Kinder und Jugendliche

Bildschirmzeit: iPhone-Kindersicherung kurz vorgestellt

Ein Artikel von , veröffentlicht am 31.10.2018, bearbeitet am26.08.2020
Fotos: Pixabay CC0, Montage: mobilsicher

„Bildschirmzeit“ heißt Apples Lösung zur Beschränkung von iPhones und iPads. Sie kann auch als Kindersicherung dienen, ohne dass dabei Daten im Internet landen. Allerdings ist die Funktion nicht ganz wasserdicht – kluge Kinder können sie umgehen.

Das ist Apples Bildschirmzeit

„Bildschirmzeit“ gibt es auf Apple-Mobilgeräten seit 2018 (iOS 12). Mit der Funktion können Sie iPhones und iPads beschränken. Beispielsweise lassen sich Auszeiten festlegen und Apps blockieren. Damit können Sie ein iPhone oder iPad kindersicherer machen oder eigenen schlechten Gewohnheiten entgegenwirken.

Sie finden die "Bildschirmzeit" unter Einstellungen > Bildschirmzeit. Ganz unten können Sie die Funktion aktivieren und bei Bedarf wieder abschalten.

„Bildschirmzeit“ bietet auch Statistiken zur App-Nutzung. Um die Daten aufzurufen, tippen Sie auf den Gerätenamen oder die Zeit.

Die Funktion lässt sich kombiniert für verschiedene iOS-Geräte einrichten. Dazu müssen die Geräte in derselben iCloud angemeldet sein. Für die Einrichtung tippen Sie im Bildschirmzeit-Menü auf Geräteübergreifend teilen.

Hinweis: Wenn Sie die "Bildschirmzeit" auf mehreren Geräten nutzen, werden Ihre Einstellungen in die iCloud übertragen und können dort theoretisch von Apple eingesehen werden. Wenn Sie sie nur auf einem Gerät nutzen, werden die Daten dort lokal gespeichert.

Hier geht's zu unserer großen Übersicht von Kindersicherungs-Apps.

So richten Sie Bildschirmzeit ein

Wenn Sie den Punkt im Menü das erste Mal aufrufen, werden Sie zunächst gefragt, ob Sie die Einstellungen für sich selbst oder für ein Kind festlegen möchten.

Wählen Sie die Option Kind, müssen Sie zunächst einen Elterncode festlegen. Dieser Code wird anschließend jedes Mal abgefragt, wenn jemand die Bildschirmzeit ändern möchte.

Wenn Ihr Kind noch kein eigenes Gerät besitzt, können Sie ihr eigenes iPhone oder iPad mit Hilfe der Bildschirmzeit kindersicherer machen. Für sich selbst können Sie die Bildschirmzeit dann ausschalten. Außerdem lässt sich ein Kindergerät über Apples Familienfreigabe aus der Ferne einrichten (siehe unten).

Sie haben unter "Bildschirmzeit" vier Menüpunkte zur Auswahl:

1. Auszeit: Hier können Sie entscheiden, zu welcher Zeit das iPhone oder iPad in den Auszeitmodus gehen soll, zum Beispiel abends ab 20 Uhr. In dieser Zeit sind nur vorher festgelegte Apps nutzbar (siehe Punkt „Immer erlauben...“). Fünf Minuten vor Beginn der Auszeit erscheint eine Ankündigung auf dem Display.

Beim Punkt "Zur Auszeit blockieren" können Sie festlegen, was passieren soll, wenn Sie (oder ihr Kind) versuchen, eine zur Auszeit gesperrte App zu nutzen. Ist die Option angewählt, bleiben die betreffenden Apps blockiert und können nur mit Hilfe des Elterncodes geöffnet werden. Verzichten Sie auf die Blockade, erscheint nur ein Hinweis. Sie können die App anschließend dennoch öffnen.

2. App-Limits: Für App-Kategorien lassen sich Zeitlimits festlegen, beispielsweise eine Stunde pro Tag für die Kategorie „Spiele“. Auch hier können Sie bestimmen, was nach Ablauf dieser Stunde passieren soll: entweder wird die App-Kategorie dann blockiert oder es erscheint nur ein Hinweis, dass die Zeit abgelaufen ist.

3. Immer erlauben …: Über diesen Punkt können Sie eine „weiße Liste“ anlegen, also Apps auswählen, die von Beschränkungen und Auszeiten immer ausgenommen sind. Per Voreinstellung freigeschaltet ist die Telefon-App, sodass das Gerät jederzeit Anrufe tätigen und entgegennehmen kann.

4. Beschränkungen: Hier legen Sie fest, welche wichtigen Einstellungen des Geräts unveränderbar sein sollen, zum Beispiel Präferenzen für In-App-Käufe, Account-Daten, maximale Lautstärke und den Standort.

Darüber hinaus bietet "Bildschirmzeit" an, Inhalte auf dem Gerät zu regulieren. Beispielsweise lassen sich in iTunes und im App-Store alle Filme blockieren, die nicht der gewünschten Altersbeschränkung entsprechen. Für Musik, Bücher und Videos versucht die Funktion, anstößige Inhalte herauszufiltern.

Auch können Sie Regeln für die Web-Inhalte festlegen, die das Gerät anzeigt. Sie können etwa bestimmte Webseiten erlauben oder nicht jugendfreie Inhalte blockieren.

Bildschirmzeit als Kindersicherung nutzen: zur Supportseite von Apple geht es hier.

Bildschirmzeit mit Familienfreigabe

Falls Ihr Kind ein eigenes iPhone oder iPad besitzt, können Sie sein Gerät über die Apple-Funktion Familienfreigabe per Fernzugriff von Ihrem eigenen Gerät aus steuern.

Um ein Kindergerät hinzuzufügen und die Bildschirmzeit einzurichten, folgen Sie dem Pfad Einstellungen > Benutzername > Familienfreigabe > Bildschirmzeit. Sie können die Funktion aktivieren und anschließend das Kindergerät hinzufügen.

Dazu müssen Sie die Apple-ID und das dazugehörige Passwort des Kindes eintragen. Alternativ können Sie an dieser Stelle eine neue Apple-ID für Ihr Kind anlegen und anschließend das Gerät des Kindes mit dieser neuen Apple-ID einrichten.

Wenn Sie Ihr Kind hinzugefügt haben, können Sie über den obigen Pfad das Kindergerät aufrufen und einrichten. Das Menü sieht genauso aus, wenn Sie Ihr eigenes Gerät einrichten.

Hinweis: Wenn Sie diese Funktion nutzen, werden Ihre Einstellungen in die iCloud übertragen und können dort theoretisch von Apple eingesehen werden. Wenn Sie „Bildschirmzeit“ nur auf einem Gerät nutzen, werden die Daten dort lokal gespeichert.

Kritik an der Kindersicherung

Die "Bildschirmzeit" für Kinder kann Medienberichten zufolge ausgetrickst werden. Kinder finden beispielsweise immer wieder Wege, YouTube-Videos zu schauen, obwohl die YouTube-App blockiert ist. Dazu öffnen Sie YouTube-Links beispielsweise in anderen Apps. Auch die iMessage-App lässt sich mit einem Trick auch innerhalb der festgelegten Sperrzeit nutzen.

Kurz nach der Einführung von „Bildschirmzeit“ machten die Betreiber des medienpädagogischen US-Projekts O.school außerdem darauf aufmerksam, dass der Filter für Webinhalte nicht richtig funktionierte. Er filterte etwa legitime Informationen zur Sexualaufklärung heraus, erkannte problematische Inhalte dagegen nicht, darunter religiöse Hetzinhalte und eine rechtsradikale Webseite. Mehr dazu in diesem Text.

Fazit

„Bildschirmzeit“ ist durch das übersichtliche Menü und die guten Erklärungen der einzelnen Punkte leicht nutzbar. Die Funktion bietet viele Möglichkeiten, ein Gerät den eigenen Wünschen entsprechend zu beschränken.

Auch als Kindersicherung ist die Funktion aus diesen Gründen gut geeignet. Positiv bewerten wir, dass das Kindergerät lokal beschränkt werden kann, die Fernsteuerung und damit einhergehende Überwachung des Kindes also kein Muss ist. Für iPhones ist uns derzeit keine andere App bekannt, die sich lokal einrichten lässt.

Behalten Sie im Hinterkopf, dass "Bildschirmzeit" Schwachstellen hat und von klugen Kindern ausgetrickst werden kann. Auch auf den Filter für Web-Inhalte sollten Sie sich nicht verlassen. Allerdings weisen auch andere Produkte zur Kindersicherung solche Schwächen auf. Daher ist "Bildschirmzeit" aus unserer Sicht die beste Wahl für die Beschränkung von iPhone und iPad.

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Die Autorin

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Inga Pöting

Inga Pöting ist Chefin vom Dienst bei mobilsicher.de. Sie gibt Texten den letzten Schliff, kümmert sich um die Webseite und erklärt Apps und Smartphone-Funktionen vor der Kamera. Davor hat sie im Ruhrgebiet für verschiedene Zeitungen und Magazine geschrieben.

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