Ratgeber

So stellen Sie Ihre iCloud richtig ein

Ein Artikel von , veröffentlicht am 06.03.2018, bearbeitet am20.01.2022
Foto: Pexels, CC0

Wer ein iPhone oder iPad hat, nutzt meistens auch die iCloud. Apple hat den Cloud-Speicher mit vielen Funktionen eng verknüpft, sodass ab Werk viele Daten im Internet landen. Wer einige Daten lieber lokal speichert, kann diese Anleitung nutzen.

Die Standard-Einstellungen der iCloud sind auf die direkte Synchronisation persönlicher iPhone-Daten ins Internet ausgelegt. Wer Daten lieber lokal auf dem Gerät speichert, muss viele Voreinstellungen ändern. Wir geben hier zu jedem Punkt an, ob die iCloud standardmäßig verknüpft ist.

Getestet haben wir das mit einem iPhone 8 und iOS 15.2.1 Zu jedem Punkt geben wir an, ob diese Daten sichtbar sind, wenn Sie sich mit Ihren Zugangsdaten über die Webseite icloud.com in Ihr Konto einloggen.

Einige Daten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt in der iCloud gespeichert. Das bedeutet, selbst Apple könnte sie nicht entschlüsseln und herausgeben. Andere Daten sind durch Apple entschlüsselbar und könnten theoretisch weitergegeben werden. Wir haben jeweils vermerkt, was für welchen Datentyp zutrifft.

Hinweis: Mit Spezialsoftware, die ab rund 1.000 Euro auf dem freien Markt erhältlich ist, kann man über icloud.com mit Ihren Zugangsdaten auch die Daten extrahieren, die nicht sichtbar sind.

iCloud aufrufen

Navigieren Sie zu Einstellungen > Benutzername > iCloud.

Hier können Sie sehen, wie viel Speicher in Ihrer iCloud noch frei ist und welche Apps darauf zugreifen dürfen.

Anleitung: iCloud einstellen

Alle Apple-Apps, die Sie unter "iCloud" in der Liste sehen, können Daten mit der iCloud austauschen. Sie können dies in jedem einzelnen Fall verbieten, indem Sie den Schieberegler nach rechts bewegen. Er wird dann grau und es werden keine Daten mehr in Apples Cloud übertragen.

Fotos

Standardmäßig ist die Funktion „iCloud-Fotos“ aktiv. Alle Fotos und Videos werden dabei vom Gerät in die iCloud geladen. Man kann alle Medien auch über das Web-Interface im iCloud-Konto sehen.

Hinweis: Nur 5 GB Speicherplatz auf der iCloud sind kostenlos. Bekommen Sie nach kurzer Zeit die Aufforderung, mehr Speicherplatz zu kaufen, könnte es an der großen Zahl der automatisch synchronisierten Medien liegen.

iCloud-Mail

Hat man eine E-Mail-Adresse bei Apple (@icloud.com), werden alle E-Mails in der iCloud gespeichert. Sie sind dann über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Dies lässt sich nicht abwählen, da Apples Mail-Dienst nur so funktioniert.

Kontakte, Kalender, Erinnerungen, Notizen, Nachrichten

Standardmäßig werden alle Kontakte, Termine, Erinnerunge, Notizen und Nachrichten in der iCloud gespeichert und sind im Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Sie können in allen Fällen verbieten, dass Daten Ihr iPhone verlassen, indem Sie die Synchronisierung über den Schieberegler abwählen.

Safari

Die Synchronisierung des Browsers Safari ist standardmäßig aktiv, die Daten sind aber nicht über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Bei der Funktion werden folgende Daten mit anderen Geräten synchronisiert, die mit dieser Apple-ID verknüpft sind:

  • geöffnete Tabs,
  • Lesezeichen,
  • Browser-Verlauf.

Sie können verbieten, dass Safari Daten in die iCloud lädt, indem Sie den Schieberegler nach rechts bewegen. Hier erklären wir  ausführlich, wie Sie Safari richtig einstellen.

Home

Home dient der Steuerung von Geräten über das Apple HomeKit. Das sind etwa vernetzte Lichtschalter, Thermostate, Kameras oder Türklingeln. Home ist standardmäßig aktiv, die Daten sind aber Ende-zu-Ende verschlüsselt und nicht über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Wir halten es dafür für ungefährlich, diese Funktion aktiv zu lassen. Bei Bedarf können Sie sie dennoch abwählen.

Health

Apple Health synchronisiert zum Beispiel gelaufene Schritte, Herzfrequenz und so weiter mit anderen Geräten und Gesundheitsapps. Es ist standardmäßig aktiv, die Daten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und nicht über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Wir halten es dafür für ungefährlich, diese Funktion aktiv zu lassen. Bei Bedarf können Sie sie dennoch abwählen.

Wallet

Das Wallet synchronisiert hinterlegte Zahlungsdaten, Transaktionen und Tickets. iCloud ist standardmäßig aktiv, die Daten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und nicht über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Wir halten es dafür für ungefährlich, diese Funktion aktiv zu lassen. Bei Bedarf können Sie sie dennoch abwählen.

Über die Wallet werden auch Zahlungen mit Apple Pay abgewickelt. Mehr zu Apples Bezahldienst hier.

Siri

Siri ist der Sprachassistent von Apple und ist standardmäßig aktiv. Die Daten enthalten Sprach- und Kontextdaten von Siri. Sie sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und nicht über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Wir halten es dafür für ungefährlich, diese Funktion aktiv zu lassen. Bei Bedarf können Sie sie dennoch abwählen.

Unser Text Apples Siri: Praktische Wanze? erklärt, welche Daten die Sprachassistenz sammelt.

Schlüsselbund

Der Schlüsselbund synchronisiert die Login-Daten von Safari und anderen Diensten (Facebook, Twitter, E-Mail), WLAN-Passwörter und Kreditkarteninformationen mit anderen Geräten, die mit dieser Apple-ID verknüpft sind.

Die Synchronisierung mit anderen Geräten und das iCloud-Backup ist standardmäßig deaktiviert. Die Daten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und nicht über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar. Wir halten es dafür für ungefährlich, diese Funktion aktiv zu lassen. Bei Bedarf können Sie sie dennoch abwählen.

Mein iPhone suchen

Mit dieser Funktion können Sie das eigene Gerät per Fernzugriff orten, sperren oder löschen. Außerdem ist damit auch die Reaktivierungssperre angeschaltet. Sie verhindert, dass Diebe ein gesperrtes Gerät über die Außentasten auf Werkseinstellungen zurücksetzen können, um es beispielsweise zu verkaufen.

Die Funktion ist standardmäßig aktiv. Die Daten können bei Bedarf über das Web-Interface im iCloud-Konto angesehen werden.

Durch die Funktion wird kein permanentes Bewegungsprofil angelegt. Laut Apple sendet das Gerät seinen Aufenthaltsort nur, wenn man dies über „Mein iPhone finden“ anfordert. Die Daten werden nach sieben Tagen gelöscht.

Wir empfehlen, diese Funktion zu aktivieren. Wie sie funktioniert, zeigen wir in diesem Video: iPhone weg? So finden Sie es wieder.

iCloud-Backup

Mit dieser Option wird täglich eine Sicherheitskopie verschiedener Daten an die iCloud gesendet, sobald eine WLAN-Verbindung besteht. Sie lässt sich nur als Ganzes auf einem iPhone wiederherstellen. Dazu gehören:

  • Fotos und Videos (es sei denn, diese werden schon über die aktivierte Foto-Funktion gesichert),
  • Anrufverlauf,
  • Nachrichten (iMessage, SMS, MMS),
  • Gesundheitsdaten,
  • App-Daten,
  • Einkaufsstatistik aus iTunes Store, App Store oder iBooks Store,
  • und anderes wie: Klingeltöne, HomeKit-Konfiguration, Geräteeinstellungen sowie Organisation des Home-Bildschirms und der Apps.

Man kann auch einzelne Datengruppen ausschließen, unter iCloud > Speicher > Speicher verwalten > Backups > Gerät.

Hier können Sie auch alle Backup-Daten für das Gerät aus der iCloud löschen. Standardmäßig aktiv, nicht über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar.

iCloud Drive

Über iCloud Drive kann man eigene Dateien in der Cloud speichern wie auf einer externen Festplatte. Auch Apps von anderen Herstellern können hier ihre Daten speichern.

Ob eine App auf die iCloud zugreifen darf, muss man in der Regel bei deren Erstbenutzung ausdrücklich erlauben oder ablehnen; man kann dies aber auch nachträglich aus- und einschalten.

Standardmäßig aktiv und über das Web-Interface im iCloud-Konto sichtbar.

Mich finden

Die Funktion „Mich finden“ erlaubt es Apps, einen Apple-Nutzer über die Apple-ID zu finden. Personen, die einen suchen, bekommen dann vor und Nachname angezeigt. Sie können Apps, die dort angezeigt werden, entfernen.

iCloud-Analyse

Daten, die sich in der iCloud befinden, werden von Apple nach eigenen Angaben nur ausgewertet, wenn die Option iCloud-Analyse aktiv ist. Aber auch dann werden die Daten vorher durch Apples Privatsphärekonzept Differential Privacy so bearbeitet, dass sie keiner einzelnen Person zugeordnet werden können.

"Differential Privacy" ist Teil der Einstellung "Analyse und Verbesserungen". Apple fragt beim Einrichten eines neuen Gerätes, ob man das Teilen von Analysedaten zulassen möchte. Sie können diese Einstellung ablehnen und auch nachträglich noch deaktivieren.

Sie finden die Einstellung unterEinstellungen > Datenschutz > Analyse & Verbesserungen. Bei Bedarf können Sie die Analyse abwählen.

iCloud-Daten abfragen

Über privacy.apple.com können Sie die von Apple in der iCloud gespeicherten Daten herunterladen. Mit dieser Möglichkeit hat Apple auf die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union reagiert.

Vor dem Download fragt Apple Sie, welche Daten Sie herunterladen wollen. Das können die Aktivitäten auf dem App-Store oder iTunes-Store sein, Basisdaten aus Ihrem Apple-ID-Account-, iCloud-Kontakte oder alle gespeicherten Dateien. Im Anschluss an die Auswahl der Datentypen müssen Sie eine maximale Dateigröße für den Download angeben, die sich zwischen einem und 25 Gigabyte bewegt.

Das Bereitstellen der Daten kann laut Apple bis zu sieben Tage dauern. Wenn es soweit ist, versendet Apple eine Nachricht an die E-Mail-Adresse, die mit dem jeweiligen iCloud-Konto verknüpft ist.

iCloud-Konto löschen oder deaktivieren

Über privacy.apple.com können Sie eine Apple-ID und damit ein iCloud-Konto vorübergehend deaktivieren oder mit allen verknüpften Daten löschen. Auch der Löschvorgang kann sich nach Angaben von Apple bis zu sieben Tage hinziehen.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

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E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

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