Ratgeber

AdVersary: Werbefreie Zone (Android)

Freedom

Werbung in Apps ist nicht nur lästig, sie kann auch in die Privatsphäre eines Nutzers eingreifen. Zudem können Werbebanner Links zu schädlichen Seiten enthalten. Eine neue Android-App namens AdVersary entfernt Werbung aus anderen Apps.

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Adware · Apps aus unbekannten Quellen · Werbeblocker
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Viele Apps finanzieren sich, indem sie Nutzern Werbebanner oder -Filme anzeigen. Die stammt meist nicht vom Anbieter selbst, sondern werden von sogenannten Werbenetzwerken eingespielt. Das sind Dienstleister, die die Anzeigen von Werbekunden in Tausenden von Apps und Plattformen vermarkten.

Für die Programmierer ist das bequem: Sie müssen sich nicht selbst um das Werbegeschäft kümmern, sondern nur einige Programm-Module integrieren. Das Werbenetzwerk lädt über diese Module dann automatisiert ständig neue Werbung nach.

Der Datenverkehr funktioniert allerdings auch in umgekehrter Richtung. So kann ein Werbebanner in einer App Standortdaten oder gar die Identität eines Nutzers an die Werbetreibenden zurückmelden. Je mehr Apps ein bestimmtes Werbenetzwerk einbinden, um so mehr Daten kann der Betreiber über die Nutzer sammeln.

AdVersary verspricht, diesen Datentransfer zu stoppen: Werbung wird nicht mehr angezeigt und es fließen keine Daten an die Werbetreibenden zurück.

Abgekapselte Daten

Die App stammt vom saarländischen Hersteller Backes SRT, der bereits mit „SRT AppGuard“ eine Sicherheitsapp im Angebot hat, die wir in unserem Beitrag „AppGuard: Apps unter Beobachtung beschrieben haben.

AdVersary beruht auf einer komplett neuen Methode. Der Hersteller hat mit „Boxify“ eine Technologie entwickelt, die auf dem Smartphone isolierte Umgebungen einrichtet – so können beispielsweise Arbeitsdaten von privaten Daten getrennt werden. AdVersary soll die Leistungsfähigkeit dieser Technik demonstrieren und wird deshalb kostenlos angeboten. Andere Anwendungen auf Basis von Boxify sind hingegen kostenpflichtig.

AdVersary leitet die Datenverbindungen zu den größten Werbenetzwerken um und legt diese somit lahm. Die Folge: In den meisten Apps wird keine Werbung mehr angezeigt. Nicht betroffen davon ist Werbung, die im mobilen Browser oder in E-Mails angezeigt wird.

Installieren ohne Google Play

AdVersary läuft laut Hersteller-Angaben auf jedem Smartphone und Tablet ab Android-Version 4.1 („Jelly Bean“). Anders als viele andere Werbeblocker kommt AdVersary ohne Modifikationen am Betriebssystem des Gerätes (rooten) aus. Allerdings hat Google die App – wie schon den Vorgänger – nicht in den offiziellen Google Play-Store aufgenommen. Dies bedeutet, dass Nutzer die App direkt von der Webseite des Herstellers herunterladen und installieren müssen.

In Betrieb nehmen

Bei der Installation fordert AdVersary viele Rechte an, inklusive den Standort der Nutzer und Zugang zum Adressbuch. Der Hersteller begründet das damit, dass AdVersary diese Rechte anfordern muss, um sie gegebenenfalls an die Apps weiterzugeben, die in der AdVersary-Umgebung laufen. Werbenetzwerke erhalten hingegen keinen Zugriff.

Beim Starten zeigt AdVersary eine Liste von Programmen an, die auf dem Gerät bereits installiert sind. Nun kann der Nutzer die Apps aussuchen, die künftig werbefrei laufen sollen.

Tippen Sie auf ein Icon, um es in AdVersary zu überführen.

Die ausgewählten Apps überführt AdVersary dann in eine isolierte Umgebung, um die Werbung zu blockieren. Diese Überführung dauert jeweils nur wenige Sekunden. Dabei bleiben die Programme in der ursprünglichen Android-Umgebung erhalten. Die Werbung wird nur blockiert, wenn man die App aus AdVersary heraus startet. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Doppelinstallation. Die App greift noch auf die gleiche Installationsdatei zurück, wird aber in einer „neuen“ Umgebung ausgeführt.

Verknüpfungen erstellen

Damit der Nutzer nicht immer den Umweg über den Werbeblocker nehmen muss, kann er eine zusätzliche Verknüpfung für die werbefreie Version der App auf dem Startbildschirm anlegen. Dazu muss man das entsprechende Programm-Symbol auf dem AdVersary-Startbildschirm antippen und dann an den oberen, linken Bildschirmrand führen.

Öffnen Sie AdVersary, und tippen Sie lang auf das Icon der gewünschten App. Ziehen Sie das Icon nun zum oberen linken Bildschirmrand.

Darauf erscheint ein neues Symbol in der Android-Programmliste. Dieses Icon zeigt ein zusätzlich kleines Schild in der rechten unteren Ecke.

Original-Icon und Icon für AdVersary-Umgebung.

Einstellungsdaten neu verknüpfen

Nachteil von AdVersary: Die Apps in der isolierten Umgebung können nicht mehr auf ihre normalen Einstellungsdateien zugreifen. Wer also ein Spiel mit AdVersary startet, kann nicht direkt auf den alten Spielstand zugreifen.

Zu diesem Zweck hat AdVersary eine Import-Funktion integriert, mit der man versuchen kann, die bisherigen Programmeinstellungen in die isolierte Umgebung zu überführen. Hierzu muss man das betreffende App-Symbol in der AdVersary-Umgebung zum oberen rechten Bildschirmrand führen, wo die Schaltfläche „App-Info“ zu sehen ist.

Öffnen Sie AdVersary, und tippen Sie lang auf das Icon der gewünschten App. Ziehen Sie das Icon nun zum oberen rechten Bildschirmrand

Es öffnet sich ein Menü, in dem es einen Punkt „Daten importieren“ gibt.

Tippen Sie auf Daten importieren.

Nun wird ein Dateimanager geöffnet, mit dem man die Einstellungsdatei suchen muss. Sie befindet sich in der Regel im internen Speicher, unter „Android → Data“.

Navigieren Sie zu dem Verzeichnis mit dem Namen des gewünschten Programms und suchen Sie dort die entsprechende Konfigurationsdatei.

Allerdings kann es passieren, dass der Import nicht erfolgreich ist. Viele Apps unterbinden den Import von Einstellungsdateien, vor allem Spieleentwickler, um es Schummlern nicht zu einfach zu machen.

Leistungsstark, aber nicht ganz stabil

In unserem Probelauf funktionierte AdVersary mit den meisten Apps – allerdings nicht immer ohne Probleme. So verweigerten unsere Test-Apps den Import der Einstellungdateien. Zudem stürzte AdVersary mehrfach ab. Wenn die Programme aber einmal in der geschützten Datenumgebung liefen, war kein Geschwindigkeitsverlust spürbar.

Wer werbefreie Apps bevorzugt, kann allerdings in vielen Fällen auf kostenpflichtige Versionen zugreifen, die keine Nutzerdaten an Werbenetzwerke weiterleiten.

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