Ratgeber

Browser mit Tracking-Schutz: Firefox Klar (iOS)

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Der Browser „Firefox Klar“ verspricht Apple-Nutzern privates Surfen. Doch aktuell steht er in der Kritik, denn er gibt selbst Nutzerdaten weiter. Wir zeigen, wie Sie das unterbinden können und an welchen Stellen Mozilla den Browser noch verbessern sollte.

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Browser · Datensammeln · Firefox · Firefox Klar · Tracking
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Mit dem Firefox-Browser „Firefox Klar“, international auch als „Firefox Focus“ bekannt, steht seit November 2016 der erste externe Browser mit echtem Tracking-Schutz für iPhones und iPads zur Verfügung. Das heißt, unerwünschte Elemente wie Werbung, Social-Media-Schaltflächen oder eben Tracker werden aktiv blockiert.

Allerdings steht der Browser derzeit in der Kritik. Wie IT-Spezialist Hermann Sauer von der Firma Comidio GmbH und der Journalist Peter Welchering im Deutschlandfunk berichteten, überträgt der Browser Daten an den Analysedienst „Adjust GmbH“. Und das, ohne Nutzer und Nutzerinnen darauf hinzuweisen.

Welche Informationen gehen an Adjust?

Dabei werden eindeutige Kennungen übertragen, darunter auch die IDFA (ID for Advertising), gemeinsam mit einem Zeitstempel und einige technische Informationen, zum Beispiel eingestellte Sprache, Gerätetyp und Betriebssystemversion. Die IDFA identifiziert eine iOS-Installation und ändert sich erst, wenn man das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzt.

mobilsicher.de konnte die Verbindungsaufnahme im eigenen Test reproduzieren. Firefox Klar nimmt beim Start und dann von Zeit zu Zeit Verbindung zu einem Server der Firma Adjust auf und überträgt neben den genannten Punkten auch Informationen darüber, welche Funktionen man im Browser bedient hat. Die aufgerufenen Webseiten werden nicht übermittelt. Die Verbindung ist verschlüsselt, verzichtet aber auf zusätzliche Sicherheit, die durch Certificate Pinning erreicht werden könnte.

Mozilla nutzt die Dienste von Adjust nach eigenen Angaben zur Produkt- und Marketingverbesserung. Mit der IDFA überprüft Adjust nach eigenen Angaben, ob der Nutzer oder die Nutzerin vorher auf eine Werbung für den Klar-Browser geklickt hatte. Leider verzichtet Mozilla auf eine „Opt-in“-Lösung, bei der man aktiv um Einwilligung gebeten wird. Unserer Meinung nach ein grober Fehler, handelt es sich doch explizit um ein „Privatsphäre-Browser“, bei dem Nutzer und Nutzerinnen so einen Analysedienst nicht erwarten dürften.

So stellen Sie die Übertragung ab

Stattdessen bietet Mozilla einen „Opt-out“ an, das heißt, Sie können die Datenübertragung stoppen, indem Sie sie in den Einstellungen abschalten. Und so geht es:

Schritt 1: Öffnen Sie den Browser „Firefox Klar“.

Schritt 2: Öffnen Sie das Menü

Tippen Sie auf das Zahnradsymbol oben rechts. Falls noch eine Webseite geöffnet ist, müssen Sie vorher noch auf Entfernen tippen, um zum Startbildschirm zu gelangen.

Schritt 3: Opt-out

Tippen Sie auf den Schieberegler bei dem Punkt Anonyme Nutzungsdaten senden, so dass er links steht.

Schritt 4: Suchmaschine ändern
Voreingestellt ist die Suchmaschine Google. Von anderen Browsern weiß man, dass Google alle eingetippten Suchbegriffe speichert, gemeinsam mit eindeutigen Kennungen. Bei diesem Browser werden vermutlich keine Kennungen an Google übertragen. Aber wer sicher gehen will, stellt „Duck Duck Go“ als Suchmaschine ein. Zu finden ist die Einstellung im Menü (Schritt 2) unter dem Punkt „Suche“.

Was unterscheidet „Firefox Klar“ von „Firefox“

Im normalen Firefox-Browser für iOS gibt es keinen integrierten Tracking- und Werbeblocker. Der private Modus in Firefox bewirkt nur, dass der Browser unter anderem aufgerufene Webseiten nicht speichert.

Andererseits fehlen Firefox Klar wichtige Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten, die es bei Firefox gibt. So kann man immer nur in einem Fenster surfen, es existieren keine Tabs. Auch kann man keine Startseite einstellen oder Zugangsdaten verwalten. Genauso wie bei Firefox für iOS, fehlen auch hier unter Android verfügbare Erweiterungen.

Möglichkeiten nicht ausgeschöpft

Außerdem mangelt es dem Browser an einer Whitelist-Funktion, um bestimmte Seiten automatisch vom Werbeblocker auszunehmen. Seiten, die mit Firefox Klar nicht funktionieren, muss man derzeit in einem anderen Browser öffnen.

Zudem gewöhnungsbedürftig und auch fehleranfällig: Um die Surfhistorie zu einer bestimmten Webseite zu löschen, muss man auf die Schaltfläche „Entfernen“ tippen. Sie befindet sich oben links im Browserfenster. Macht man das nicht, bleiben die Daten erhalten und nichts ist mehr privat. Zur Surfhistorie gehören aufgerufene Adressen (Browserverlauf), Cache (Zwischenspeicher), Cookies und eventuell Zugangsdaten.

Firefox Klar bleibt damit ein Ausnahme-Browser für besondere Gelegenheiten. Angesichts dessen, dass es bislang keinen einzigen Browser neben Safari für iOS gab, der Werbung und Tracker blockiert, ist das schon ein Fortschritt. Dennoch bleibt Mozilla weit hinter dem Möglichen zurück.

 

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