Welche Apps und Dienste helfen im Katastrophenfall?

Gewitterfront

Amoklauf in München, Sturmflut an der Nordseeküste, Gewitter in NRW oder Erdbeben in Nepal – in vielen Katastrophenfällen kommen mittlerweile Apps zum Einsatz. Doch es gibt keine, die alles kann.

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Attentat · Erdbeben · Katastrophe · Katwarn · Nina · Unglück · Warnwetter
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Das Smartphone als ständiger Begleiter kann in Katastrophensituationen schnell weiterhelfen: Welche Straßen sind wie lang gesperrt, wann wird das Gewitter vorüberziehen und wie kann ich meine Freunde benachrichtigen, dass ich mich in Sicherheit befinde? Wir stellen die wichtigsten Apps für solche Ausnahmezustände vor. Allerdings: Wenn die nötige Infrastruktur (Mobiles Internet, Mobilfunk- oder Stromnetz) zusammenbricht, dann funktionieren auch die Apps nicht mehr. Sie sind jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu den Warnsystemen der Behörden.

Warnwetter

Ob’s am Klimawandel liegt, oder nicht: In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Überflutungen durch Gewitter und Starkregen in Deutschland. Solche und andere Wetterereignisse sind zwar nicht immer einfach vorherzusagen, jedoch setzen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes in diesen Fällen Warnmeldungen ab. Die kann man dann nicht nur im Radio hören, sondern auch über die App „Warnwetter“ beziehen. Diese ist für iOS, Android und Blackberry verfügbar. Je nach Warnstufe informiert die App dann per Pushmitteilung über ein nahendes Ereignis – und zwar für den aktuellen Standort und weitere festgelegte Orte. Das können klassische Gefahren wie Sturmböen, Gewitter, Schnee, Glätte oder Starkregen sein, aber auch bei starker Hitze und ungewöhnlich hoher UV-Einstrahlung warnt die App.

Links: Die App warnt vor Unwettern – aber auch vor Hitze. Rechts: Die dunkelblauen Flecken auf dem Radarbild verheißen nichts Gutes: In dem Gebiet im Nordosten von Hamburg entwickelte sich am 7. Juni sogar ein Tornado.
Links: Die App warnt vor Unwettern – aber auch vor Hitze. Rechts: Die dunkelblauen Flecken auf dem Radarbild verheißen nichts Gutes: In dem Gebiet im Nordosten von Hamburg entwickelte sich am 7. Juni sogar ein Tornado.

Zusätzlich liefert die App klassische Wettervorhersagen und aktuelle Radarbilder. Wer also wissen will, in welcher Geschwindigkeit das Gewitter sich nähert, kann sich den Vorhersagefilm ansehen.

KATWARN

Nachdem im Hamburger Hafen ein Containershiff in Brand geriet, wurden Betroffene in dem Gebiet gewarnt.
Nachdem im Hamburger Hafen ein Containerschiff in Brand geriet, warnet KATWARN Betroffene in dem Gebiet.

Das System KATWARN wurde von Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) entwickelt und ist seit 2011 in Betrieb. Über Katwarn können Behörden und private Institutionen Warnmeldungen verschicken, zum Beispiel bei Bränden mit giftiger Rauchentwicklung, Überflutungen oder Wetterereignissen. Ganz praktisch: Die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes werden auch bei KATWARN mit angezeigt.

Mehr als 60 Kommunen nutzen KATWARN, um die Bewohner und Besucher in ihrem Gebiet vor Gefahren zu warnen. Das bedeutet jedoch auch: Längst nicht alle Städte und Gemeinden oder Landkreise sind dabei, und längst nicht alle Bundesländer machen bei dem System mit. Bisher sind es nur Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz.

Zusätzlich können Veranstalter KATWARN nutzen, um Warnungen und Informationen für ihre Veranstaltungen zu versenden. So kam das System beispielsweise beim Oktoberfest und bei „Rock am Ring“ zum Einsatz, wo vor Zeiten mit besonders hohem Besucherandrang und Einschränkungen im öffentlichen Personennahverkehr gewarnt wurde. Laut Angaben der Betreiber haben deutschlandweit hatten 500.000 Nutzer die Smartphone-App heruntergeladen.

Nach der Installation der App können Nutzer den sogenannten “Schutzengel-Modus” aktivieren. Der sorgt dafür, dass man über alle Gefahren am aktuellen Aufenthaltsort informiert wird. Bedingung: Das Handy muss den Standort ermitteln dürfen und die App muss ständig als Hintergrunddienst laufen und auf die mobile Datenverbindung zugreifen können

NINA

Die App Nina wird vom Bund angeboten. Sie überträgt alle Warnungen, bei denen der Bund eine Informationspflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern hat. Die Meldungen werden von den zuständigen Stellen des Katastrophenschutzes oder vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) herausgegeben. Technischer Ausgangspunkt für NINA ist das modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS). Dieses wird vom BBK für bundesweite Warnungen des Zivilschutzes betrieben.

NINA enthält neben den Warnungen des Katastrophenschutzes ebenfalls die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes sowie Hochwasserinformationen der länderübergreifenden Portale. Ähnlich wie bei KATWARN können Standorte für Warnungen festgelegt werden und der jeweils aktuelle Standort verwendet werden. NINA kann generell ohne Standortfreigabe verwendet werden, allerdings ist die Freigabe des Standortes (über GPS und WLan) ratsam, denn nur dann können Push-Benachrichtigungen für die aktuelle Position empfangen werden.

Kommt es zu Gefahrensituationen, warnt NINA und gibt auch Notfalltipps, wie sich Nutzer verhalten sollen.

Die NINA-App gibt es kostenfrei für Android und iOS.

Twitter

Twitter ist ein wichtiges Instrument für die Polizeibehörden geworden. Bei der Terrorwarnung am Silvesterabend 2015 und dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum hat die Polizei München zeitnah über ihren Twitter-Kanal über die Gefahrensituation informiert.

Auch in anderen Städten und Landkreisen sind Polizei, Feuerwehr und andere Behörden auf Twitter aktiv. Die Feuerwehr Hamburg beispielsweise warnt bei Groß-Bränden und gibt vor Bombenentschärfungen das Sperrgebiet bekannt.

Facebook

Die Facebook-App verschickt keine Warnmeldungen, bietet aber mit der Funktion „Safety Check“ die Möglichkeit, seine Freunde zu informieren, wenn man sich selbst in einem Katastrophengebiet befindet. Bei Katastrophen erkennt die App (es geht nur mit der App, nicht mit der mobilen Facebook-Webseite) an den Standortdaten des Handys, ob man sich in dem betroffenen Gebiet aufhält. Falls ja, können Facebook-Nutzer sich selbst als „sicher“ markieren, damit Freunde und Verwandte sehen, dass sie außer Gefahr sind. Zunächst wurde die Funktion nur bei großen Naturkatastrophen, wie beispielsweise dem Erdbeben in Nepal 2015, aktiviert. Mittlerweile kommt das System auch bei schweren Unwettern (zum Beispiel Taifunen über dem Pazifik), Bombenanschlägen (Thailand und Pakistan 2016) und anderen Attentaten (Nizza 2016) zum Einsatz.

Facebook entwickelt die noch sehr neue „Safety Check“-Funktion weiter. In Zukunft sollen Algorithmen erkennen, ob viele Menschen an einem Ort über ein Thema auf Facebook posten. Und wenn es sich um eine Krisensituation handelt, soll der „Safety Check“ automatisch ausgelöst werden. Das war auch nach dem Attentat in Nizza der Fall, zuvor in Orlando und bei einem Anschlag in Bagdad.

Nachrichten-Apps

Nicht zuletzt versenden auch die regionalen und über-regionalen Nachrichtenportale im Ernstfall Push-Nachrichten an die Nutzer ihrer Apps. Allerdings informieren die großen Portale wie Spiegel Online, Tagesschau.de oder SZ selten über lokale Ereignisse wie einen Großbrand.

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