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Daten vom Mobilgerät löschen

Datenautobahn

Smartphones können jede Menge sensibler Daten speichern. Manchmal ist es wünschenswert, diese Daten wieder zu entfernen. Einfach Zurücksetzen oder Löschen reicht dafür nicht, denn dann können die Daten unter Umständen leicht wiederhergestellt werden.

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Daten löschen · Datenschutz · Verschlüsseln · Werkseinstellungen · Zurücksetzen
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Einzelne Dateien im laufenden Betrieb von einem Mobilgerät zu löschen, sodass man diese mit Sicherheit nicht mehr herstellen kann, ist nicht möglich. Denn beim einfachen Löschen einer Datei wird diese lediglich aus dem Inhaltsverzeichnis des Dateisystems gelöscht. Der Speicherplatz ist damit wieder freigegeben, und wird als leer angezeigt.

Die Daten selber bleiben aber zunächst wo sie sind, und können deshalb mit Wiederherstellungsprogrammen gerettet werden. Erst wenn auf diesem freigegebenen Platz neue Informationen gespeichert werden, werden die alten Dateien überschrieben und verschwinden endgültig.

Viele Dateien lassen sich leicht wiederherstellen

Programme, mit denen man auf diese Weise gelöschte Daten wiederherstellen kann, sind frei verfügbar, einige sogar kostenlos. Sie können ohne besondere technische Kenntnisse verwendet werden. Vor allem Bilder, Videos, Musik und andere vom Nutzer gespeicherte Dateien sind dabei leicht wiederherzustellen, ebenso alles, was auf der SD-Karte gespeichert ist.

Es gibt Apps, die versprechen, einzelne Dateien tatsächlich so zu löschen, dass sie nicht wiederherstellbar sind. Auch manche Programme, die vom Computer aus auf den Gerätespeicher zugreifen, bieten diese Funktion an. Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus, und keine dieser bisher im Labor getesteten Apps und Programme hat sich als zuverlässig erwiesen.

Sämtliche Daten von Anfang an zu verschlüsseln, sehen viele Experten als einzige zuverlässige Methode, um zu verhindern, dass sie nach (und vor) dem Löschen von anderen gelesen werden können. Denn dann kann eine gelöschte Datei zwar wiederhergestellt, aber nicht entschlüsselt werden.

Auf Werkseinstellungen zurücksetzen reicht nicht

Wer den gesamten Speicher des Gerätes löschen will, dem wird von Herstellern und Verkäufern in der Regel die Funktion „auf Werkseinstellungen zurücksetzen“ empfohlen. Sie ist bei Android- und iOS-Geräten im Betriebssystem integriert. Allerdings haben Wissenschaftler in mehreren Untersuchungen gezeigt, dass viele Daten auch nach dem Zurücksetzen mit einfachen Methoden wiederherstellbar sind. Auch Programme, die im Verlustfall oder bei Diebstahl die Möglichkeit anbieten, alle Daten per Fernzugriff zu löschen, greifen meist nur auf die integrierte Zurücksetzen-Funktion zurück.

Getestet wurde dies bei Android-Smartphones mit Betriebssystemen 4.3 und älter. Fachleute vermuten, dass die Zurücksetzen-Funktion ab Android 5.0 richtig funktioniert. Aber sicher sagen kann man das noch nicht. Keine Veränderung ist hingegen für die Funktion „Formatieren“ zu erwarten, die einige Hersteller für die SD-Karte anbieten. Dateien sind danach mit herkömmlichen Wiederherstellungsprogrammen meist fast vollständig lesbar.

Verschlüsseln und überschreiben

Wenn man den gesamten internen Speicher eines Mobilgerätes löschen will, ist Verschlüsseln die beste Methode, um das Wiederherstellen der Daten zu verhindern. Bei Apple-Geräten mit iOS 3.0 oder neuer ist diese Funktion fest in der Hardware integriert und als Nutzerin oder Nutzer bekommt man davon nichts mit. Beim Zurücksetzen wird nur der Schlüssel unwiederbringlich gelöscht, die verbleibenden Daten sind damit nicht mehr entschlüsselbar. Die Zurücksetzen-Funktion bei iOS-Geräten gilt daher als sicher.

Auch bei Android-Geräten kann man den gesamten Speicher verschlüsseln; ab Android 3.0 ist die Funktion ins Betriebssystem integriert. Der Schlüssel wird allerdings beim Zurücksetzen nicht gezielt gelöscht. Bei manchen Smartphones mit Android 4.3 und älter ist es Wissenschaftlern gelungen, die Schlüsselinformationen von zurückgesetzten Geräten auszulesen und zu knacken. Allerdings setzt das einen gezielten Angriff und gute technische Kenntnisse voraus.

Bei Android-Geräten kann man zusätzlich den Speicher nach dem Zurücksetzen mit unsensiblen Daten füllen, zum Beispiel mit Zufallsdaten. Dadurch zwingt man das Gerät, als frei deklarierte Speicherorte auch wirklich zu überschreiben und damit die alten Daten zu vernichten. Damit kann man aber nur die SD-Karte und den Bereich des internen Speichers erreichen, der für Nutzer freigegeben ist. Die sogenannte Datenpartition, also den Speicherbereich, auf dem zum Beispiel Kontakte und Google-Kontodaten gespeichert sind, kann man damit nicht überschreiben.

Ganz sicher löschen ist nicht möglich

Um sich gegen normalen Datendiebstahl oder gegen die Neugier von Verwandten und Kollegen zu schützen, reichen die oben beschriebenen Vorgehensweisen aus. Schwieriger wird es, wenn Methoden zum Einsatz kommen, wie sie Wissenschaftlern, gut ausgestatteten Polizeibehörden oder Geheimdiensten zur Verfügung stehen. Denn aus den Speichern, die in Smartphones und Tablets verwendet werden – sogenannten Flash-Speichern –, lassen sich mit solchen Methoden fast immer noch Daten auslesen.

Gegen derartige Mittel sind Daten nur dann geschützt, wenn der komplette Datenträger von Anfang an verschlüsselt wurde und der Schlüssel mit einem  guten Passwort geschützt ist.

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