Musical.ly Version 6.9.0: Für Kinder ungeeignet

Musical.ly ist eine App, in der man 15-Sekunden-Musikvideos aufnehmen, bearbeiten und im dazugehörigen sozialen Neztwerk teilen kann. Sie ist bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Hauptproblem: Der Dienst schützt Kinder nicht ausreichend. Und auch beim Datenschutz hapert es.

Version
6.9.0
Betriebssystem
Android
App-Store- / Weblinks
Apple App Store (iOS)
Google Play (Android)
Weblink
Veröffentlicht am
Review Autor
Schlagworte
App-Test · Eltern · Kinder · Soziale Netzwerke
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Auf einen Blick

Update vom 02.08.2018: Musical.ly existiert als eigenständige Anwendung nicht mehr. Der Besitzer der App, das chinesische IT-Unternehmen ByteDance, hat Musical.ly Anfang August 2018 in der ähnlichen Kurzvideo-App Tik Tok aufgehen lassen. Bisherige Nutzerprofile, Inhalte und Einstellungen übertragt ByteDance in Tik Tok, sobald Musically-Nutzer die App aktualisieren.

Was ist musical.ly?

Musical.ly ist ein soziales Netzwerk, in dem Musikvideos geteilt werden. Die Videos können in der zugehörigen App aufgenommen werden. Es stehen zum Beispiel verschiedene Lieder und TV-Szenen für Play-Back-Produktionen zur Verfügung, und die Videos können mit Filtern, Geräuschen und unterschiedlichen Geschwindigkeiten bearbeitet werden. Es gibt die App für Android- und iOS-Geräte.

Über In-App-Käufe kann man anderen Nutzern, die man gut findet, virtuelle Geschenke kaufen, zum Beispiel Emoticons. Einen Teil des Kaufpreises bekommt der Beschenkte dann über PayPal gutgeschrieben. Bekannte Nutzer können dadurch beträchtliche Summen verdienen. Musical.ly behält sich vor, einen Anteil der Geschenk-Summen einzubehalten.

Unternehmen können auf musical.ly Marketing betreiben, zum Beispiel durch Werbevideos oder über sogenannte Influencer. Der Dienst startete 2015 und hatte Anfang 2017 weltweit rund 200 Millionen NutzerInnen, davon 8,5 Millionen in Deutschland. Die App ist vor allem bei Teenagern beliebt und gilt als Konkurrenz für Instagram und Snapchat.

Musical.ly wurde in Shanghai entwickelt und hat seinen Firmensitz in Kalifornien, USA. Ende 2017 wurde die Firma von dem chinesischen Unternehmen Bytedance mit Sitz in Peking gekauft.

Unser Test zusammengefasst

Musical.ly hat einige kritische Voreinstellungen. So sind Konten standardmäßig öffentlich. Das heißt: Jeder kann die hochgeladenen Videos sehen, kommentieren und dem Profil folgen. Diese Einstellungen kann man manuell ändern.

Besonders ärgerlich: Aktuell gibt es keine vernünftige Möglichkeit, ein einmal angelegtes Konto wieder zu löschen. Dies ist nur über eine Anfrage beim Kundensupport möglich.

Der Dienst verbietet in den AGB eine Nutzung unter 13 Jahren und fragt das Alter beim Anlegen eines Kontos ab. Zwischen 13 und 18 Jahren ist die Nutzung nur mit Erlaubnis der Eltern zulässig. Auf der Plattform finden sich aber massenhaft Videos von ganz offensichtlich jüngeren Kindern. Musical.ly setzt hier offenbar die eigenen Standards nicht durch.

Explizite sexuelle Videos sind zwar nicht erwünscht, es findet aber keine Filterung statt, so dass man leicht auf solche Inhalte stoßen kann. Das viel größere Problem ist aber, dass viele Nutzer die Platform ganz offen nutzen, um sexuelle Kontakte mit Kindern anzubahnen.

Hinter den Kulissen liest die App reichlich Daten aus – darunter auch sehr viele permanente Kennnummern, wie zum Beispiel die Seriennummer des Gerätes. Die App nimmt ungefragt Verbindung zu fünf anderen Unternehmen auf, an die Nutzerdaten und Kennnummern übertragen werden.

Die Datenschutzerklärung informiert verständlich aber unvollständig darüber, welche Daten erhoben und an welche andere Unternehmen weitergegeben werden.

Nach unserer Einschätzung ist Musical.ly eine App, die für Kinder auf keinen Fall geeignet ist. Seit unserem letzten Test hat der Dienst in Sachen Transparenz und bei seiner Datenschutzerklärung nachgebessert. Beim Thema Kinderschutz und bei der Option, ein Konto zu löschen, muss aber dringend noch mehr passieren.

Technische Analyse: Miriam Ruhenstroth

Die wichtigsten übermittelten Informationen

Unser Test im Detail

Getestet haben wir die Musical.ly-Version 6.9.0, die wir aus dem Play-Store heruntergeladen haben. Dieser Test gibt keine Auskunft über abweichende Versionen. Wir testen die Android-Version 6.0.1.

Auf welche Daten kann die App zugreifen?

Für ein soziales Netzwerk, bei dem es darum geht, Freunde zu finden und Videos zu teilen, sind die meisten Berechtigungen nachvollziehbar. Unklar ist, warum die App auf die sehr kritische Berechtigung „Telefonstatus und Identität“. Man kann sich mit der eigenen Telefonnummer anmelden, ohne diese Berechtigung zu zu lassen. Auch die SMS-Berechtigung ist nicht nachvollziehbar. Positiv ist, dass die App keinen Zugriff auf die Ortsdaten anfragt.

Ein Klick auf die Berechtigung bringt Sie zu unserer Detail-Erklärung.

Kamera

Kontakte

Mikrofon

SMS

Speicher/Fotos/Medien/Dateien

Telefon

Andere Berechtigungen

Welche Daten überträgt die App an wen?

Hinweis: Alle Kontaktierten Server können theoretisch die IP-Adresse feststellen und wissen, dass die Verbindung von der App musical.ly ausgelöst wurde. Alle Verbindungen tragen einen Zeitstempel.

Musical.ly: Folgende Informationen überträgt die App an Musical.ly:

  • Standard-Informationen: Sprache, Gerätetyp und Hersteller, Betriebssytem
  • Android-ID
  • Seriennummer
  • Google Werbe-ID
  • IMEI (Nur wenn die
  • Sehr genaue Geräte-Informationen:
    • Build-Nummer
    • Prozessortyp
    • Informationen zu verbautem Bildschirm, Sensoren und Prozessor
    • Informationen zum Bootloader
  • Alles, was man in der App macht

Je nachdem, wie man sich registriert hat, überträgt die App auch noch:

  • Via E-Mail-Adresse angemeldet: E-Mail-Adresse, ausgewählter Spitzname, Passwort
  • Nach der Registrierung wird der volle Name abgefragt und ebenfalls übertragen.
  • Via Facebook angemeldet: Alle Informationen aus dem öffentlichen Facebook-Profil. Facebook-Freundesliste wird standardmäßig abgefragt, man kann dies aber abwählen.
  • Via Telefonnummer angemeldet: Die Telefonnummer schickt die App nicht direkt an musical.ly, sondern an den Anmelde-Dienst von Facebook.

Facebook: Die App nimmt beim Start und zwischendurch Kontakt zu Facebook auf und überträgt Informationen. Diese Übertragung findet auch statt, wenn man sich nicht über Facebook einloggt und auch, wenn man gar kein Facebook-Konto hat.

  • Google Werbe-ID
  • Gerätetyp
  • Mobilfunkprovider
  • Sprache
  • Wenn man sich per Telefonnummer anmeldet wird diese an den Anmeldedienst „Accountkit“ von Facebook übertragen. Der Dienst wickelt die Anmeldung für andere Dienste ab.

Appsflyer: Analysedienst, Geschäftssitz ist Herzliya, Israel. An den Dienst werden folgende Informationen übertragen:

  • Standard-Informationen: Sprache, Gerätetyp und Hersteller, Betriebssystem
  • Mobilfunkprovider
  • Android-ID
  • Google Werbe-ID
  • IMEI (nur wenn Berechtigung „Telefon“ gegeben wurde)
  • Information über den verbauten Prozessor
  • Installationsdatum, Datum erster Start, Quelle (Google Play-Store)

Crashlytics: Dienstleister, der Apps auf Fehler und Abstürze analysiert, aber auch Nutzungsanalysen durchführt. Gehört zum Google-Konzern. An den Dienst werden folgende Informationen übertragen:

  • Standard-Informationen: Sprache, Gerätetyp und Hersteller, Betriebssystem
  • Android-ID
  • Weitere Daten werden zusätzlich verschlüsselt übertragen und konnten nicht eingesehen werden.

Branch Metrics, Inc.: Dienst für Nutzeranalyse über mehrere Geräte hinweg, Geschäftssitz in Kalifornien, USA. Folgende Informationen überträgt die App an den Dienst:

  • Standard-Informationen: Sprache, Gerätetyp und Hersteller, Betriebssystem
  • Android ID
  • IP-Adresse
  • Google Werbe-ID

Akamai: Anbieter für die schnellere Auslieferung von Inhalten, vor allem Bilder und Video. Liefert für musical.ly die Videos aus, allerdings unverschlüsselt. Ein unbefugter Dritter, der sich im selben WLAN befindet, könnte also leicht sehen, welche Videos man ansieht.

Umeng: Der größte Anbieter von App-Analytik und Online-Werbung in China. Geschäftssitz ist Peking. An den Dienst werden zusätzlich verschlüsselte Informationen übertragen, die wir nicht einsehen konnten.

Was sagt die Datenschutzerklärung?

Die Datenschutzerklärung von musical.ly wurde nach eigenen Angaben schon an die DSGVO angepasst. Sie informiert in verständlicher Sprache darüber, welche Daten erhoben werden und wozu. So braucht der Dienst die Seriennummer (Device-ID) zum Beispiel zur Betrugsbekämpfung. Daten aus dem Adressbuch werden nur gehasht übertragen. Die Erklärung macht auch Angaben, wie lange Daten aufgehoben werden.

Unerfreulich ist, dass viele Informationen fehlen. Zum Beispiel, dass die Android-ID und auch die IMEI erhoben und an zwei andere Unternehmen gesendet wird. Diese Nummern sind personenbezogene Daten. Musical.ly müsste angeben, wozu es diese braucht und eine Einwilligung einholen.

Die angegebene E-Mail-Adresse darf für Werbezwecke genutzt werden. Die Datenschutzerklärung sichert explizit zu, dass personenbezogene Daten nicht zu Werbezwecken verkauft werden.

 


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