Gerät verbunden war, werden neue USB-Verbindungen sofort gesperrt. Apple sagt, das ist eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme für Nutzer, die solche Verbindungen selten nutzen. Der iOS Security Guide vom September 2018 (PDF, englisch) beschreibt die Funktion genauer.

Nutzer können diese Sicherheitsfeatures auch komplett deaktivieren. Sie finden die Einstellung dafür unter Einstellungen > Touch ID & Code. Nachdem Sie sich per Code identifiziert haben, können Sie dort ganz nach unten scrollen, wo Sie den Schalter „USB-Zubehör“ ein- oder ausschalten können.

Auf diesen Geräten läuft iOS 12

Erfreulich ist, dass alle iPhones, iPads und iPods, die iOS11-tauglich waren, auch das aktuelle Betriebssystem iOS 12 nutzen können. Das heißt, dass auch das iPhone 5S, das schon 2013 eingeführt wurde und damals mit Version 7.0 lief, das neue Betriebssystem erhält.

Wer die neue Version des Betriebssystems installiert hat und wieder auf die alte Version zurück möchte, konnte das nur einige Wochen nach Einführung tun. Die IT-Nachrichtenseite Heise meldet, dass dies seit dem 9. Oktober 2018 nicht mehr möglich ist. Normalerweise lässt Apple ein Downgrade nur einige Wochen nach Einführung einer neuen Version zu.

Wenn Sie Ihr iPhone oder iPad, das jetzt noch mit iOS 11 läuft, neu aufsetzen müssen, können Sie ab jetzt nur noch die neue Betriebssystemversion iOS 12.0.1 aufspielen.

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Geschrieben von

Valie Djordjevic

Valie Djordjevic ist Redakteurin bei mobilsicher.de. Sie arbeitet auch als Dozentin zu den Themen Schreiben, Internet, Urheberrecht. Sie ist Mitbegründerin und Redakteurin von iRights.info, einem Informationsportal zu Recht in der digitalen Welt. Seit sie 1995 selbst eine Modemkarte in ihren PC eingebaut hat, ist sie in verschiedenen Netzprojekten tätig. Bei Mobilsicher interessiert sie sich für iOS, Datenschutz und Trackingdienste.

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