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Serie: Die beliebtesten Navigations-Apps im Check

Navi-Apps

Navigations-Apps gibt es inzwischen für jeden Geschmack – die meisten bringen einen zuverlässig von A nach B. Aber wie gehen die verschiedenen Dienste mit Nutzerdaten um? Das haben wir bei den beliebtesten Navi-Apps untersucht. Einen Überblick gibt es hier.

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Google Maps · Navigieren · Open Street Maps · Ortungsdienste · Standort
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Diese Apps haben wir geprüft

Sie finden den Link zur App bei der jeweiligen Besprechung.

Google Maps: Bei der Funktion ungeschlagen, beim Datenschutz gibt es bessere Alternativen.
Die kostenlose App nutzt Googles eigenes Kartenmaterial, schaltet Werbung und zeigt bezahlte Karteninhalte (Sponsored Pins). Wenn man den Dienst nutzt und dabei mit einem Google-Konto angemeldet ist, speichert Google die Standortdaten und wertet sie für Werbezwecke aus. Man kann das abstellen. Die App ist für Android und iOS verfügbar und kann offline Routen berechnen.

Apple „Karten“: Beim Datenschutz gut, bei der Funktionalität geht noch mehr
Vorinstallierte Navigations-App auf allen iOS-Geräten, nicht für Android oder Desktop verfügbar. Nutzt Geodaten von OpenStreetMap und TomTom. Werbung schaltet die App derzeit nicht. Suchanfragen und Standorte werden so an Apple gesendet, dass sie nicht mit der Identität des Nutzers verknüpft werden können. Offline-Nutzung ist nicht vorgesehen.

Maps.me: Definitiv nicht empfehlenswert
Navigations-App der „My.com B.V.“ aus den Niederlanden, die zur „mail.ru-Gruppe“ gehört. Für iOS und Android verfügbar. Nutzt Geodaten von OpenStreetMap, schaltet Werbung und bezahlte Karteninhalte. Sendet Nutzerdaten an sechs andere Unternehmen, darunter Facebook. Erfasst Standortdaten und nutzt sie für Werbezwecke. Erfasst sehr detailliert Gerätedaten, mit denen eine Standortbestimmung ohne Standort-Berechtigung möglich wäre. Offline-Nutzung ist möglich.

Magic Earth Navigation: Ohne Facebook-Integration hätten wir nichts mehr zu Meckern
Navigations-App der „General Magic B.V.“ mit Sitz in den Niederlanden und Rumänien. Für iOS und Android verfügbar. Nutzt Geodaten von OpenStreetMap. Die App ist kostenlos und werbefrei. Die App sendet – nach eigenen Angaben unbeabsichtigt – Nutzerdaten an Facebook, was der Dienst demnächst abstellen will. Standortdaten werden anonym erfasst. Offline-Nutzung ist möglich.

OsmAnd: Die Premium-Version ist uneingeschränkt empfehlenswert
Die App ist für Android und iOS vorhanden, Anbieter ist die niederländische OsmAnd B.V. Sie nutzt Geodaten von OpenStreetMap und ist werbefrei. In der kostenlosen Basisversion sind nicht alle Karten enthalten und Nutzerdaten gehen an Facebook und Google. Die komplett trackingfreie Premiumversion gibt es kostenlos im alternativen App-Store F-Droid. Wer von hier installiert: Spenden nicht vergessen. Standortdaten werden anonym erfasst. Offline-Nutzung ist möglich.

HERE WeGo: Funktionalität gut, Datenschutz im Mittelfeld
Die kostenlose App gibt es für Android und iOS, Anbieter ist die niederländische HERE Apps LLC mit Sitz in den USA. Hinter der Firma steht ein Konsortium der Autokonzernen Audi, BMW und Daimler. Der Dienst nutzt eigenes Kartenmaterial, das in vielen Auto-Navigationsgeräten zum Einsatz kommt. Die App nimmt Kontakt zu Facebook und Apptimize auf und überträgt Nutzerdaten. Nach eigenen Angaben schaltet die App Anzeigen über das Werbenetzwerk MoPub. Standort- und Verkehrsdaten werden anonym erfasst. Offline-Nutzung ist möglich.

Waze: Nicht empfehlenswert
Die kostenlose App gibt es für Android und iOS, Anbieter ist die Waze Mobile Ltd., die seit 2013 zum Google-Konzern gehört. Der Dienst nutzt eigene Geodaten, die von Waze-Nutzern beim navigieren mit der App zusammengetragen wurden. Die App schaltet Werbung, funktioniert nicht ohne Zugriff auf den Standort, speichert die eigenen Standortdaten dauerhaft und verknüpft sie mit persönlichen Daten des Nutzers. Nach eigenen Angaben überträgt der Dienst die Werbe-ID des Nutzers an Werbe- und Analysedienste. Offline-Nutzung ist nicht vorgesehen.

Offline Maps & Navigator (nur Android): Unzureichend
Der Dienst gehört zur slowenischen Firmengruppe Sygic s.a. Die App ist werbefrei und kostenlos, Zusatzfunktionen können gekauft werden. Die Geodaten stammen von TomTom. Die App nimmt Kontakt zu Facebook, Google und Microsoft auf und überträgt Nutzerdaten. Der Dienst funktioniert nicht ohne Zugriff auf den Standort und speichert die eigenen Standortdaten dauerhaft. Wenn man offline navigiert, überträgt die App diese Daten, sobald das Handy wieder ans Internet angeschlossen wird. Hier gibt es deutlich bessere Alternativen.

Komoot: Das geht noch besser
Komoot ist eine Navigations-App speziell für Outdoor-Aktivitäten, wie Wandern, Radfahren oder Joggen. Es gibt sie für iOS und Android, sie ist werbefrei und in einer sehr eingeschränkten Basisversion kostenlos. Weitere Karten und Sprachnavigation muss man dazu kaufen. Die App nimmt Kontakt zu Facebook, Google und Adjust auf und überträgt Nutzerdaten. Der Dienst speichert eigene Standortdaten dauerhaft und verknüpft sie mit dem eigenen Nutzerkonto. Offline-Nutzung ist möglich.

Nach welchen Kriterien beurteilen wir die Apps?

Worauf kommt es bei einer Navigations-App an? Natürlich sollte sie mich von A nach B bringen und das möglichst zuverlässig.

Aber auch Datenschutz und Privatsphäre spielen eine Rolle. Immerhin geben die meisten Nutzer den eigenen Standort für die Navigations-App frei. Wie geht die App mit diesen und anderen Nutzerdaten um?

Wir haben geprüft, ob Apps Daten an andere Firmen als den Dienstanbieter senden und welche Nutzerdaten sie selber abgreifen. Wir haben auch einen Blick in die Datenschutzbestimmungen geworfen, uns die jeweiligen Geschäftsmodelle angesehen und nachgeschaut, wer die Anbieter der Navigations-Apps sind.

Geodaten: Apps nutzen verschiedene Quellen

Jede Navigations-App braucht Geodaten, um Wege und Routen anzeigen zu können. Es gibt verschiedene Quellen für digitale Landkarten, auf die App-Anbieter in unterschiedlichen Kombinationen zugreifen:

OpenStreetMap: Gut etabliertes Gemeinschaftsprojekt, bei dem Nutzer und Nutzerinnen selbst Geodaten sammeln und in eine öffentlich zugängliche Datenbank einspeisen. Besteht seit 2004. Server und Infrastruktur befinden sich in London am University College. Anbieter von Navigations-Diensten können diese Datenbank für ihre Dienste nutzen.

Google Maps: Google vermisst und erstellt weltweit eigene Karten. App-Anbieter können Google-Karten problemlos und bis zu einem gewissen Grad kostenlos einbinden, erhalten aber keinen Zugriff auf die Geodaten selber. Nachteil: Google erfasst jeden Zugriff auf seine Landkarten.

TomTom: Der Marktführer bei Auto-Navigationssystemen hat ebenfalls eigene Geodaten – bereitgestellt von der Tochterfirma „Tele Atlas“. Einige große Anbieter, darunter auch Apple, greifen für ihre Kartendienste darauf zurück. Natürlich gegen Bezahlung.

Here Technologies: Entstanden aus der Fusion des führenden Kartenanbieters für Autonavigation in den USA, Navteq, und Nokia Maps. Gehört inzwischen einem europäischen Konsortium, gegründet von Audi, BMV und Mercedes.

Waze: Der Anbieter Waze, seit 2013 im Besitz von Google, besitzt seine eigenen Geodaten. Zusammengetragen wurden sie nach und nach von den Waze-Nutzern, die beim Navigieren automatisch auch Geodaten einspeisen. App-Anbieter können Waze problemlos und bis zu einem gewissen Grad kostenlos einbinden, erhalten aber keinen Zugriff auf die Geodaten selber.

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