Hintergrund

Windows 10 – das unbekannte Wesen

Spiegelung im Fenster

Das Betriebssystem für Mobilgeräte von Microsoft hat im Wesentlichen die gleichen Funktionen wie die bekannteren Systeme Android und iOS. Es gibt jedoch auch einige Besonderheiten – gute wie schlechte. Die wichtigsten stellen wir Ihnen hier vor.

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App-Stores · Betriebssystem · Bildschirmsperre · Datenschutz · Malware · Windows
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[Update 23.05.2016: Fehlerhafte Information zum Datei-Manager entfernt]

Windows 10 mobile wurde 2015 von Microsoft eingeführt. Bei Smartphones und Tablets ist Windows das dritthäufigste Betriebssystem in Deutschland. Allerdings mit bedeutendem Abstand zur Nummer 2, iOS.

Das Betriebssystem bringt viele Funktionen mit, die man von Android und iOS kennt. Eine eingebaute Backup-Lösung per Cloud ist ebenso vorhanden wie ein App-Store, dessen Apps man nach dem Kauf auf mehreren Windows-Geräten nutzen kann. Dateien und Kontakte können zwischen Geräten synchronisiert werden.

Der bemerkenswerteste Unterschied zu Android und iOS ist die Ähnlichkeit zum Windows 10-Betriebssystem für Desktop-Computer. Die Benutzerobefläche ist seit Windwos 8 so gestaltet, dass sie sich sowohl für Tastatur und Maus, als auch für die Benutzung durch Berühren eignet. Microsoft nennt diese Benutzeroberfläche deshalb „Modern UI“. (UI steht für User Interface).

Bisher war das vor allem für Tablet-PCs praktisch, bei denen man die Tastatur abnehmen kann. Ab Windows 10 funktioniert die Kopplung von Tastatur und Maus auch bei klassischen Tablets und Smartphones. So soll die Grenze zwischen Mobilgeräten und PCs aufgehoben werden. Diese Philosophie nennt Microsoft „Continuum“.

Nicht nutzbar ohne Windows-Konto

Wie bei Android und iOS gibt es auch bei Windows eine Nutzeridentität, die über Gerätegrenzen wirksam ist – das Microsoft-Konto. Über dieses Konto werden alle serverbasierten Dienste von Microsoft koordiniert – zum Beispiel Einkäufe im Store, das Backup und die Synchronisation über den Clouddienst „OneDrive“, sowie die Option „Microsoft Family“ zum Schutz und zur Überwachung von Kindern.

Ein Smartphone oder Tablet von Windows ohne Microsoft-Konto zu verwenden, ist praktisch nicht möglich. Über das Konto sind Nutzer bei der Verwendung von Microsoft-Diensten identifizierbar und verfolgbar.

Windows 10 mobile legt großen Wert auf Barrierefreiheit. Eingabehilfen und Bildschirmlupe, Sprachausgabe und visuelle Alternativen für Tonsignale sind standardmäßig an Bord. Damit wendet sich Windows 10 mobile insbesondere an die wachsende Zielgruppe der Senioren.

Datenschutz konfigurieren

Wer im Microsoft-Universum bleibt, beispielsweise den mitgelieferten Browser „Edge“ und das Sprach-Assistenzprogramm „Cortana“ verwendet, wird für Microsoft zum gläsernen Nutzer. Dieser Umstand ist bei Windows 10 nicht anders, als im Android- oder iOS-Universum.

Nutzer können sich vor allzu viel Neugier schützen, indem sie bei der Inbetriebnahme, vor dem ersten Einlegen der SIM-Karte, die Datenschutzeinstellungen auf ihre Bedürfnisse anpassen.

Im Auslieferungszustand sind diese bei Windows 10 minimal. Die Einstellungen können sehr detailliert vorgenommen werden. Der Nachteil: die Sache wird schnell unübersichtlich.

Softwaresicherheit und Updates

Windows 10 mobile bietet ähnliche Schutzmechanismen wie Android und iOS. Die Fernlöschfunktion, in Verbindung mit regelmäßigen Backups, schützt die Daten im schlimmsten Fall vor Verlust, Diebstahl und Hardwaredefekten. Ein Sperr-PIN hilft, Angreifer abzuwehren, die nur kurz physischen Zugang zum Gerät haben. Auch eine Geräteverschlüsselung ist vorinstalliert.

Alle Apps laufen jeweils in einer abgeschirmten Umgebung, einer sogenannten Sandbox (Deutsch: Sandkasten). Dadurch können sich Schadprogramme nicht ohne weiteres auf dem System ausbreiten, wie es beim PC der Fall ist.

Regelmäßige Software-Updates sind allgemein eine der wichtigsten Maßnahmen für Betriebssystem- und Software-Sicherheit. Windows 10 geht hier auf Nummer sicher – und lässt dem Nutzer keine Wahl: Updates werden standardmäßig automatisch installiert.

Wie bei Android gibt es bei Windows 10 die Möglichkeit, Software aus anderen Quellen als dem offiziellen Store zu beziehen (sogenanntes Sideloading). Diese Option kann man in den Einstellungen aktivieren. Das ist eine mögliche Gefahrenquelle, denn so kann Schadsoftware ohne Zutun des Nutzers installiert werden. Es ist daher empfehlenswert, die Option nach Gebrauch stets zu deaktivieren.

Neu: gemeinsamer Store für Desktop und Mobilgerät

Für Geräte mit Windows 10 – egal ob PC oder Mobilgerät – gibt es einen einheitlichen App-Store, den Windows Store. Die dort angebotenen Apps für Mobilgeräte gelten bisher als sicher. Sie werden nach Angabe von Microsoft automatisch und manuell auf Schadprogramme überprüft.

Nicht zu verwechseln ist der Windows Store mit dem Windows Phone Store, der für Mobilgeräte bis einschließlich Windows 8 relevant ist. Dieser war in die Kritik geraten, da es dort häufiger Probleme mit gefälschten Apps und Adware gab. Wie der neue Store sich bewähren wird, muss die Zeit zeigen.

 

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