Navi-Apps im Check: OsmAnd – gute Alternative

OsmAnd - Open Source Navigation
Screenshot osmand.net

OsmAnd ist quelloffen und nutzt Kartenmaterial des nicht-kommerziellen Projekts OpenStreetMap. Die werbefreie App überlässt es auf Android den Nutzern, ob sie zahlen wollen oder nicht. OsmAnd ist eine datensparsame Alternative, für kritikwürdig halten wir jedoch die Integration eines Facebook-Analyse-Dienstes.

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Auf einen Blick

Das ist OsmAnd

Die App OsmAnd setzt auf Material des nicht-kommerziellen Kartendienstes OpenStreetMap. Als Nutzerin oder Nutzer müssen Sie Karten einzeln auf das Gerät laden und können erst dann mit der Navigation loslegen.

Über Erweiterungen lassen sich verschiedene Zusatzinformationen einblenden, beispielsweise Ski- und See-Karten oder Netze des öffentlichen Personennahverkehrs. Die App ist komplett werbefrei.

OsmAnd ist quelloffen. Das heißt, die Bauanleitung der App ist öffentlich einsehbar. Die App gibt es für iOS und Android. Die Android-Version ist im Play-Store von Google verfügbar und im alternativen App-Store F-Droid. Im Play-Store kommt OsmAnd auf mehr als fünf Millionen Downloads.

Anbieter der App ist das niederländische Unternehmen OsmAnd B.V.

Kartenbasis und Geschäftsmodell

OsmAnd greift auf Kartenmaterial von OpenStreetMap zurück. Über eine Erweiterung können Sie zusätzliche Quellen laden, darunter auch Satellitenbilder von Microsoft Earth.

Im Play-Store gibt es eine kostenlose Basisversion, in der Sie sieben Einzelkarten herunterladen und darauf auch offline zugreifen können. Sie können über In-App-Käufe zusätzliche Karten und Funktionen aktivieren. Die Premium-Version OsmAnd+ mit unbegrenztem Kartenzugriff ist für 8,99 zu haben (Stand September 2018).

Die kostenlose App-Version aus dem alternativen Android-Store F-Droid dagegen entspricht der Bezahlversion aus dem Play-Store. Auch die Funktion OsmAnd Live, die für eine stündliche Aktualisierung des Kartenmaterials sorgt, lässt sich in der F-Droid-Version kostenlos aktivieren. In der Play-Store-Version müssen Sie dafür ein monatliches Abonnement abschließen.

Als Android-Nutzerin oder Nutzer können Sie sich faktisch also aussuchen, ob Sie für die App bezahlen möchten. Der Anbieter bittet auf F-Droid allerdings, das Projekt mit Spenden zu unterstützen. Einen Teil der Spenden und der Einnahmen gibt die Firma an OpenStreetMap weiter.

Für iOS gibt es eine kostenlose Basisversion mit optionalen In-App-Käufen. Der Zugriff auf alle Karten der Welt kostet 6,99 Euro, Karten für einzelne Kontinente jeweils 3,49 Euro. Eine mit OsmAnd+ vergleichbare iOS-Premiumversion bietet das Softwareprojekt nicht an.

OsmAnd im Datentest

Wir haben die kostenlose Android-App aus dem Play-Store (Version 3.1.5) und die Premiumversion aus F-Droid (Version 3.1.6) getestet.

Die Basisversion aus dem Play-Store nahm im Test Kontakt auf zum Hauptdienst OsmAnd, zum Kartendienst sowie zu Facebook und Google und übertrug Nutzerdaten. Die Version aus F-Droid nahm ausschließlich Verbindung zum Hauptdienst und zum Kartendienst auf.

Überraschende Facebook-Integration

Überrascht hat uns, dass die App aus dem Play-Store nach dem Start eine Verbindung zu Facebook aufbaut. Sie überträgt dabei Basisdaten, darunter Uhrzeit und Sprache des Nutzers, den App-Namen und das Gerätemodell. Außerdem landet die Werbe-ID bei Facebook. Verantwortlich dafür ist ein integrierter Dienst von Facebook, mit dem App-Anbieter messen können, wie effektiv die Werbung ist, die sie auf Facebook schalten.

Das Problem: Facebook kann die Werbe-ID mit anderen Daten über den Nutzer verknüpfen, zum Beispiel mit dem Facebook-Konto. Der Konzern wertet diese Informationen für zielgerichtete Werbung aus.

Positiv: Die Version aus F-Droid baut keine Verbindung zu Facebook auf. Auf Nachfrage heißt es bei OsmAnd, dass das Facebook-Tool auch bei der Android-Premium-Version aus dem Play-Store nicht zum Einsatz komme.

Nutzeranalyse mit Firebase Analytics (Google)

Die Basisversion aus dem Play-Store nutzt das Modul Firebase Analytics, einen von Google angebotenen App-Baustein für Analysefunktionen. OsmAnd überträgt dabei die Werbe-ID sowie verschiedene Basisdaten wie das Land und die Sprache des Nutzers, den App-Namen und das Gerätemodell.

Auch diesen Dienst haben wir in der Version aus F-Droid nicht gesehen.

Hauptdienst und Kartenserver

Die App nimmt Kontakt mit der Datenbank des Hauptdienstes auf und überträgt Standortdaten sowie Suchanfragen. Anders würde der Dienst auch nicht funktionieren. Überraschend: Zusätzlich wird die Android-ID übertragen. Auf Nachfrage hieß es bei OsmAnd, man nutze die ID, um Installationen und Deinstallationen zu verfolgen.

Zusätzlich konnten wir Verbindungen zu OpenStreetMap und zu dem Amazon-Cloud-Dienst Cloudfront.net beobachten. Die Dienstes des Amazon-Cloud-Servers nutzt OpenStreetMap, um schnell Bilder bereitzustellen. Dabei landen keine Nutzerdaten bei Amazon.

Das sagt die Datenschutzerklärung

Die Datenschutzerklärung ist nur auf Englisch verfügbar und erfreulich übersichtlich – leider aber auch unvollständig. Weder zur Integration von Facebook noch zur Integration des Google-Dienstes Firebase Analytics findet sich ein Hinweis.

Obwohl in dem Dokument steht, dass OsmAnd keine personenbezogenen Daten erfasst, überträgt die App die Android-ID an die App-Server. Die Android-ID gehört nach unserer Einschätzung zur Kategorie der personenbezogenen Daten, da sie eindeutig und unveränderbar ist.

Originell: Als Ersatz für die fehlenden Versionen in anderen Sprachen hat OsmAnd in die Datenschutzerklärung die Übersetzungsfunktion von Google Translate eingebaut.

Fazit

Vor allem die Datenweitergabe an Facebook bei der Basis-App halten wir für ein Manko.

Die Version aus F-Droid und die Premium-Version aus dem Play-Store können wir aber uneingeschränkt empfehlen, da beide trackingfrei sind. Da sich eine solche App nicht kostenlos bereitstellen lässt, sollten Sie eine angemessene Spende nicht vergessen, falls Sie die Version aus F-Droid nutzen.


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