Messenger-App Telegram kurz vorgestellt

Telegram

Der russische Messenger Telegram wird gerne als WhatsApp-Alternative Nummer eins gehandelt. Doch Vorsicht: Chats sind standardmäßig nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Um ihn sicher nutzen zu können, sollten Sie sich zunächst in Ruhe mit dem Messenger vertraut machen.

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Ende-zu-Ende-Verschlüsselung · Messenger · Telegram
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Auf einen Blick

Das ist Telegram

Anbieter der Messenger-App Telegram sind die beiden russischen Brüder Nikolai und Pavel Durov. Pavel ist auch der Gründer des in Russland sehr erfolgreichen sozialen Netzwerks VKontakte (vk.com). Nach mehreren Ortswechseln befindet sich der Firmensitz laut Internetseite in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate.

Nach eigenen Angaben hatte die App im März 2018 mehr als 200 Millionen Nutzer. Im April 2018 wurde Telegram in Russland verboten.

Momentan finanziert Pavel Durov die Entwicklung der App aus seinem Vermögen. Das Geld reicht nach eigenen Angaben erst einmal aus, um den Messenger kostenlos anzubieten. Auf lange Sicht denke man über kostenpflichtige Zusatzfunktionen nach. Werbung und einen Verkauf von Daten schließen die Anbieter aus.

Für die Nutzung von Telegram ist ein Google- oder Apple-Konto nicht erforderlich. Die Registrierung erfolgt über die Telefonnummer des Nutzers.


Der Standard ist Verschlüsselung light

Die App verschlüsselt die Chats standardmäßig nur Nutzer-zu-Server und speichert sie in der hauseigenen Cloud. Der Vorteil: Sie können von verschiedenen Geräten auf alle Ihre Chats zugreifen, ohne ein Backup anlegen zu müssen. Der Nachteil: Telegram selbst könnte theoretisch Ihre Nachrichten lesen und an Behörden weitergeben.

Um das Mitlesen durch Dritte komplett auszuschließen, können Sie „geheime Chats“ anlegen. Navigieren Sie dafür zu Menü > Neuer geheimer Chat > Kontakt auswählen. Dann wird auf eine Speicherung in der Cloud verzichtet und die Unterhaltung wird Ende-zu-Ende verschlüsselt. Anrufe, die man aus der App heraus tätigt, sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Gruppenchats lassen sich jedoch nicht Ende-zu-Ende verschlüsseln.

Als Zusatzfunktion innerhalb verschlüsselter Chats kann man auswählen, dass Nachrichten sich nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören. Außerdem ist es möglich, Chats mit einer PIN zu schützen.

Das Adressbuch bei Telegram

Es ist möglich, das eigene Adressbuch für Telegram freizugeben. Ihre Kontakte werden dann auf Telegrams Servern gespeichert. Zumindest auf Android lässt sich Telegram jedoch auch ohne Zugriff auf die Kontakte des Telefons nutzen.

Auf Android-Geräten bittet die App Sie am Anfang um den Zugriff auf die Kontakte. Statt auf „Weiter“ klicken Sie dann einfach auf „Jetzt nicht“. Lästig: Die App startet diese Abfrage jedes Mal, wenn Sie einen neuen Kontakt hinzufügen wollen.

Anders sieht es bei iOS aus. Im Test von Mobilsicher auf einem iPhone war es zwar möglich, ohne genehmigten Kontaktezugriff Nachrichten von einem anderen Telegram-Nutzer zu empfangen und weiter zu kommunizieren. Es war aber nicht möglich, selbst eine Nummer hinzuzufügen und eine Kommunikation zu initiieren.

Wenig Infos zum Umgang mit Metadaten

Telegram speichert laut Datenschutzerklärung die IP-Adresse, Informationen über den verwendeten Gerätetyp, die App-Version und den Nutzernamen (auch Änderungshistorie) für maximal zwölf Monate. Dies diene dazu, Spam einzuschränken.

Wie Telegram mit den Informationen verfährt, wer wann mit wem kommuniziert, ist nicht bekannt.

Telegram gibt an, bislang keine Nutzerdaten an Behörden weitergegeben zu haben, da seine Server in vielen Ländern verteilt sind und daher richterliche Beschlüsse mehrerer Länder vorliegen müssten.

Variante der App in F-Droid

Telegram hat die Software seiner App über ein Open-Source-Modell veröffentlicht. Das heißt, dass externe Entwickler die Software einsehen, überprüfen und für eigene Programme verwenden können. Deshalb kann Telegram auch über den alternativen App-Store F-Droid bezogen werden.

Die Entwickler von F-Droid haben die App leicht variiert und verschiedene Nicht-Open-Source-Bausteine entfernt, beispielsweise den Standortdienst von Google Play Services und die Push-Benachrichtigungen durch den Dienst „Google Cloud Messaging“. Das ist vor allem für Nutzer von alternativen Android-Betriebssystemen nützlich, denen es darum geht, möglichst alle Datenflüsse an Google zu kappen.

Eine von Telegram selbst angebotene Alternativ-App ist Telegram X. Laut Eigenwerbung ist sie schneller als das klassische Telegram, bietet buntere Animationen und verschiedene experimentelle Funktionen. Die nur auf englisch verfügbare App dient dem Telegram-Unternehmen auch als Testballon für neue Funktionen, die man dann später möglicherweise in die „normale“ Telegram-App übernimmt.

Vor- und Nachteile von Telegram

Positiv:

  • Standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Audio-Telefonie
  • Desktop-Version
  • Offener Quellcode (nur App, nicht Serverinfrastruktur)
  • Bei Android: Ohne Google-Konto nutzbar
  • Android-Version auch ohne Zugriff auf Adressbuch nutzbar
  • Auto-Zerstörungs-Timer für Nachrichten
  • Kostenlos

Negativ

  • Keine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Chats
  • Gruppenchats lassen sich nie Ende-zu-Ende-verschlüsseln
  • Wenig Angaben zur Speicherung von Metadaten
  • iOS-Version funktioniert nur mit Zugriff auf das Adressbuch
  • Nutzung nur mit Telefonnummer möglich
  • Backup von Ende-zu-Ende-verschlüsselten Chats nicht möglich


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