Ratgeber

AntennaPod: Podcast-App kurz vorgestellt (Android)

Ein Artikel von , veröffentlicht am 06.03.2022
Logo: AntennaPod

Mit der quelloffenen App kann man Lieblings-Podcasts aus vielen Quellen abonnieren, Daten werden dabei keine gesammelt. Die Entwickler*innen möchten mit AntennaPod dazu beitragen, dass Podcasts ein freies Medium bleiben.

AntennaPod ist ein Podcast-Client, mit der man Podcast abonnieren und auf dem Android-Handy abspielen kann. Die App ist kostenlos und werbefrei und analysiert das Verhalten der Nutzer*innen nicht. AntennaPod gibt es im Google Play-Store und im alternativen App-Store F-Droid.

Die F-Droid-Version benutzt nach Angaben der Entwickler*innen im Gegensatz zu der aus dem Play-Store keine Google-Dienste. AntennaPod ist genau wie der Browser Firefox und der Messenger Signal quelloffen (Open Source) – das bedeutet, jede*r kann den öffentlichen Code überprüfen.

Nutzer*innen können in der App zum Beispiel Favoriten markieren, bereits gehörte Folgen automatisch löschen lassen und sich eine Statistik über die eigene Podcasthörzeit erstellen. Über ein Forum können sie Feedback geben und Verbesserungsvorschläge machen.

So funktioniert AntennaPod

Podcatcher wie AntennaPod suchen nach Podcast-Feeds, also nach im Internet bereitgestellten Podcasts, die mit Hilfe der App abgespielt werden können. Gibt man in die App den Namen eines Podcasts ein, durchforstet sie drei Podcast-Verzeichnisse: fyyd.de, Podcast-Index LLC und iTunes von Apple.

Die Entwickler*innen haben sich für die Einbindung dieser drei Verzeichnisse entschieden, weil sie gemeinsam eine sehr große Bandbreite an Podcasts bieten. fyyd.net und PodcastIndex, der inzwischen sogar mehr Podcasts aufliste als Apple, stehen dabei nach Angaben der Entwickler*innen dafür, dass Podcasts ein dezentrales, freies Medium bleiben.

Über einen sogenannten RSS-Feed (Really Simple Syndication, etwa: sehr einfache Verbreitung) abonniert der Player die ausgewählten Podcasts und zeigt neue Folgen an. Die eigentlichen Inhalte werden dann von den Servern der Podcast-Ersteller*innen selbst abgerufen.

Während beispielsweise der Streaming-Dienst Spotify viele Nutzer*innendaten wie beispielsweise Suchanfragen, den Streaming-Verlauf, den Browser-Verlauf oder Interaktionen mit anderen Spotify-Nutzer*innen sammelt, erhebt AntennaPod nur notwendige Informationen: Sucht man nach einem Podcast, ruft AntennaPod die Verbindung zum Server ab, auf dem der Podcast gehostet wird. Unser aktuelles Testergebnis finden Sie hier. 

Suche man nach einem Podcast, der direkt beim Spotify-eigenen Dienst Anchor gehostet werde, erhalte Anchor die IP-Adresse, die AntennaPod-Version und die Namen der heruntergeladenen Folgen, erklärt der Hauptentwickler von AntennaPod, Hans-Peter Lehmann, gegenüber mobilsicher.de. Während man streame, komme dazu noch die auf einige Minuten genaue Position, die gerade abgespielt werde.

Wer steckt hinter AntennaPod?

Hinter AntennaPod steht ein internationales Entwickler*innenteam mit einer wechselnden Zahl von Freiwilligen, die ohne kommerzielle Interessen an dem Projekt mitarbeiten. Lange Zeit haben die Entwickler*innen keine Spenden angenommen und alles selbst finanziert.

Inzwischen kann man spenden, um etwa laufende Kosten für den Forum-Server zu decken oder Aufkleber zu drucken. Wichtiger als Geld sei für das Projekt allerdings freiwillige Mitarbeit wie beispielsweise bei der Übersetzung der App in andere Sprachen, sagen die Entwickler*innen.

Für eine freie Podcast-Welt

Laut Angaben des AntennaPod-Teams werden momentan rund 40 Prozent aller Podcasts im Podcast-Index bei Spotifys Dienst Anchor gehostet. Einige Expert*innen fürchten, dass diese Zentralisierung weiter zunehmen könnte. Schon jetzt ist es für Podcast-Produzent*innen attraktiv, ihren Podcast bei Anchor zu hosten, da sie über Spotify viele Hörer*innen erreichen können. Ähnlich wie Facebook und Twitter Webblogs inzwischen größtenteils verdrängt haben, könnte auch Spotify kleine Podcaster fast vollständig verdrängen.

Wäre eines Tages ein Großteil aller Podcasts bei Spotify, könnte der Konzern beispielsweise über Zugangsregeln entscheiden oder darüber, welche Podcast-Empfehlungen Hörer*innen vorgeschlagen werden. Spotify könnte außerdem verfolgen, wer wann welchen Podcast hört und dementsprechend Werbung schalten.

Im schlechtesten Fall könnte die Firma allgemein gültige Formate wie den RSS-Feed abschaffen und durch ein eigenes Format dafür sorgen, dass sie die alleinige Marktmacht behält. Damit wären Podcaster*innen und Hörer*innen auf Spotify als Monopol-Plattform angewiesen.

Fazit: Empfehlenswert

Im mobilsicher-Datentest ging AntennaPod als einzige rundum privatsphärefreundliche Podcast-App als klarer Sieger hervor.

Die App funktioniert im Gebrauch reibungslos, ist übersichtlich gestaltet und wird von einem engagierten Team aktiv weiterentwickelt.

Außerdem tragen AntennaPod-Hörer*innen mit der App-Nutzung dazu bei, der Macht von Spotify etwas entgegenzusetzen und ermöglichen damit eine buntere Podcast-Welt.

Kennen Sie schon unseren Newsletter? Einmal im Monat schicken wir Ihnen aktuelle mobilsicher-Lesetipps direkt ins Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.

Weitere Artikel

YouTube-Video 

Der AppChecker: Hol dir die Kontrolle zurück!

Datenschutz im Internet ist wichtig, aber schwer zu erklären? Nicht, wenn Unterwasserwesen mit Daten handeln! Unser Video zum Launch von App-Check.

Ansehen
Ratgeber 

Kinder-App Tocomail kurz vorgestellt

Tocomail ist eine kostenpflichtige E-Mail-App mit zugehörigem E-Mail-Dienst speziell für Kinder. Die Entwickler*innen werben mit besonderen Kontrollfunktionen und einer kinderfreundlichen Oberfläche. Hält die App, was sie verspricht? Und wie steht es mit dem Datenschutz?

Mehr
YouTube-Video 

Bildschirmzeit als Kindersicherung: So geht’s (iPhone)

Mit der iOS-Version 12 hat Apple eine Funktion spendiert, mit der man die iPhone- oder iPad-Nutzung einschränken kann. Sie lässt sich auch als Kindersicherung einsetzen. Wie "Bildschirmzeit" funktioniert und welche Kritikpunkte es daran gibt, erklären wir im Video.

Ansehen
Ratgeber 

So verbinden Sie Ihr Gerät mit einer eigenen Cloud (Android)

Von Haus aus ist Android darauf ausgelegt, Nutzerdaten mit Google-Servern zu synchronisieren. Dabei landen sehr viele Informationen beim Konzern. Die Alternative ist eine eigene Cloud. Wir zeigen, wie Sie wechseln.

Mehr