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Gesundheits-Apps: Ein weites Feld

Gesundheits-Apps

Gesundheits- und Wellness-Apps verzeichnen einen Boom. Doch viele versprechen mehr, als sie halten können. Gesundheitsdaten sind begehrt. Daher stellen manche Apps eher ein Datenschutz-Fiasko dar.

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Fitness-Apps · Gesundheits-Apps · mHealth
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Gesundheits-Apps boomen

Rund zweieinhalb Millionen Apps zum Thema Gesundheit, Wellness und Fitness enthielten die App-Stores von Google und Apple laut einer Erhebung im Jahr 2016.

Das verwundert nicht, denn Gesundheit geht jeden etwas an – sei es, dass ältere Menschen ihre Krankheiten durch Apps besser in den Griff bekommen wollen oder jüngere Menschen ihre Fitness überwachen.

Und auf dem Markt ist fast für jeden etwas dabei. Neben Anwendungen, die zur Diagnose oder Behandlung medizinischer Beschwerden gedacht sind, existieren unüberschaubar viele Fitness-, Ernährungs- und Wellness-Apps.

Selbst Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sprach angesichts der Unübersichtlichkeit von Wildwuchs. „Bei mehr als 100.000 Gesundheits-Apps sind Bürger schlicht überfordert, zwischen guten und schlechten Angeboten zu unterscheiden“, führte er aus.

Häufig dienten sie vorrangig dem Ziel, Konsumentendaten einzusammeln, kritisierte dazu der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). In Deutschland verwende fast jeder zweite Smartphone-Nutzer sogenannte mHealth-Programme, also Gesundheitsanwendungen auf dem Mobilgerät. Das ermittelte der ITBranchenverband Bitkom.

Medizinischer Nutzen fraglich

Am beliebtesten sind laut Bitkom-Erhebung Apps, die Körper- und Fitnessdaten aufzeichnen, zum Beispiel Herzfrequenz, Blutdruck oder die Zahl der Schritte pro Tag.

Besonders genau sind diese Messungen allerdings nicht: In einer Befragung im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) äußerte ein Drittel der Verbraucher Sorgen über womöglich falsche Messwerte.

Eine Untersuchung der TU Braunschweig gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover ergab, „dass bei den gegenwärtig angebotenen Apps in den Kategorien ‚Medizin‘ und ‚Gesundheit und Wellness‘ Produkte mit diagnostischem oder therapeutischem Anspruch bisher eher selten sind“.

Die Info- und Bewertungsplattform Health-On gibt an, dass es nur bei 65 von 640 dokumentierten Apps eine Quellenangabe zur medizinischen Evidenz oder zugrundeliegenden Studien gibt.

Gesundheits-Apps stehen also oftmals medizinisch auf wackeligen Füßen. Wie wackelig, das ist von außen oft schwer einzuschätzen.

Geschäftsmodell unbekannt?

Gerade bei Apps für Fitness und Wellness sollte man sich fragen, was der Geschäftszweck der Anbieter ist. Denn viele dieser Produkte sind kostenlos. Nicht selten dürfte das Geschäftsmodell dann auf der Vermarktung von Nutzerdaten beruhen.

Fest steht, dass es viele Anbieter aus dem Fitness- und Wellnessmarkt mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen. Das zeigte eine Analyse der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. 19 von 24 untersuchten Fitness-Apps sendeten sensible Informationen an Analyse- und Werbedienste als Drittanbieter.

Wie begehrt Gesundheitsdaten sind, zeigt auch ein aktueller Fall aus Großbritannien. Ein staatliches Krankenhaus in London hatte von 1,6 Millionen Patienten personenbezogene Daten an das Google-Unternehmen Deep Mind weitergegeben, darunter auch Daten zu Abtreibungen und HIV-Erkrankungen. Betroffene wurden weder gefragt noch informiert.

Geschäftsmodell Kundenbindung

Viele etablierte Akteure aus dem Gesundheitswesen bieten auch reine Service-Apps an, um für Kunden attraktiver zu sein.

Besonders die Krankenkassen sind hier stark vertreten. Allein die AOK bietet dreißig verschiedene Apps an, vom Einkaufsratgeber bis zum Führerscheintrainer.

Auch andere Akteure des Gesundheitswesens haben Apps für Verbraucher und Patienten entwickeln lassen. So haben manche Krankenhäuser Apps im Programm, die Patienten durch den Verwaltungsdschungel schleusen oder ihnen helfen, die richtige Station zu finden.

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