App-Test

Heimweg-App Vivatar kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 31.07.2019, bearbeitet am07.08.2019

Die Heimweg-App Vivatar der Firma Bosch bietet einen Begleitservice und eine Notfallfunktion – allerdings nur in der Premiumversion. Nutzer*innen starten mit einem kostenlosen Premium-Probemonat – bei unserem Test ließ sich jedoch keine Begleitung starten. Welche Daten der Dienst genau speichert und wie lange, wird nur lückenhaft erklärt.

Das ist Vivatar

Mit der App Vivatar können Nutzer*innen sich von einer anderen Person auf ihrem Heimweg begleiten lassen. Die App überträgt den Standort an die Begleitung, die den Weg auf einer Karte mitverfolgen und im Notfall Hilfe rufen kann. Dazu muss die Begleitung ebenfalls die Vivatar-App intalliert haben.

Eine Notruffunktion direkt aus der App steht nur in der Premium-Version zur Verfügung (30 Tage kostenlos, danach 4,99 Euro pro Monat). Betätigt man den Notruf, geht zunächst ein*e Vivatar-Mitarbeiter*in ans Telefon. Das Team ist laut Webseite für Premium-Nutzer*innen 24 Stunden täglich erreichbar.

Bei Bedarf verständigt das Team die Polizei und teilt den genauen Standort der*des Betroffenen mit. Ruft man die Polizei direkt unter 110 an, kann diese den Standort nur (ungenauer) über das Mobilfunknetz ermitteln.

Warum die Polizei nur ungenau orten kann, erklären wir im Beitrag: Handy orten - wie geht das?

Entwickelt hat Vivatar die Firma Bosch, die neben technischen Geräten auch Software "für mehr Lebensqualität" anbietet, wie es auf der Webseite heißt. Die App gibt es für Android und iOS.

Als Zubehör zur App bietet Bosch einen physischen Notfallknopf an, den Nutzer*innen an ihrer Kleidung anbringen und schneller betätigen können (Vivatar Go, 29,99 Euro).

Die Bedienung der App und das Hinzufügen von Kontakten ist relativ unübersichtlich. Leider ließ sich die kostenlose Begleitfunktion im Test auch nach mehreren Versuchen mit verschiedenen Geräten nicht aktivieren.

Diese Daten fragt die App ab

Wer die App installiert, muss gleich zu Anfang eine Reihe von Berechtigungen einräumen: Den Zugriff auf das Adressbuch, die Telefonfunktion, die SMS-Funktion und auf den Standort. Erst dann geht es weiter.

Das ist ungewöhnlich: Apps auf neueren Geräten fragen normalerweise erst dann Berechtigungen ab, wenn sie sie zum Ausführen einer konkreten Funktion brauchen. Dadurch wird deutlich, wozu eine Berechtigung nötig ist.

Anschließend werden Vor- und Nachname sowie die Telefonnummer abgefragt. Ohne Telefonnummer ist es nicht möglich, sich von Freund*innen begleiten zu lassen.

Ein mobilsicher-Datentest der Android-App zeigte außerdem, dass Vivatar bei Installation eine eindeutige, unveränderbare Seriennummer des verwendeten Geräts erhält.

Wenn Nutzer*innen sich auf einem Weg begleiten lassen, werden die Standortdaten und die Kontaktdaten des*der Begleitenden an die Firma Bosch gesendet. Laut Datenschutzerklärung werden die Standortdaten nicht zur Bildung von Bewegungsprofilen verwendet. Was mit den Kontaktdaten geschieht, erwähnt die Datenschutzerklärung nicht.

Diese Daten speichert Vivatar über Sie

Alle Daten, die Sie in der App hinterlegen, werden auf den Servern der Firma Bosch gespeichert, bis Sie Ihr Profil löschen.

Das können neben dem Namen und der Handynummer auch die E-Mail-Adresse und Angaben aus dem "digitalen Notfallpass" sein, falls Sie diesen nutzen. Diese App-Funktion dient dazu, "im Notfall den Helfern möglichst genaue Informationen zu bieten". Sie können hier Daten zum Gesundheitszustand, zu Allergien und eingenommenen Medikamenten eintragen.

Überlegen Sie sich gut, ob Sie diese Funktion nutzen möchten - Gesundheitsdaten gehören zu den besonders sensiblen Daten und auch große Firmen sind vor Hacks und Datenklau nie ganz sicher.

Ob und wie lange die Firma Bosch Ihre Gerätedaten und Standortinformationen von begleiteten Touren speichert, sagt die Datenschutzerklärung nicht. mobilsicher hat eine entsprechende Anfrage an Bosch gestellt.

Diese Daten gibt die App weiter

Vivatar bindet mehrere Google-Dienste ein, neben Google Maps für das Kartenmaterial zum Beispiel die Push-Dienste zum Anzeigen von Benachrichtigungen.

Ein mobilsicher-Datentest der Android-App ergab, dass Google von Nutzer*innen die Werbe-ID sowie die GSF-Nummer, die auf Ihr Google-Konto verweist, erhält. Auf die Weitergabe der Werbe-ID weist die Datenschutzerklärung von Vivatar hin und gibt auch den Hinweis, dass man diese zurücksetzen kann.

Was Ihre Werbe-ID über Sie aussagen kann und wie Sie sie zurücksetzen, erklären wir in diesem Text und diesem Video.

Erfreulich: Die App baut keine Verbindung zu Facebook oder anderen Drittanbietern auf - mit Ausnahme von Google.

Fazit: Teuer und unpraktisch

Das Geschäftsmodell von Vivatar sieht vor, dass Nutzer*innen nach Ablauf von 30 Tagen für die Vollversion bezahlen, um auch die Notruffunktion nutzen zu können. Allerdings wird in der App nicht klar, wie sich die Basis- und die Vollversion unterscheiden.

Wer sich nach dem ersten Ausprobieren auf die Notruffunktion verlässt, könnte davon überrascht werden, dass sie plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht - vielleicht genau im falschen Moment. Hier sehen wir die Anbieter*innen in der Pflicht, innerhalb der App genau zu informieren.

Zudem ist der Abo-Preis relativ hoch. Dieselbe Dienstleistung gibt es auch kostengünstiger.

Kritisch bewerten wir auch die Datenschutzerklärung, die in ihrer jetzigen Version nur sehr unkonkret über die Verwendung und Speicherung von Daten informiert.

Bei unserem Test mit einem Google Pixel 2 (Android 9), einem iPhone S6 (iOS 12) sowie mit einem Sony Xperia Compact (Android 6), ließ die Funktionalität von Vivatar zu wünschen übrig. Auch nach mehreren Versuchen und Neuinstallation der App schlug die Kommunikation zwischen den Geräten fehl und es ließ sich keine begleitete Tour starten. In Kommentaren von Nutzer*innen in den App-Stores ist ebenfalls von Problemen zu lesen.

Aus diesen Gründen können wir Vivatar momentan nicht empfehlen.

Die Autorin

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Inga Pöting

Inga Pöting ist Redakteurin bei mobilsicher.de. Sie schreibt Texte, kümmert sich um die Webseite und erklärt Apps und Smartphone-Funktionen vor der Kamera. Davor hat sie im Ruhrgebiet bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen gearbeitet.

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