Ratgeber

Dialer-Apps: Komfort mit Risiken

Ein Artikel von , veröffentlicht am 26.06.2018

Die Telefon-App, die jedes Smartphone mitbringt, kann ersetzt werden. Alternativen aus dem App-Store bringen oft mehr Funktionen oder ein schöneres Design mit. Aber Vorsicht: Einige solche Dialer-Apps bieten gefährliche Zusatzfunktionen und geben im schlimmsten Fall Ihr ganzes Adressbuch an Dritte weiter.

Was sind Dialer-Apps?

Jedes Smartphone kommt mit einer bereits installierten Telefon-App in den Handel. Meist trägt die Anwendung einfach den Namen „Telefon“ und hat als Symbol einen Telefonhörer. Mit dieser App kann man Anrufe starten und empfangen.

Die meisten vorinstallierten Telefon-Apps sind auch mit dem Adressbuch und der SMS-App verknüpft, so dass man Telefonnummern nahtlos aus den Kontakten heraus anrufen, dort speichern oder ihnen eine SMS schicken kann.

Weil das Wählen einer Telefonnummer auf englisch "to dial" heißt, nennt man solche Apps auch "Dialer". Nicht zu verwechseln ist diese Bezeichnung mit bestimmten Schadprogrammen, die heimlich kostenpflichtige Telefonnummern anrufen und ebenfalls oft "Dialer" genannt werden.

Die vorinstallierte Telefon-App ist fest ins Betriebssystem integriert und man sollte sie auf keinen Fall deinstallieren. In der Regel ist das auch gar nicht möglich. Man kann aber trotzdem eine andere Telefon-App herunterladen und statt der vorinstallierten Variante verwenden.

Telefon-Apps sehen alle Anrufe

Damit eine App Anrufe starten und neue Nummern speichern kann, braucht sie Zugriff auf die Telefon-Funktion und auf die Kontakte des Smartphones. Von der Telefon-App aus kann man meistens auch auf die SMS-App zugreifen und nahtlos SMS an Kontakte verschicken.

Entsprechend weitreichend sind die Berechtigungen, die eine solche App zum Funktionieren benötigt. Weil dies auch genau die Berechtigungen sind, die ein schädlicher "Dialer" benötigt (also eine App, die ohne das Wissen des Nutzers kostenpflichtige Nummern anruft oder Premium-SMS verschickt), raten wir bei der Auswahl einer neuen Telefon-App zu größter Vorsicht.

Außerdem "sieht" eine Telefon-App naturgemäß alle Anrufe, die man tätigt und oft auch die SMS und Kontakte. Es gibt einige Apps, die hier zugreifen und sowohl den Anrufverlauf der Nutzer als auch ganze Adressbücher auf die Server ihrer Anbieter speichern.

Große Auswahl, viele Funktionen

Die Auswahl für Telefon-Apps in den Stores von Apple und Google ist groß und unübersichtlich. Die vielleicht populärste Dialer-App heißt „Truecaller“ und stammt von der schwedischen Firma "True Software Scandinavia AB". Sehr weit verbreitet ist auch die App "Drupe", der israelischen Firma Drupe Mobile Solutions.

Externe Telefon-Apps werben mit vielen Zusatzfunktionen, zum Beispiel:

  • besonderes Layout
  • Gespräche aufzeichnen
  • Nummern blockieren
  • Gestensteuerung
  • Informationen zu unbekannten Nummern anzeigen
  • Spamschutz
  • SMS-Integration

Einige dieser Funktionen sind tatsächlich neu, andere gehören zum Standardrepertoire vieler mitgelieferter Geräte-Telefon-Apps. Hier lohnt sich ein Blick ins Menü der vorhandenen App. Gerade neuere Geräte bringen oft eine recht gut ausgestattete Telefon-App mit.

Anrufererkennung: starke Funktion mit Nebenwirkungen

Eine Funktion mit echtem Mehrwert ist die Anruferkennung. Dabei liefert der Anbieter der App seinen Nutzern Informationen zu Anrufernummern, zum Beispiel den Namen oder Firmennamen. Diese Funktion ist auf Nummern ausgelegt, die der Nutzer noch nicht im Telefonbuch hat, die für ihn also völlig unbekannt sind.

Das kann nur funktionieren, indem der Anbieter der App jede Anrufer-Nummer mit seiner eigenen Datenbank abgleicht, in der er möglichst viele Telefonnummern mit dazugehörigen Informationen gespeichert hat. Diese Nummern kommen einerseits von Firmen, die solche Daten sammeln und verkaufen. Sie können aber auch von den Nutzern selbst stammen.

So lädt die App "Drupe" das Adressbuch von Nutzern auf seine Server, wenn man die Funktion "Caller-ID" nicht ausschaltet (in Europa ist die Funktion seit Mitte Juni nicht mehr verfügbar).

Auch Googles Telefon-App, die auf Nexus- und Pixel-Handys vorinstalliert ist, bietet diese Funktion an. Dabei greift sie nicht das Adressbuch des Nutzers ab, sondern arbeitet mit der Datenbank „Google My Business“, in der Unternehmen ihre Kontaktdaten hinterlegen können.

Der Gerätehersteller Samsung arbeitet für eine ähnliche Funktion mit dem US-amerikanischen Startup Hiya zusammen, das nach Eigenangaben monatlich 3,5 Milliarden Anrufe analysiert. Sowohl bei Google als auch bei Samsung müssen Nutzer die Funktion manuell aktivieren.

Notruf-Funktion bei Telefon-Apps

Eine besondere Funktion einer vorinstallierten Telefon-App sind Notfallanrufe. Die Nummer 112, der so genannte Euronotruf, lässt sich auch dann anrufen, wenn ein Smartphone mit Bildschirmsperre oder mit SIM-PIN blockiert ist. Die 112 lässt sich auch dann wählen, wenn man selbst kein Netz hat, aber Telefon-Netze anderer Anbieter verfügbar sind.

Anders als in den meisten anderen Ländern funktioniert die 112 in Deutschland nur mit aktiver SIM-Karte.

Um die Notruf-Funktion zu garantieren, sollte man die vorinstallierte Telefon-App nicht deinstallieren. In unserem Test mit einem Pixel 2 und der Telefon-App "TrueCaller" funktionierte die Notruffunktion auch, wenn die vorinstallierte Telefon-App deaktiviert war. Ob dies aber bei allen Geräten der Fall ist, konnten wir nicht eindeutig klären.

Fazit

In den meisten Fällen ist eine zusätzlich installierte Telefon-App nicht nötig. Wenn Sie dringend eine brauchen, um zum Beispiel Spam-Anrufe zu blockieren, dann sollten Sie vorher herausfinden, wie der Dienst arbeitet. Die gängigen Rezensionen solcher Apps machen über die Datenschutzpraxis leider in der Regel keine Aussage.

So schnitten zwei der populärsten Dialer-Apps, Drupe und TrueCaller, in unseren Tests schlecht bis katastrophal ab - obwohl sie von vielen Technikredaktionen positiv besprochen werden. Unsere Tests zu Dialer-Apps werden in den nächsten Tagen auf mobilsicher.de veröffentlicht.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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