Ratgeber

Bilder anonymisieren mit ObscuraCam

Foto: 
Ged Carroll
, CC BY 2.0

Digitale Fotos enthalten mehr Informationen, als das, was auf dem Bild zu sehen ist. Zum Beispiel Uhrzeit und Ort der Aufnahme. Die App ObscuraCam entfernt diese Metadaten und kann Bilder auch verpixeln. Wir zeigen, wie es geht, und wo die App Schwächen hat.

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Anonym · Datenschutz · Fotos
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Viele Digital-Kameras speichern in den Bildern neben den technischen Kamera-Daten auch die Uhrzeit, das Aufnahme-Datum, und bei aktiviertem GPS auch den Ort, an dem das Foto entstanden ist. Auch in Video- und Audio-Dateien sind solche Zusatzinformationen, Metadaten genannt, gespeichert. Fotografinnen nutzen die Metadaten oft, um ihre Bilder mit einem Urheberrechtsvermerk zu versehen oder eine detaillierte Bildbeschreibung hinzuzufügen.

Metadaten hinterlassen Spuren

Der bekannteste Standard für das Abspeichern von Metadaten in Bildern ist das Bild-Austausch-Format Exif. Bilder, die mit dem Smartphone gemacht werden, werden im Gerät fast immer als .jpeg-Dateien mit zusätzlichen Exif-Daten abgespeichert. Diese Daten sind hilfreich, wenn man seine digitalen Aufnahmen besser organisieren und verschlagworten möchte. Andere Programme können diese Daten automatisiert lesen.

Allerdings lassen sich mit Hilfe dieser versteckten Metadaten sehr detailliert Alltagssituationen und Lebensläufe rekonstruieren. Wer beispielsweise viele Bilder von seinen eigenen Kindern macht und die Fotos in sozialen Netzwerken teilt, gibt viel mehr Informationen preis, als auf den Bildern zu sehen ist: Welchen Schulweg hat das Kind? Wo wohnen die besten Freunde? Auf welchem Spielplatz spielt das Kind am liebsten und zu welchen Uhrzeiten?

Wie einfach es ist, jemanden anhand der Metadaten eines einzigen Fotos geografisch aufzuspüren, zeigt das folgende Beispiel: Der Computerspezialist und Programmierer von Antiviren-Software, John McAfee, versteckte sich 2012 vor den Behörden. Er sollte als Zeuge in einem Mordfall aussagen.

Auf die Spur kam man McAfee, weil das Kunst- und Lifestyle-Magazin Vice ein aktuelles Foto von ihm im Internet veröffentlichte. Die Vice-Redaktion hatte allerdings nicht daran gedacht, vor der Veröffentlichung die Metadaten in dem Bild zu löschen. In dem Foto waren der genaue Ort und das Aufnahme-Datum gespeichert. Damit konnte man den Aufenthaltsort von McAfee ausfindig machen.

Fotos anonymisieren mit ObscuraCam

Die Android-App ObscuraCam wurde 2013 von der US-amerikanischen Menschenrechts-Organisation „WITNESS“ (das Akronym bedeutet auf Deutsch: Zeuge), sowie der Open-Source-Initiative „The Guardian Project“ entwickelt. Die App soll Menschen dabei helfen, mit Handy-Bildern und -Videos auf Missstände und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Das Programm ist derzeit nur in englischer Sprache verfügbar.

Die App eignet sich aber auch für den Alltag, um die Privatsphäre von Freunden, Nachbarn oder Bekannten zu schützen. Man kann ObscuraCam etwa dafür nutzen, fotografierte und gefilmte Gebäude, Autokennzeichen oder Gesichter zu verfremden und somit unkenntlich zu machen.

Aber erst die Metadaten, die in den Aufnahmen gespeichert sind, ermöglichen es Daten-Analysten, den Gesichtern auf Bildern einen Namen, ein Datum und eine Adresse zu geben. Andere Personen, die auf den Aufnahmen zu erkennen sind, werden im Internet dank automatischer Gesichtserkennung ebenfalls schnell identifiziert und mit Datenbanken abgeglichen.

Auf diese Weise können durch Bilder oder Internet-Videos detaillierte Persönlichkeitsprofile entstehen. Solche verräterischen Metadaten lassen sich in ObscuraCam mit wenigen Klicks entfernen. Wie das geht, schildern wir im Folgenden:

ObscuraCam auf Android nutzen

1. App installieren

Die App können Sie über den Google-Playstore oder den App-Shop F-Droid installieren. Wir empfehlen die Installation aus dem F-Droid-Shop.

2. Media-Dateien auswählen

Bevor Sie Bilder und Videos verfremden und anonymisieren können, müssen Sie die Dateien in die App laden.

Tippen Sie auf dem Startbildschirm der App auf „Obscure Photo“, um Bilder aus der Android-Foto-Galerie zu laden oder auf „Obscure Video“, um ein Video in die App zu laden. Mit der Funktion „New Photo“ können Sie direkt aus der App heraus ein Foto machen. Anschließend bearbeiten Sie die Aufnahme direkt in der App.

Sie haben drei Buttons zur Auswahl, um Bilder oder Videos in ObscuraCam zu laden

3. Metadaten entfernen, Motive „unverpixelt“ lassen

Metadaten werden automatisch aus Bildern und Videos entfernt, sobald man die Dateien aus ObscuraCam heraus neu abspeichert oder die Media-Datei über den „Teilen“-Button verschickt oder ins Internet hochlädt.

In den meisten Fällen erkennt die App Gesichter auf Bildern oder in Videos automatisch und zeichnet einen weißen Rahmen um ein Gesicht und verpixelt den markierten Bereich. Möchten Sie nur Metadaten entfernen, Bilder und Videos aber grundsätzlich unverpixelt lassen, müssen die automatischen Markierungen wieder entfernen. Tippen Sie dafür mit dem Finger in den weiß umrandeten Bereich und halten den Bereich gedrückt – die Farbe des Rahmens wechselt von Weiß nach Grün. Gleichzeitig erscheint am unteren Bild-Rand ein Auswahlmenü. Zum Löschen der Markierung und zum Löschen der Verpixelung tippen Sie im unteren Auswahlmenü ganz rechts auf das rote Kreuz („Clear Tag“).

Eine Bearbeitung, zum Beispiel Verpixeln von Gebäuden oder Gesichtern, ist nicht zwingend notwendig, um bereits vorhandene Metadaten aus Fotos oder Filmen zu löschen.

Am unteren Bildrand sind verschiedene Verpixelungs-Optionen angezeigt

4. Optional: Verfremden

ObscuraCam funktioniert ähnlich wie ein Bildbearbeitungsprogramm mit eingeschränktem Funktionsumfang. Es können damit unter anderem Bildbereiche ausgewählt und verfremdet werden. Die App unterstützt beispielsweise das Schwärzen, Verpixeln und überdecken von Bilddetails, etwa Gesichtern, Autokennzeichen oder Straßennamen. Man braucht auf kleinen Smartphone-Displays allerdings ein wenig Übung, um mit dem Finger Bildausschnitte auszuwählen und zu verfremden. Gesichter lässt man von der App am besten automatisch erkennen und verpixeln und bearbeitet die Aufnahmen gegebenenfalls manuell nach.

Beim Import von Videos werden Sie vorher gefragt, ob Gesichter automatisch erkannt und verpixelt werden sollen (auf Englisch: „Would you like to detect faces in this video?“). Wenn Sie auf Ja („Yes“) tippen, werden erkannte Gesichter automatisch verpixelt. Diese Option ist empfehlenswert, wenn viele Gesichter über einen längeren Zeitraum in einem Video zu sehen sind. Der Vorgang dauert aber, je nach Aufnahme-Qualität, deutlich länger als das Video selbst.

Wenn man auf Ja tippt, sucht ObscuraCam automatisch nach Gesichtern

Um sicher zu gehen, dass auch wirklich alle Gesichter unkenntlich gemacht wurden, ist manuelle Nachbearbeitung erforderlich.

Tipps und Hinweise

Sie können die bearbeitete Datei aus der App heraus direkt abspeichern. Klicken Sie dafür oben rechts auf das kleine Disketten-Symbol. Daraufhin werden Sie in englischer Sprache gefragt, ob Sie die Original-Datei löschen möchten (auf Englisch: „Do you want to delete the original media file?“).

Sie werden gefragt, ob Sie die Datei überschreiben wollen.

Wenn Sie „Yes“ („Ja“) antippen, wird die Originaldatei überschrieben und kann nicht wiederhergestellt werden. Wenn Sie auf „Nein“, also „No“, tippen, erstellt ObscuraCam eine anonymisierte Kopie der Originaldatei.

ObscuraCam schreibt beim Abspeichern der Media-Datei das Bearbeitungs-Datum und die Uhrzeit in die Exif-Daten Man kann zumindest aus diesen Informationen auf das ungefähre Aufnahmedatum schließen, was aus Datenschutzgründen nicht optimal ist.

Sicherer ist es, wenn man etwa Bilder direkt aus ObscuraCam heraus über den „Teilen“-Button im Internet verschickt. Denn über diese Funktion werden sämtliche Metadaten aus den Dateien gelöscht. Wenn Sie Bilder aus der App heraus teilen oder versenden, sollten Sie allerdings aufpassen. Wenn Sie Gesichter, Häuser oder Ortsschilder verfremdet haben, kann es passieren, dass ObscuraCam einen ganz anderen Bereich verpixelt als eigentlich von Ihnen beabsichtigt.

Es ist daher sinnvoll, wenn Sie bearbeitete Bilder oder Videos stets noch einmal kontrollieren, bevor Sie die Aufnahmen im Internet veröffentlichen oder teilen.

App mit kleinen und großen Fehlern

Auch in unseren Tests verpixelte die App nicht immer den ausgewählten Bild-Bereich sondern einen ganz anderen, scheinbar zufällig ausgewählten Bildausschnitt. Auch die eingebaute Gesichtserkennung funktioniert nicht immer einwandfrei. Mit entsprechender Nachbarbeitung und Kontrolle bekommt man diese Schwächen aber gut in den Griff.

Metadaten ließen sich mit ObscuraCam hingegen mit nur wenigen Klicks fehlerfrei entfernen. Wenn Sie also nur die Metadaten aus Ihren Fotos und Videos entfernen wollen, den Rest aber unverpixelt haben wollen, nutzen Sie am besten „Teilen“-Button der App.

Wann und ob in der nächsten Zeit eine aktualisierte und verbesserte Version von ObscuraCam für Android veröffentlicht wird, konnten die App-Entwickler auf Nachfrage nicht genau sagen. ObscuraCam war bei Redaktionsschluss dieses Ratgebers immer noch in der Entwicklung (Version 2.0-RC2b; RC = „Release Candidate“, Beta-Version, zuletzt aktualisiert am 11. September 2013).

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