Ratgeber

Android Go – aktuelles Android für preisgünstige Geräte

Ein Artikel von , veröffentlicht am 11.05.2018
Bild: Pixabay, User 3dman_eu, Lizenz: CC0

Mit Android Go werden preisgünstige Smartphones sicherer. Die abgespeckte Variante des Betriebssystems Android 8 läuft auf Geräten mit wenig leistungsfähiger Hardware, die vorher meist nur mit veralteten Android-Versionen zu haben waren. Wir erklären die Stärken und Schwächen der Android-Sparversion.

Gerät billig – Android veraltet

Beim Kauf eines Smartphones gibt es ein Dilemma: Das neueste Betriebssystem ist in der Regel nur auf Geräten der höheren Preisklassen installiert. Preisgünstige Geräte dagegen sind oft nur mit älterer Android-Software zu haben. Das ist ein Problem, da neue Versionen von Android bestehende Sicherheitslücken schließen und mitunter wichtige Sicherheitsfunktionen einführen.

Lösung für preiswerte Geräte

Der IT-Konzern Google, der federführend hinter der Entwicklung von Android steht, bietet mit dem neu entwickeltem System, Android Go dafür eine Lösung an. Android Go ist eine abgespeckte Variante von Android, die auf der aktuellen Version Android 8 (Oreo) basiert. Sie bietet folgende Vorteile:

  • Läuft auch auf Geräten mit kleinem Arbeitsspeicher (unter einem Gigabyte)
  • Kommt mit einem kleinem Gerätespeicher von nur acht Gigabyte aus
  • Ist auf einen sparsamen Verbrauch von mobilen Daten ausgelegt

Auch für alle nachfolgenden Android-Versionen wird Google eine Go-Version bereitstellen.

Für Android Go hat Google verschiedene einzelne Anpassungen vorgenommen. Beispielsweise entzieht das System Apps, die im Hintergrund laufen, schneller den Zugriff auf den Arbeitsspeicher oder schließt sie ganz. Einige Funktionen, die Android ansonsten standardmäßig mitbringt, sind im Android Go-Paket nicht enthalten, beispielsweise die Cloud-Anwendung Google Drive oder Google Play Music. Zudem ist die sonst optionale „Datensparen“-Funktion standardmäßig aktiv.

Wie bei den meisten Android-Versionen haben Hersteller auch bei Android Go die Möglichkeit, das Betriebssystem anzupassen. Deswegen dürfte es auch bei Android Go zu Verzögerungen kommen – zwischen dem Moment, ab dem eine neue Android-Version zur Verfügung steht und dem Zeitpunkt, zu dem Hersteller sie auf Geräte aufspielen.

Go-Versionen von Apps

Für Google-eigene Apps gibt es eigene Go-Versionen, die unterschiedlich stark modifiziert sind. Die „Gmail Go“-App ist mit der klassischen Gmail-Anwendung nahezu identisch. Die „Youtube Go“-App etwa fragt, ob man ein Video in niedriger oder hoher Qualität streamen will, und sie verfügt über eine Download-Funktion, so dass man Videos auch offline schauen kann.

Bei „Google Maps Go“ handelt es sich nicht um eine klassische App, sondern um eine spezielle Browser-Version der Anwendung, eine sogenannte „Progressive Web App“. Klickt man auf das Symbol der Anwendung auf dem Bildschirm, öffnet sich Google Maps im Chrome-Browser. Eine Offlinenutzung von Maps und eine GPS-Navigation ist mit Google Maps Go nicht möglich.

Innerhalb des Play-Stores sehen Nutzer von Android Go einen eigenen Bereich für Apps, die auf Speicher- und Datensparsamkeit ausgelegt sind, unter anderem Facebook Lite und Skype Lite. Auf Android Go lassen sich allerdings auch die klassischen Versionen aller Apps installieren – wenn die Leistung des jeweiligen Geräts zulässt, dass sie tatsächlich laufen.

Keine automatische Verschlüsselung?

Einen Haken in puncto Gerätesicherheit gibt es laut Erkenntnissen des US-Magazins Ars Technica, zumindest beim von Ars Technica getesteten Gerät ZTE Tempo Go: Der Gerätespeicher ist nicht automatisch verschlüsselt. Diese Sicherheitsmaßnahme ist heute bei den meisten Smartphonemodellen Standard. Ist sie nicht aktiv, können Unbefugte Zugriff auf Inhalte erlangen, wenn sie ein verlorenes oder gestohlenes Gerät in die Hände bekommen.

Mehr über Geräteverschlüsselung erfahren Sie im Hintergrund-Text Wie sich Mobilgeräte verschlüsseln lassen.

Es ist sinnvoll, bei einem neuen Gerät zunächst in die Einstellungen zu schauen, ob der Gerätespeicher verschlüsselt ist. Je nach Gerät finden Sie den Punkt unter Sicherheit, Gerätesicherheit oder Sicherheit & Standort. An der jeweiligen Stelle werden Sie auch die Option sehen, das Smartphone zu verschlüsseln. Wir empfehlen dringend, dies zu tun.

Erste Tests von Android Go

Aktuell (Stand Mai 2018) gibt erst noch wenige Smartphones mit Android Go. Hierzulande sind die Modelle Nokia 1 und Blackview A20 im Handel, die beide weniger als 100 Euro kosten. Laut Medienberichten soll zudem der Hersteller Wiko bald Modelle mit Android Go auf den deutschen Markt bringen.

Im deutschen Sprachraum hat das Onlinemagazin Golem das Modell Nokia 1 getestet. Einen sehr detaillierten Test des Modells ZTE Tempo Go (in Deutschland noch nicht verfügbar) hat das US-Magazin Ars Technica veröffentlicht. Die Untersuchungen kamen zu einem ähnlichen Schluss: Dank Android Go läuft auch auf leistungsschwacher Technik die aktuelle Android-Version 8 mit ihren Grundfunktionen. Allerdings bemängelten beide Tests störende Verzögerungen von zum Teil mehreren Sekunden beim Bedienen von Apps oder beim Wechsel zwischen Apps.

Ein sinnvoller Schritt

Android Go ist noch sehr jung. Wir gehen davon aus, dass Google an dieser Betriebssystemversion weiter arbeiten wird, so dass sich die Funktionalität mit der Zeit verbessern wird.

Trotz aller Mängel halten wir das Konzept hinter Android Go für sinnvoll. Wer wenig Geld für ein Smartphone ausgeben kann oder will, sollte dafür nicht Sicherheitslücken und fehlende Sicherheitsfunktionen in Kauf nehmen müssen.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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