Kommentar

Sieben Jahre Updates: Samsung und Google machen großen Sprung beim Support

Ein Artikel von , veröffentlicht am 23.01.2024, bearbeitet am24.01.2024
Foto: State Library of Queensland

Jetzt geht es also doch: Die neuen Spitzengeräte von Google und Samsung sollen Updates auf die nächsten sieben Android-Versionen bekommen. Warum da gerade etwas sehr Gutes für grüne Digitalisierung im Gange ist.

Da gibt es mal richtig gute News für Kundschaft und Umwelt zu verkünden und sie gehen beinahe unter: "Damit Nutzer*innen die optimierte Leistung ihrer Galaxy-Geräte noch länger nutzen können, bietet die S24-Serie sieben Generationen Betriebssystem-Upgrades" heißt es erst gegen Ende einer Pressemitteilung von Samsung. Vorher werden wortreich die KI-Assistenzfunktionen des Handys beschrieben.

Dabei ist das eine Nachricht, auf die wir lange gewartet haben. Jedes Jahr erscheint eine neue Android-Version - die Geräte werden also mindestens über sieben Jahre mit Sicherheitsupdates versorgt und ihr könnt sie entsprechend lange nutzen.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Denn bereits Google hatte für das neue Pixel 8 kürzlich Updates auf sieben neue Android-Versionen angekündigt, wie etwa der Standard berichtete. Auch das besonders auf Ökologie optimierte Fairphone 5 ist ein Update-Champion. Hier gibt es fünf neue Android-Versionen und Sicherheits-Updates für insgesamt acht Jahre.

Was sind Systemupdates und Sicherheitsupdates?

Bei Systemupdates geht es um eine ganz neue Version des Systems Android. Die kommt einmal pro Jahr.

Sicherheitsupdates (Patches) kommen etwa einmal im Monat. Hier wird ein System nicht durch das neue ersetzt, sondern es werden Sicherheitsprobleme behoben, die in der Zwischenzeit bekannt wurden.

Warum diese Verbesserung so wichtig ist

Man kann an dieser Stelle fast nicht genug betonen, wie viel dieser Schritt ausmacht. Android ist das Betriebssystem, das auf Handys von Samsung und vielen anderen Herstellern läuft. Mit jeder neuen Version kommen neue Funktionen hinzu und Sicherheitsprobleme werden behoben. Letzteres ist der Knackpunkt.

Denn viele Android-Geräte bekommen nur für zwei oder drei Jahre nachdem sie erschienen sind Updates. Es gibt sogar Fälle von Geräten, die noch im Handel zu finden sind, aber schon keine Updates mehr bekommen.

Deshalb ist es schon mal ein großer Fortschritt, dass die EU ab Ende 2024 vorschreibt, dass Hersteller alle neuen Handys fünf Jahre lang mit Sicherheitsupdates versorgen müssen. Und zwar ab dem Zeitpunkt der letzten Lieferung an den Handel.

Während man Apple für viele Entscheidungen beim Design ihrer iPhones kritisieren kann, verdient das Unternehmen ein Lob in Sachen Updateversorgung. Denn was wir jetzt bei Samsung und Google feiern, übertrifft Apple noch. Acht oder neun Jahre Updates sind bei iPhones schon lange normal.

Was haben Updates mit Klimaschutz zu tun?

Nun fragt ihr euch vielleicht, warum das so großartig sein soll, wenn Handys auch ohne Updates noch funktionieren.

Hier kommt das Klima ins Spiel. Denn eine längere Nutzung ist mit Abstand das wichtigste, wenn es darum geht, die Klimawirkung von Handys zu minimieren. Hersteller heben zwar gerne hervor, dass sie etwa recyceltes Gold in ihren Handys verwenden. Das ändert aber gar nichts daran, dass es immer das klimafreundlichste ist, die Handys lange zu nutzen. Man kann damit zwar nicht ungeschehen machen, dass Emissionen entstehen. Aber man kann diese Emissionen auf einen längeren Zeitraum verteilen. Mehr Details und Daten haben wir hier zu dem Thema.

Vor diesem Hintergrund grenzt es schon an Verantwortungslosigkeit, wenn Hersteller ihre Geräte nur zwei oder drei Jahre lang mit Aktualisierungen versorgen. Natürlich kann man ein Handy auch ohne Aktualisierungen verwenden - es geht aber mit einem gewissen Risiko einher. Dieses Risiko lässt sich zwar durch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen minimieren. Aber darauf sollten die Hersteller nicht abstellen. Das wäre ein bisschen so, als würde ein Autohersteller sagen: "Irgendwann gehen die Bremsen bei diesem Auto nicht mehr richtig, dann muss man halt vorsichtiger fahren".

Auch ohne Updates kannst du ein Handy weiter nutzen. Worauf du achten solltest und wie du das Risiko minimierst, erklären wir im Beitrag Wie man veraltete Handys besser schützt.

Warum Samsung und Google vorangehen

Ruft euch noch mal in Erinnerung, dass Apple bereits lange Updates liefert und nun Google und Samsung aufschließen. Bei Apple kommt alles aus einer Hand, deshalb lassen sich solche Schritte leichter durchsetzen. Bei Google ist es so ähnlich. Die Pixel-Geräte bekommen das von Google entwickelte Android zuerst. Samsung hingegen muss eigene Entwickler*innen beschäftigen, um das System auf seine eigenen Geräte zu bekommen und aktuell zu halten.

Dass auch viele kleinere Hersteller von Android-Handys nachziehen, ist nicht zu erwarten. Sie haben viel weniger Geld und Leute, die sich um dieses Thema kümmern können. Samsung verkauft ähnlich viele Handys wie Apple und kann sich deshalb auch leisten, die Software aktuell zu halten. Dass es erst jetzt funktioniert, ist allerdings ziemlich peinlich.

Wieso kommt das jetzt?

Samsung hat sich zu den Gründen nicht geäußert. Aber wir gehen davon aus, dass folgende Punkte zu dem Sinneswandel geführt haben:

  • Den Menschen wird es wichtiger, dass ihre Technik nicht so massive Umweltschäden anrichtet.
  • Smartphones werden teurer, das mittelpreisige Segment schrumpft tendenziell. Deshalb erwarten die Kund*innen aber auch längere Nutzungszeiträume. Zurecht!
  • Die Ankündigung von Google hat Samsung unter Druck gesetzt, dasselbe zu bieten.

 

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Jonas Bickelmann

Leitet die Redaktion von mobilsicher. Er studierte Philosophie, machte ein Volontariat bei einer Berliner Tageszeitung und schreibt nicht nur gerne über grünere Smartphones, sondern als freier Autor auch über Reisen und Kultur.

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