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„Es interessiert mich nicht, für ein Unternehmen zu arbeiten“

Tibor Kaputa
Foto: istock

Der slowakische Entwickler Tibor Kaputa bietet Alternativen für viele Standard-Apps auf Android an: Für Kontakte, Kalender, Galerie und mehr. Seine “Simple Mobile Tools” sind privatsphärefreundlich und quelloffen. Inzwischen kann er davon leben, sagt Tibor im mobilsicher-Interview.

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App-Tipps · Bloatware · Fotos · Kalender · Kontakte
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[English version of the interview available here.]

Tibor, was treibt dich an?

Ich möchte als Entwickler an Projekten arbeiten, die nützlich sind und von möglichst vielen Menschen gebraucht werden. Es interessiert mich nicht, für ein Unternehmen zu arbeiten. Zum Beispiel einen E-Shop zu optimieren, um den Umsatz zu steigern. Ich möchte an Apps arbeiten, die von Endbenutzern verwendet werden und direkt mit ihnen kommunizieren – nicht mit Managern.

Sprichst du da aus Erfahrung?

Ich hatte einige Jobs bei verschiedenen Firmen, aber ich mochte sie nie besonders. Ich musste Ideen umsetzen, die ich falsch fand, weil mich ein Manager dazu aufgefordert hat. Das war wirklich schlimm und ich hatte überhaupt keine Motivation für diese Arbeit. Ich möchte lieber im Austausch mit Benutzerinnen und Benutzern entscheiden, woran ich arbeite.

Deine Simple Mobile Tools ersetzen Standard-Apps: Kontakte, Kalender, Kamera und mehr. Warum hast du die Apps entwickelt?

Der Hauptgrund war, dass ich die Apps selbst brauchte. Vorinstallierte Apps sind in der Regel von schlechterer Qualität, ich vermute, sie werden einfach von demotivierten Entwicklern erstellt. Ich habe nach qualitativ besseren Apps für verschiedene Zwecke gesucht.

Ich habe zwar einige gefunden, aber all diese Apps stammten von unterschiedlichen Anbietern. Die Benutzung fühlte sich also bei jeder App anders an, auch sahen sie alle anders aus. Manchmal hatte ich keine Ahnung, wofür ein bestimmter Knopf da ist, bis ich ihn gedrückt hatte. Außerdem enthielten viele Apps Werbung.

Tibor Kaputa entwickelt die Simple Mobile Tools.

Warum störte dich die Werbung?

Werbung verlangsamt in der Regel die Ausführung der App. Wenn eine Anzeige automatisch geschaltet wird, hat die App zudem Zugang zum Internet. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die von absolut keiner Firma getrackt werden wollen – aber bei einigen Apps ergab der Internetzugang einfach keinen Sinn.

Es gibt immer wieder Artikel, in denen beschrieben wird, wie einige Apps auf bestimmte Benutzerdaten wie den Standort zugreifen können – obwohl die Nutzerin oder der Nutzer dies ausdrücklich verweigert hat. Meine Simple Mobile Tools benötigen keinen Internetzugang. Sensible Daten können also niemals an mich, den Anbieter, oder sonst irgendjemanden gesendet werden. Das hat für mich als Entwickler natürlich den Nachteil, dass ich nicht weiß, wie die Nutzerinnen und Nutzer die App verwenden – Analysen unterstützen bei der Verbesserung einer App.

Du hältst deine Apps immer aktuell. Wie sieht deine Arbeit aus?

Sie ist mittlerweile mein Vollzeitjob. Es geht ja nicht nur um die Entwicklung, sondern auch ums Design, Kundenbetreuung, Marketing, Pflege der Listung bei Google Play und vieles mehr. Ich mache alles allein. Zum Glück gibt es nicht viele rechtlichen Fragen, da die Apps offline arbeiten und ich keine Daten sammle.

Als ich vor über drei Jahren mit den Simple Mobile Tools anfing, habe ich noch nebenbei an anderen Projekten gearbeitet. Im November 2018 bin ich auf ein Pro-Modell umgestiegen, seitdem sind einige Apps kostenpflichtig.

Zahlt sich die Arbeit schon aus?

Zum Glück ja – ich muss mir momentan keine Sorgen um die Finanzen machen. Natürlich hätte ich viel mehr Nutzerinnen und Nutzer, wenn die Apps kostenlos blieben – aber ihre Qualität würde darunter leiden. Die Leute scheinen zum Glück zu verstehen, dass Entwickler auch mit Open-Source-Projekten etwas Geld verdienen müssen.

Deine Simple Mobile Tools sind in F-Droid kostenlos, bei Google Play gibt‘s die Pro-Versionen. Sind die Apps in F-Droid trotzdem aktuell?

Im Google Play-Store update ich nur noch die Pro-Versionen meiner Apps. Die alten, kostenlosen Versionen dieser Apps habe ich im November 2018 zuletzt aktualisiert. Wie bei allen Apps ist zu empfehlen, nur die aktuellste Version zu nutzen.

In F-Droid gibt‘s auch die aktuellen Pro-Versionen der Apps kostenlos. Ich biete die Simple Mobile Tools auch dort an, weil der App-Store meine Werte teilt. Wer Apps dort herunterlädt, kann mir spenden. Das klappt oft: Ich erhalte immer wieder E-Mails und Zahlungen, in denen erwähnt wird, dass die Leute die Apps aus F-Droid geladen haben.

Was unterscheidet deine Apps von denen großer Unternehmen?

Die Zielgruppe meiner Simple Mobile Tools sind ganz normale Menschen, keine Geeks oder kleine Nischen-Communities. Sie sind für jede und jeden geeignet. Aber sie tracken nicht.

Vielleicht liegt die Einzigartigkeit auch darin, dass die Apps als Reihe veröffentlicht werden. Die Konsistenz ist entscheidend: Ich versuche, die gleiche Nutzererfahrung zu erzielen, indem ich so viele ähnliche Schaltflächen, Texte und Bildschirme wie möglich verwende.

Was bringt das in der Praxis?

So wissen die Leute beispielsweise, dass sie zum Auswählen von Elementen den Finger nur lange darauf drücken müssen. Sie wissen, wo sie nach nützlichen App-Einstellungen suchen, wo sie Farben anpassen und nach häufig gestellten Fragen suchen können. Sie verstehen, dass nirgendwo Werbung geschaltet wird und dass ich nicht versuche, etwas von ihnen zu stehlen.

Sie können sich darauf verlassen, dass die Apps auch in Zukunft für sie verfügbar sind. Wenn sie aus irgendeinem Grund aus dem Google Play-Store verschwinden, gibt es andere Wege, sie von mir zu bekommen. Das gibt meiner Meinung nach ein enormes Maß an Sicherheit und Freiheit.

Eine Übersicht über alle „Simple Mobile Tools“ und mehr Infos (auf Englisch) gibt es hier: simplemobiletools.com

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