Erfreulich: Nachrichten-App Flipboard

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Unser Test zeigt: Die App hält sich bei den Berechtigungen zurück und sammelt nicht übermäßig Nutzerdaten. Obwohl der Dienst von Werbung lebt, konnten wir keine Verbindung zu den üblichen Werbenetzwerken feststellen.

Version
4.0.10
Betriebssystem
Android
App-Store- / Weblinks
Apple App Store (iOS)
Google Play (Android)
Weblink
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Schlagworte
App-Test · Flipboard · Tracking
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Auf einen Blick

Was kann Flipboard?

Flipboard sammelt Inhalte von Medien, Blogs und sozialen Netzwerken wie Facebook und Google+ ein, und sortiert sie in verschiedenen Rubriken. Diese Rubriken können NutzerInnen sich dann abonnieren. Welche Inhalte-Anbieter mit aufgenommen werden, entscheidet eine Redaktion. Die Medien und Blogs erhalten in der Regel kein Geld dafür, dass sie ihre Inhalte über Flipboard zur Verfügung stellen.

NutzerInnen können auch eigene Sammlungen mit eigenen Inhalten oder Artikeln von beliebigen Webseiten erstellen. Diese Sammlungen kann man für alle Flipboard-Nutzer öffentlich machen. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, Inhalte zu teilen und zu verwalten.

Flipboard finanziert sich durch Werbung, die in Form von Bannern und gesponserten Inhalten in den Nachrichtenfeed eingespielt wird. Die App ist laut allgemeinen Geschäftsbedingungen auf Nutzer über 13 Jahren beschränkt.

Nach eigenen Angaben hat Flipboard monatlich mehr als 100 Millionen aktive Nutzer (Stand 1. Quartal 2017). Anbieter ist das US-Unternehmen Flipboard Inc. mit Sitz in Palo Alto, Kalifornien.

Unser Test im Überblick

Das Geschäftsmodell von Flipboard ist umstritten. Denn es nutzt die Inhalte anderer, um Nutzer auf die eigene Platform zu bringen – und ihnen dort Werbung zu zeigen. Von diesen Werbeeinnahmen sehen die Hersteller der Inhalte nichts. Der folgende Test bewertet diese politischen und ökonomischen Hintergründe der App nicht. Es wurde ausschließlich auf Datenschutz und Datensicherheit getestet.

Um Flipboard zu nutzen, benötigt man ein Nutzerkonto, und muss dazu eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer angeben. Neben Flipboard erhalten auch der Analytics-Dienst Crashlytics und Adjust.com, sowie Facebook und Google einige Nutzerdaten. Insgesamt werden nicht übermäßig viele Nutzerdaten gesammelt, allerdings genügend, um ein Gerät eindeutig zu identifizieren. Die Berechtigungen, die die App einfordert, sind nachvollziehbar. Alle übertragenen Daten werden ausreichend verschlüsselt.

Die wichtigsten übermittelten Informationen

  • Geräte-Hersteller, Modell, Bildschirmgröße
  • Google Advertising ID
  • Detaillierte Angabe zum Betriebssystem (inkl. Built-Nummer)
  • Android ID
  • E-Mail-Adresse oder Handynummer

Unser Test im Detail

Getestet haben wir die Version 4.0.10, die wir aus dem Play-Store heruntergeladen haben. Dieser Test gibt keine Auskunft über abweichende Versionen.

Auf welche Daten kann die App zugreifen?

Strenggenommen wären für die Funktionalität nicht alle angeforderten Berechtigungen unbedingt nötig, sie sind aber alle nachvollziehbar. Auf besonders kritische Berechtigungen wie Adressbuch und Telefon verzichtet die App. Folgende Berechtigungen fordert die App an. Ein Klick auf die Berechtigung bringt Sie zu unserer Detail-Erklärung.

Kontakte

Speicher/Fotos/Medien/Dateien

Sonstiges

Wohin verbindet sich die App?

Die App verbindet sich je nach eingestellten Informationsquellen (Feeds) zu ganz unterschiedlichen Seiten. Zum Beispiel zu Spiegel Online, Zeit, etc. Selbstverständlich weiß Flipboard für jeden Account, welche Feeds ausgewählt und welche Beiträge gelesen wurden.

Die Verbindungen, die jedes Mal geöffnet werden, unabhängig von den gewählten Feeds, sind im Folgenden aufgelistet und beschrieben. Wir nennen zudem die übertragenen Daten, die eventuell Rückschlüsse auf die Person zulassen.

Die Kommunikation zu allen Diensten erfolgt verschlüsselt. Auf zusätzliche Sicherheit durch Cert Pinning verzichtet die App.

1. flipboard.com (Hauptdienst)

Anmeldung

Das Nutzerkonto kann man über einen bestehenden Google-, Facebook- oder Twitter-Account anlegen.
Alternativ kann man das Konto direkt bei Flipboard anlegen. Dazu muss man E-Mail-Adresse oder Telefonnummer angeben, sowie einen Nutzernamen.

Diese Anmeldedaten und eine einmalig erstellte Nutzer-Identifikationsnummer überträgt die App beim Einloggen.

Nutzung

Während der Nutzung überträgt die App folgende Informationen:

  • Geräte-Hersteller, Modell, Bildschirmgröße
  • Sprach- und Tastatureinstellungen
  • Einmalig vergebene Nutzer-ID
  • Google Advertising ID
  • Detaillierte Angabe zum Betriebssystem (inkl. Built-Nummer)

2. Facebook

Die App nimmt regelmäßig Verbindung zu Facebook auf – auch wenn der Nutzer kein Facebook-Konto hat. Folgendes wird dabei übermittelt:

  • Bildschirmauflösung
  • Google Advertising ID
  • Android-Version
  • Name der verknüpften App (in diesem Fall Flipboard)

Wenn man sich über Facebook anmeldet, verlangt Flipboard Zugriff auf:

  • Öffentliches Profil
  • Freundesliste
  • E-Mail-Adresse
  • Fotos
  • Likes

Alle Punkte bis auf den ersten kann man abwählen, wenn man nicht auf „Weiter“, sondern auf „Dies bearbeiten“ tippt.

3. Adjust.com (Tracker)

Adjust.com ist ein Tracker, der Werbung und Interaktionen misst. Flipboard übermittelt folgende Informationen an den Dienst:

  • Google Advertising ID
  • Modell, Hersteller, Bildschirmauflösung
  • android_uuid
  • Detaillierte Angaben zur Android-Version (inkl. Build-Nr.)
  • Länderkennung
  • Information, welcher Prozessor verbaut ist

4. Crashlytics.com

Crashlytics ist ein typischer Dienst zur Analyse von Abstürzen und Fehlern. Wenn es keinen Absturz gibt, übermittelt die App folgende Informationen:

  • Gerätehersteller und Modell
  • Android-Version
  • Google Advertising ID
  • Einmalig erzeugte ID von Crashlytics
  • Android ID

Wie sicher speichert die App meine Daten?

Nach der Registrierung über eine E-Mail-Adresse speichert die App nur E-Mail-Adresse, Nutzername und eine User-ID auf dem Gerät. Das Passwort wird nicht lokal gespeichert. Sicherheitstechnisch ist das eine gute Lösung.

Was sagt die Datenschutzerklärung?

Die Datenschutzerklärung informiert transparent und in einfacher Sprache darüber, welche Daten erfasst werden, und was damit geschieht. Flipboard Inc. lässt sich die Erlaubnis geben, alle erfassten Daten an Dienstleister für Analyse und Werbung weiterzugeben. Die eingebundenen Analysedienste werden nicht namentlich genannt.

Laut Datenschutzerklärung erfasst die Flipboard-App seit 23. März 2016, welche Apps auf Ihrem Gerät installiert sind. Diese Liste wird nach eigenen Angaben später gelöscht oder anonymisiert.

Flipboard gibt als Opt-out-Möglichkeit für die interessenbezogene Werbung die App „AppChoices“ an. Diese App kann man sich installieren und darin einstellen, von welchen Werbenetzwerken man interessensbezogene Werbung erhalten will. Allerdings ist die App nur für bestimmte Modelle verfügbar. Und: Ob dann tatsächlich keine Nutzerdaten mehr erhoben werden, oder ob diese nur nicht mehr für die Auswahl von Werbung verwendet werden, ist unklar.

Fazit:

Flipboard ist nach unserer Einschätzung sauber und sorgfältig programmiert. Sie zeigt, dass auch Apps mit großem Funktionsumfang mit wenigen Berechtigungen auskommen können. Auch scheint es der Dienst zu schaffen, Werbung zu schalten, ohne dabei Werbenetzwerken direkten Zugriff auf die App zu gewähren. Minuspunkt: Auch Flipboard verzichtet nicht auf die üblichen Analytics-Module, bindet Facebook ein und bietet nur eine zweifelhafte Opt-out-Möglichkeit.

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