Hintergrund

Google Assistant: Ohne persönliche Daten geht nichts

Googel Assistant: Was steckt dahinter
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Mit Hilfe des Sprachassistenten „Google Assistant“ kann man das Licht ausschalten oder die Heizung regulieren. Auch Details aus E-Mails gibt der Sprach-Dienst auf Wunsch wieder. Dazu verlangt er jedoch weitreichende Zugriffsrechte, die man kaum einschränken kann.


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Der „Google Assistant“ soll den Menschen das Leben leichter machen – und beim Planen stressiger Tage genauso helfen, wie bei der Steuerung des eigenen „Smart Home“. Der Assistent ist zudem das Steuerungszentrum für eines der neuesten Produkte von Google: „Google Home“.

Google Home ist ein Lautsprecher mit Spracherkennung, der ähnlich wie Amazons Sprachassistentin „Alexa“ zum hilfreichen Familienmitglied werden soll, das auf alle Fragen eine Antwort weiß. Wer ihn nutzen will, muss auch Google Assistant nutzen. Doch was genau erfährt der Assistent alles von uns, wenn er uns im Alltag hilft? Wir haben uns die Bedingungen angeschaut.

Die Bedingungen des Assistenten

Zur Nutzung von Google Assistant ist ein Google-Konto zwingend notwendig. Und diesem Google-Konto muss man auch einige Informationen aus dem Smartphone zuführen, sonst verweigert der Assistent den Dienst.

Das zeigt sich, sobald man ihn auf dem Smartphone einrichtet, indem man den Home-Button lange gedrückt hält. Die erste Aufforderung im Konfigurationsmenü ist dann, diverse „Aktivitäten“ einzuschalten. Google Assistant fragt dabei nach:

  • Web- und App-Aktivitäten
  • Geräteinformationen
  • Standortverlauf
  • Sprach- und Audioaktivitäten

Was es damit auf sich hat? Google speichert bestimmte Informationen vom Smartphone im Google-Konto. Zum Beispiel, wonach man gesucht hat, welche YouTube-Videos man gesehen hat, wo man sich aufgehalten hat oder wer im Adressbuch steht. Diese Informationen nennt Google „Aktivitäten“. Sind diese Aktivitäten aktiv, werden sie im Konto gespeichert. Man kann auch einstellen, dass diese Informationen nicht gespeichert werden.

Von den oben genannten Aktivitäten kann man nur den Standortverlauf nachträglich wieder deaktivieren („pausieren“). Sie finden die Einstellung in Ihrem Gerät unter

Einstellungen > Google > Persönliche Daten und Privatsphäre > Aktivitätseinstellungen > Google-Standortverlauf tippen > Schieberegler nach links

Pausiert man die anderen genannten Aktivitäten, funktioniert der Dienst nicht mehr. Nach dem Start einer Anfrage mit „OK Google“ sagt die Sprachausgabe dann: „Bitte gib mir die Berechtigungen, um dir zu helfen.“

Ist der Standortverlauf deaktiviert, legt Google selbst einen ungefähren Standort fest. Selbiges gilt für Google Home, wenn man dem Lautsprecher keine Heimat-Adresse nennt.

Dazu heißt es in der Frage-und-Antwort-Sektion zu Google Home: „Wenn Sie keine Adresse angeben, legt Google Home Ihren ungefähren Standort anhand Ihrer IP-Adresse und anderer Signale fest, um beispielsweise Wecker für die richtige Zeitzone zu stellen oder Ihnen relevante Wetter- und Verkehrsinformationen zur Verfügung zu stellen.“

Google Assistent braucht viele Daten

Doch das ist längst nicht alles. Der Assistent wertet auch alle anderen Informationen aus, die in dem Konto vorhanden sind: Kontakte, die Inhalte von E-Mails im Gmail-Postfach und Suchanfragen aus dem Suchverlauf; außerdem im Konto gespeicherte Bilder und Videos sowie im Play-Store erworbene Filme und Serien.

Wenn der Assistent auf die E-Mails zugreifen kann, können per gesprochener Frage zum Beispiel Details zu einer Flugbuchung abgerufen werden, etwa: „Wann ist der Check-In für meinen Flug morgen nach Frankfurt?“ Das ist einerseits sinnvoll, weil ein Assistent natürlich viel über den Nutzer wissen muss, um hilfreich zu sein.

Eine genauere Einstellung der Datensammlung ist beim Google Assistent allerdings nicht einfach machbar. Also muss man entweder damit leben, dass viele persönliche Daten weitergegeben werden, oder man kann den Dienst nicht nutzen.

Auf Wunsch übernimmt Google Assistant das Zuhause

Damit ist jedoch nur der traditionelle Teil von Googles Diensten abgedeckt. Über den Lautsprecher „Google Home“ können Nutzer nämlich auch Smart-Home-Komponenten steuern, etwa Lichtschalter oder Heizungs-Thermostate. Damit bekommt Google natürlich weitere interessante Informationen, etwa wann Nutzer üblicherweise die Lichter ausschalten oder ab wie viel Uhr die Heizung die Wohnung vorheizt.

Google selbst hat vor einigen Jahren die Firma „Nest“ übernommen, die solche Smart-Home-Komponenten herstellt. Google Home kann aber auch mit Geräten anderer Hersteller aus diesem Bereich kommunizieren.

Eine automatische Löschung von Informationen ist nicht vorgesehen: Im Zusammenhang mit der Nutzung von Google Home erhobene Informationen speichert Google nach eigenen Angaben grundsätzlich so lange, bis der Nutzer sie löscht.

Neu angelegtes Google-Konto als Lösung

Wer nicht all diese Informationen freigeben möchte, dem bleibt nur eins: Kompartimentierung. Das heißt: Abgetrennte Datenräume schaffen. Eine Strategie ist es, ein neues Google-Konto extra für die Nutzung mit dem Assistenten anzulegen. Die übermittelten Daten lassen dann weniger Rückschlüsse auf die eigene Identität zu.

Anschließend könnten Sie ihr bestehendes E-Mail-Konto so konfigurieren, dass nur für die Assistenzfunktion benötigte Mails an das vom Assistenten verwendete Gmail-Konto automatisch weitergeleitet werden – etwa Buchungsbestätigungen von Flügen oder Bahnreisen, damit automatische Erinnerungen oder Abfragen möglich werden.

Das klingt zunächst umständlich, ist aber per Filterregel mit fast jedem Mail-Client ohne Probleme machbar. So könnten dann persönliche E-Mails, Fotos oder andere Dienste vor Google verborgen bleiben. Nachteil: Der Assistent ist dann eben auch ein bisschen weniger smart.

Hört Google Assistant immer mit?

Was vielen Nutzern unheimlich vorkommen dürfte, ist die Aktivierung des Assistenten per Zuruf. Wird „OK Google“ gerufen, wird das Mikrofon scharf geschaltet und wartet auf weitere Eingaben.

Nach Angaben von Google hört das Mikrofon zwar dauerhaft zu, überträgt die Informationen aber erst ins Internet, nachdem es das Stichwort „OK Google“ lokal auf dem Gerät erkannt hat.

Sprich: Eine Konversation landet nach Angaben des Unternehmens erst dann auf Googles Servern, wenn einer der Nutzer „OK Google“ sagt. Nimmt der Assistent eine Konversation auf, leuchten die LEDs an der Oberseite vom „Google Home“-Lautsprecher. Auf Smartphones erscheint eine Anzeige auf dem Display.

Die an den Server gesendeten Audio-Dateien wertet Google wiederum aus, speichert sie aber nicht dauerhaft. Eine Transkription der Anfragen ist beim Google-Dienst „Meine Aktivitäten“ abrufbar.

Welche anderen Personen haben Zugriff?

Nutzer sollten außerdem aufpassen, welche Informationen sie dem Gerät anvertrauen. Denn jede Person, die sich in der Nähe des Home-Lautsprechers befindet, kann die mit dem Gerät verknüpften Informationen erfragen. Das gilt für Kalender und Kontakte genauso wie für die Inhalte von E-Mails und den Suchverlauf.

Ist die „OK-Google“-Erkennung auf dem Smartphone aktiviert, muss das Gerät zur Nutzung des Assistenten erst entsperrt werden – mit dem Fingerabdruck, einem Muster oder einer PIN-Nummer.

Ist Google Assistant immer auf meiner Seite?

Bevor Nutzer sich einen digitalen Assistenten – egal welcher Bauart – in ihr Wohnzimmer stellen oder sich in die Tasche stecken, sollten sie sich neben den behandelten Datenschutzfragen auch eine grundsätzliche Frage stellen: Wird das Gerät immer auf meiner Seite sein? In ersten Gerichtsverhandlungen in den USA haben Staatsanwälte und Richter Beweismaterial angefordert, dass von solchen Geräten eventuell aufgenommen wurde.

Wie das US-Magazin Wired schreibt, wurden Daten aus einem Alexa-Gerät von Amazon bei einer Gerichtsverhandlung in Arkansas angefragt – es geht um einen Mordfall. Amazon fordert für den Zugriff auf die möglicherweise gespeicherten Daten einen hohen juristischen Standard an: Der Staat soll zuvor beweisen, dass er die gesuchten Daten aus keiner anderen Quelle bekommen kann. Falls eine Datenweitergabe zustande kommen sollte, was derzeit noch unklar ist, würde ein Richter das Material zunächst begutachten, um dann zu klären, ob es für die weitere Verhandlung relevant ist und vor Gericht veröffentlicht werden sollte.

Die Nichtregierungsorganisation Privacy International sieht in solchen Geräten daher ein grundsätzliches Risiko – und ist der Ansicht, dass eine breite gesellschaftliche Debatte notwendig sei. Organisationssprecherin Millie Graham Wood sagte auf Anfrage, dass wir derzeit „weder die Kontrolle über die generierten Daten haben noch darüber, mit wem diese geteilt werden“. Noch gravierender sei aber, dass wir nicht wüssten, wie die Informationen gegen uns verwendet werden könnten.

Fazit: Es geht um Grundsatzfragen

Bevor ein Smart-Home-Gerät unter dem Weihnachtsbaum landet, sollten Nutzer sich einige grundsätzliche Fragen stellen – und klären, ob er die Heizung und die Lampe wirklich per Sprachbefehl steuern muss.

Übrigens: Wer auf Nummer sicher gehen will, dass eine Konversation privat bleibt und bei Google Home am Gerät nach einem Ausschalter sucht, wird nicht fündig. Google beschreibt daher auch, wie man das Gerät sicher deaktivieren kann: „Um Google Home vollständig auszuschalten, müssen Sie den Netzadapter aus der Steckdose ziehen.“

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