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Allgegenwärtig: Ortsbasierte Dienste

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Mobile Geräte nutzen vielfältige Techniken, um ihren Standort zu bestimmen. Diese Information brauchen sie, um auf die Örtlichkeiten zugeschnittene Dienstleistungen anzubieten.

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Google Maps · GPS · Karten · Navigation · Ortung · Ortungsdienste
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Vielen Nutzern ist vielleicht nicht bewusst, dass ihr mobiles Gerät – vor allem wenn es mit dem Mobilfunknetz verbunden ist – ständig die Ortsdaten sammelt und auswertet. Aber auch Tablets, die nur per WLAN mit dem Internet verbunden sind, funken meist ihren Standort an diverse Server und Dienste.

Zwischen Bequemlichkeit und Funktionalität

Die Anwendungen sind zahlreicher, als man aus dem Stand denkt. Dazu gehören nicht nur Navigations-Apps und Kartendienste, sondern auch Wetter-Apps, die anzeigen, wie das Wetter am aktuellen Aufenthaltsort ist, oder soziale Netzwerke, die Statusmeldungen mit den Ortsangaben verknüpfen.

Navigations-Apps funktionieren nicht, wenn sie nicht auf Ortungsdienste zugreifen dürfen. Hier wird live zum Beispiel beim Autofahren abgefragt, wo sich das Fahrzeug befindet, und welchen Weg es einschlagen soll. Auch manche Flirt-Apps funktionieren nur mit aktivierter Ortungsfunktion, denn sonst bekommen Nutzer keine interessierten Personen in der Nähe angezeigt.

Bei anderen Apps bieten Ortungsdienste zusätzliche Bequemlichkeit, lassen sich aber auch ohne nutzen. Zum Beispiel braucht ein Kartendienst keinen Zugang zu Ortungsfunktionalitäten, denn die Nutzer können die nachzuschlagende Adresse per Hand eingeben. Genauso ist es bei Wetter-Apps, Restaurant-Apps oder sozialen Netzwerken – es ist unter Umständen bequemer, wenn man nicht extra eingeben muss, wo man sich befindet, aber grundsätzlich kann man auch so das entsprechende Wetter oder die passenden Restaurants angeboten bekommen.

Andere Nutzungsformen sind Fitnessarmbänder, die die tägliche Jogging-Strecke aufzeichnen und den Nutzern erlauben, ihren Trainingsfortschritt zu überwachen. Auch Apps zur Diebstahlsicherung können auf Ortungsdienste zurückgreifen, um ein vermisstes Gerät zum Beispiel zu orten.

Wie stellen mobile Geräte ihren Aufenthaltsort fest?

Mobiltelefone und andere mobile Geräte nutzen verschiedene Techniken, um festzustellen, wo sich ein Gerät – und damit ihr Nutzer – befindet. Diese Techniken werden oft kombiniert, um genauere Ergebnisse zu erhalten.

Der Mobilfunkbetreiber weiß immer ungefähr, wo sich ein Mobilgerät befindet, wenn es eingeschaltet und im Netz eingebucht ist. Das muss er auch, denn sonst könnte er keine Anrufe, SMS oder Daten an das Gerät schicken. Mobile Geräte nutzen diesen technischen Umstand, um festzustellen, wo sich ein Gerät befindet. Dabei können unterschiedliche Techniken eingesetzt werden, etwa die Einbuchung in eine Funkzelle, die Entfernung vom Mobilfunkmasten und vieles mehr.

Betriebssystem-Anbieter wie Google oder Apple haben dafür Datenbanken aufgebaut, in denen sie die Daten von ihren Nutzern sammeln. Neben den WLAN-Hotspots (dazu später mehr) sammeln sie auch die Informationen zu Mobilfunkmasten und senden sie an Apple bzw. Google. Die Daten sind in der Regel anonymisiert und verschlüsselt und geben keine Hinweise auf einzelne Nutzer.

Durch die Kombination dieser Verfahren wird die Ortung zwar genauer, an die Ergebnisse von GPS und anderen Methoden kommt sie jedoch meist nicht heran. Die Genauigkeit hängt vor allem davon ab, wie groß die Funkzellen sind. So kann die Ortung in Städten bis auf hundert Meter genau sein, auf dem Land können die Ergebnisse um bis zu zehn Kilometer abweichen.

Wer darf Funkzellen-Ortung nutzen?

Strafverfolgungsbehörden wie die Polizei können, um „besonders schwere Straftaten“ zu verhindern, eine Funkzellenabfrage vornehmen. Dabei werden alle Geräte, die sich in einer bestimmen Funkzelle befinden, gespeichert und ausgewertet. Das geschieht zwar nur mit richterlicher Anordnung. Trotzdem ist die Maßnahme umstritten, da Tausende von unschuldigen Menschen bei der Fahndung erfasst werden.

Auch Rettungsdienste erhalten Zugriff auf die Funkzellendaten der Mobilfunkbetreiber, um im Notfall den Aufenthaltsort von Anrufern bestimmen zu können. Einige Mobilfunkanbieter verkaufen die Ortsdaten zudem an kommerzielle Ortungsanbieter. Diese dürfen sie an Kunden weitergeben, sofern der Besitzer des Gerätes der Ortung zugestimmt hat.

GPS – Global Positioning System

Das Global Positioning System (GPS) ist ein satellitengestütztes Verfahren zur Positionsbestimmung, das in den meisten Smartphones und vielen Tablets verbaut ist. Klassische Navigationssysteme für Fahrzeuge oder fürs Wandern nutzen in der Regel GPS und kommen damit für die nicht-militärische Nutzung auf eine Genauigkeit von unter 10 Metern. Zusammen mit anderen Systemen kann die Genauigkeit erhöht werden.

GPS ist ein System zur Positionsbestimmung. Das bedeutet, dass es nicht dazu verwendet werden kann, Objekte zu von der Ferne aus zu orten, sondern nur dazu, die eigenen Position zu bestimmen. Daher können reine Navigationsgeräte nicht geortet werden, weil sie nicht nach draußen funken. Smartphones und Tablets können aber den Standort, den sie über GPS ermittelt haben, sehr wohl über SIM-Karte oder WLAN weitergeben.

Positionsbestimmung per WLAN

Google, Apple und andere Gerätehersteller und Mobilfunkanbieter haben umfassende Datenbanken angelegt, in denen sie die Namen (die sogenannte SSID) und Positionen von WLAN-Netzen speichern. Wenn der WLAN-Empfang an einem mobilen Gerät eingeschaltet ist, können sie dadurch feststellen, wo sich die Nutzer befinden, auch ohne dass sie im Netz eingeloggt sind.

Geolokalisierung per Internet

Die Ortung per Internet ist nicht spezifisch für mobile Geräte, denn sie nutzt die IP-Nummer, die jedes Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, zugewiesen bekommt. Da die IP-Nummern paketweise an Internetprovider weitergegeben werden, kann man dadurch grob feststellen, wo sich der Nutzer befindet.

Dadurch können Anbieter ihre Inhalte auf ein bestimmtes Land beschränken. Das nennt man auch Geo-Targeting. Ein Beispiel dafür findet sich bei Youtube: Weil sich Google und die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA nicht über die anfallenden Lizenzgebühren für Musikvideos einigen können, sehen deutsche Nutzer bei bestimmten Videos Sperrtafeln, anstatt dass sie Musik hören. Auch wer die deutschen Fußball-Länderspiele über den ARD- oder ZDF-Livestream im Ausland schauen möchte, hat meist schlechte Karten.

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