Hintergrund

Snapchat: Beständiger als man denkt

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Snapchat ist gerade bei Jugendlichen sehr beliebt. Die App verspricht, dass alle Nachrichten nach kurzer Zeit gelöscht werden. Kann Snapchat dieses Versprechen halten? Und welche Sicherheitsprobleme hat die App?

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Messenger · Ortungsdienste · Snapchat · Video
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Auf einen Blick

Was ist Snapchat?

Snapchat ist eine Video- und Messenger-App, mit der Nutzern sich Nachrichten in Form von Bildern und kurzen Video-Clips zuschicken können. Die Hauptnutzergruppe ist zwischen 16 und 24 Jahren alt. Laut Nutzungsbedingungen muss man mindestens 13 Jahre alt sein, um Snapchat zu benutzen.

Snapchat hat nach eigenen Angaben 150 Millionen Nutzer täglich, die 10 Milliarden Videos täglich anschauen (Stand April 2016). Zum Vergleich: Facebook hatte im November 2015 8 Milliarden Video-Ansichten am Tag. Das ist deshalb bemerkenswert, weil die Firma Snapchat Inc. erst im September 2011 gegründet wurde und ein rasantes Wachstum vorlegte. 2016 änderte das Unternehmen aus Kalifornien seinen Namen in Snap Inc.

Außerdem arbeitet Snapchat mit etablierten Marken und Medienanbietern zusammen: So gibt es Kanäle von Fernsehsendern wie MTV, Online-Magazinen wie Buzzfeed und Vice, aber auch Live-Berichterstattung von Sportereignissen und öffentlichen Veranstaltungen. Sie werden den Nutzern in der App angezeigt und können als Kanal abonniert werden.

Vergängliche Nachrichten

Das Besondere an Snapchat ist, dass die Nachrichten nach kurzer Zeit vom Gerät des Empfängers verschwinden. Wie lange sie zu sehen sind, hängt davon ab, welche Art Nachricht man verschickt: Private Nachrichten von Nutzer zu Nutzer können zwei Mal angeschaut werden, dann verschwinden sie. Dabei kann die Nutzerin einstellen, wie lange ein Bild auf dem Bildschirm zu sehen ist.
Daneben gibt es sogenannte Geschichten, die 24 Stunden lang im eigenen Kanal sichtbar sind und innerhalb dieser Zeit so oft angeschaut werden können, wie man möchte. Die Geschichten bestehen aus Videos, Bildern und Animationen, die untertitelt und bearbeitet werden können. Die Nutzerin kann festlegen, wer die Geschichten sehen kann: Von der ganzen Welt bis zu bestimmten Freunden ist alles möglich.

Wirklich flüchtig oder nicht?

Bekannt wurde Snapchat mit dem Konzept, dass die verschickten Nachrichten nach dem Anschauen verschwinden. Deshalb wurde Snapchat anfangs oft als „Sexting-App“ bezeichnet, mit der sich (nicht nur) Jugendliche sexuell explizite Inhalte schicken – angeblich. Tatsächlich zeigen Befragungeni, dass nur knapp zwei Prozent der Snapchat-Nachrichten sexuell explizit sind.

Nutzer sollten sich allerdings nicht darauf verlassen, dass Snapchat-Nachrichten tatsächlich verschwunden bleiben. Denn wenn die Nachrichten „verschwinden“, werden sie nicht gleich vom Gerät gelöscht. Je nach Betriebssystem wird zunächst nur der Dateiname so verändert, dass der Foto-Manager einen Snap nicht mehr als Foto erkennt. Mit etwas technischem Hintergrundwissen und zusätzlichen Apps lassen sich die Snaps aber wiederherstellen.

Außerdem ist es möglich, Snaps per Screenshot zu speichern. Der ursprüngliche Sender bekommt dann eine Benachrichtigung, dass der Empfänger eine Kopie gemacht hat. Es gibt zahlreiche Drittanbieter, die versprechen, dass man mit ihnen unbemerkt Screenshots von Snaps anfertigen kann. Hier ist Vorsicht geboten: Im Oktober 2014 tauchten gehackte Fotos von Snapchat im Internet auf. Dabei waren nicht die Snapchat-Server gehackt worden, sondern ein Server von einem solchen Drittanbieter.

Die Bilder werden nicht nur auf dem Gerät, sondern auf den Servern von Snapchat in den USA gespeichert. Dort bleiben sie so lange, bis sie von den Nutzern abgerufen werden oder die Anzeigedauer abgelaufen ist. Danach werden sie automatisch gelöscht. Wann genau welche Inhalte gelöscht werden, erklärt Snapchat auf seinen Support-Seiten.

Trotz der Flüchtigkeit gilt also auch bei Snapchat: Bevor man etwas versendet, sollte man sich ganz sicher sein, dass man damit leben kann, wenn dieses Bild – aus welchen Gründen auch immer – doch länger im Umlauf bleibt.

Filter und Gesichtserkennung

Beliebt ist Snapchat vor allem wegen der Spaßfilter, mit denen Nutzer Bilder bearbeiten können. Diese Filter heißen bei Snapchat „Linsen“. Mit ihnen kann man Portraits animieren und zum Beispiel Regenbogen spucken lassen oder eine Hundezunge hinzufügen. Dafür scannt Snapchat das Gesicht und legt dann eine Schablone darüber.

Laut Snapchat handelt es sich dabei um Objekterkennung, nicht Gesichtserkennung. Das heißt: Die Linsen sollen zwar erkennen können, dass es sich um ein Gesicht handelt und wo zum Beispiel die Augen sind. Sie sollen aber kein bestimmtes Gesicht erkennen können, erklären die Snapchat-Hilfeseiten.

Aus einem Patent, das Snapchat 2016 laut dem Magazin Business Insider angemeldet hat, geht aber hervor, dass die Firma auch an Technologien zur Gesichtserkennung arbeitet. Ob und wann diese zum Einsatz kommt, ist unbekannt

Snap Map: Sehen, wo sich Freunde befinden

Im Juni 2017 hat Snapchat die Funktion Snap Map eingeführt. Aktiviert man sie, kann man sehen, wo bestimmte Snaps gepostet werden. Wer die Funktion aktiviert, gelangt zu einem Konfigurationsmenü, in dem man festlegen kann, wer den eigenen Aufenthaltsort auf der Snap Map sieht. So kann man nur ausgewählten Freunden, allen, oder niemandem („Ghost mode“) den eigenen Standort freigeben.

Was viele nicht wissen: Der Aufenthaltsort wird nicht nur dann übertragen, wenn man einen Snap postet, sondern jedesmal, wenn man die App öffnet. Freigeschaltete Kontakte können also immer sehen, wo man sich befindet, wenn die App läuft.

Angeblich löscht Snap Inc. die Standortdaten nach acht Stunden.

Datenschutz und Nutzungsbedingungen

Die Datenschutzhinweise von Snapchat sind recht ausführlich, vor allem aber auch verständlich und auf Deutsch auf der Webseite des Unternehmens zu lesen.

Darin erklärt Snapchat, welche Daten es wofür sammelt und wie es sie weitergibt. Gerade weil die Erklärungen vorbildlich in verständlicher Sprache gehalten sind, ist die Lektüre erschreckend. Die Mitbewerber von Snapchat sind ähnlich datenhungrig, nur sind die Erklärungen so gehalten, dass die meisten Nutzer nicht so weit kommen, sie zu lesen.

Snapchat speichert einerseits alle Daten, die man selber angibt und über den Dienst versendet („Daten, die du uns freiwillig gibst“). Dazu gehören auch Telefonnummer, E-Mail-Adresse und das Geburtsdatum; diese Informationen werden bei der Anmeldung abgefragt.

Bemerkenswert: Wer Inhalte in Live Storys, Lokalen Storys oder anderen Crowdsourcing-Inhalten sendet, gewährt Snap Inc. und deren Geschäftspartnern das Recht, diese Inhalte uneingeschränkt zu nutzen und zu verkaufen, und dabei auch den Namen des Nutzers zu veröffentlichen. Natürlich speichert Snapchat auch Verbindungs- und Metadaten – also wer wann was an wen sendet, welche Snaps man ansieht und so weiter.

Zudem erhebt die App bestimmte Informationen über das Gerät, zum Beispiel, die Art des Geräts und des Betriebssystems. Sie liest auch die Telefonnummer aus und fragt nach Zugriff auf den Standort und die Kontaktdaten. Das kann man verweigern. Bei iOS geht das unter „Einstellungen“ → „Snapchat“, bei Android unter „Einstellungen → Apps → Snapchat → Berechtigungen“. Allerdings muss man dann die Kontakte von Hand eingeben.

Die Daten benutzt Snapchat, um die Services zu verbessern, zur Analyse der Nutzung, aber auch für personalisierte Werbung. Snapchat lässt sich das Recht einräumen, die Daten an Dritte weiterzugeben, etwa an Partnerunternehmen, Diensteanbieter und Händler, an Strafverfolgungsbehörden und ähnliches.

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