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Firefox OS: Betriebssystem mit eingebautem Datenschutz

Pusteblume

Firefox OS ist ein Betriebssystem für Smartphones und Tablets. Es ist freie Software und nicht an einen Gerätehersteller gebunden. Von Android und iOS unterscheidet es sich aus Nutzerperspektive vor allem durch den vorbildlichen Umgang mit Datenschutz.

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Datenschutz · Datensparsamkeit · Firefox OS
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Die Entwickler-Community hat den Internet-Browser Firefox zum Betriebssystem weiter entwickelt – unter Federführung der gemeinnützigen Mozilla Foundation. Firefox OS basiert wie Android auf dem Betriebssystem Linux und ist Open Source Software. Es ist kostenlos erhältlich und kann in allen Einzelheiten von jedermann durchgesehen und weiterentwickelt werden.

Bei Mozilla hat Datenschutz seit jeher einen hohen Stellenwert. Auch durch die damit erworbene Reputation ist Firefox als Browser auf dem PC und als App für Mobilgeräte inzwischen weit verbreitet. Diese hohen Ansprüche sollen nun auf das Betriebssystem übertragen werden.

Datenschutz: das wichtigste Feature

Für den Nutzer fühlt sich das Gerät mit Firefox OS zunächst an, wie jedes andere Smartphone oder Tablet auch. Wer jedoch andere Plattformen kennt, bemerkt schnell, dass Nutzer häufiger zu datenschutzrelevanten Vorgängen befragt werden, etwa, ob eine App Zugriff auf den Geräte-Standort haben soll. Und auch, wenn die Nutzerin auf Datenschutz besteht und den Geräte-Standort nicht freigibt, kann sie die restlichen Funktionalitäten der Apps nutzen. Bei Firefox OS ist die Standardeinstellung in allen Fällen diejenige, die die wenigsten Daten nach außen preisgibt.

Wenn der Nutzer die Hoheit über seine Daten hat, heißt das jedoch, dass er sich darum kümmern muss. Einige Apps möchten ja aus gutem Grund Zugriff auf einige Geräte- oder Nutzerdaten haben. Die Kamera-App beispielsweise möchte die GPS-Koordinaten in den Fotos hinterlegen – diese Angabe nutzen dann später einige Foto-Verwaltungsprogramme. Wo man beim Datenschutz Kompromisse machen will, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Dass man diese Entscheidungsfreiheit hat, dafür sorgt das Firefox OS.

Die Freiheit des Nutzers im Vordergrund

Firefox OS ist nicht an einen Gerätehersteller gebunden. In Deutschland bietet jedoch bislang nur Alcatel Smartphones mit voristalliertem Firefox OS an. Dabei befinden sich Geräte mit Firefox OS preislich in etwa in der gleichen Liga wie die preisgünstigsten Geräte mit Android, und müssen sich daran messen lassen. Wer andere Hardware nutzen möchte, kann auf einem Gerät mit Android das Betriebssystem durch Firefox OS ersetzen – eine Variante für sehr fortgeschrittene Anwender, die auch voraussetzt, dass das Telefon gerootet ist.

Während Android bereits viele Google-Produkte mitbringt (zum Beispiel Google Maps, Youtube), lässt Firefox OS dem Nutzer die freie Wahl, welche Apps er nutzen möchte. Android ist sehr eng verzahnt mit Diensten aus dem Google-Ökosystem. Bei Firefox gibt es hingegen keine Beschränkungen von Seiten des Betriebssystems. Der Nutzer wird nicht dazu gedrängt, sich im Mozilla-Ökosystem zu bewegen.

Gleichwohl bietet jedoch auch Firefox OS an, mit Cloud-Diensten und Benutzerkonto zu arbeiten. Die Gefahren für die Privatsphäre des Nutzers sind dann auch potentiell die gleichen, wie bei anderen Betriebssystemen. Am Ende ist es wieder eine Frage des Vertrauens, dass der Anbieter nicht gegen die Interessen des Kunden handelt.

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Vor- und Nachteile: Firefox OS als junges Betriebssystem

Firefox OS hat natürlich noch viel aufzuholen. Es gibt beispielsweise deutlich weniger Apps als für Android und iOS. Die beliebtesten Social-Media-Apps, die man von anderen Betriebssystemen kennt, gibt es allerdings oft auch für Firefox OS (zum Beispiel Youtube, Facebook), für einige gibt es jedoch nur kompatible Alternativen (zum Beispiel zu WhatsApp). Bekannte Spiele-Apps werden für Firefox OS hingegen kaum angeboten. Eine betriebssystem-eigene Mehrbenutzerfunktionalität oder eine Kinderschutzfunktion fehlen auch bisher komplett.

Als Nischen-Betriebssystem hat Firefox OS jedoch auch den Vorteil, dass Kriminelle ihm wenig Beachtung schenken. Durch die noch geringe Verbreitung sind Geräte mit Firefox OS für die Hersteller von Schadsoftware nicht sehr attraktiv.

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