Navi-Apps im Check: Apples „Karten“

Karten

Die Navi-App für iOS heißt schlicht „Karten“. Apple verwendet dafür Geodaten anderer Anbieter. Das hat Nachteile: zum Beispiel dauert es länger, Darstellungsfehler zu beheben. Apple plant daher ein großes Update mit eigenem Kartenmaterial ab Herbst 2018. Nutzerdaten bleiben laut Apple immer anonym.

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Kartendienst · Navigieren · Ortungsdienste · Standort
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Auf einen Blick

Der hauseigene Kartendienst von Apple heißt in der deutschen Version schlicht „Karten“. Die App steht nur iPhone-, iPad- und Mac-Nutzern zur Verfügung, für Android gibt es sie nicht.

Eine Browser-Version wie bei Google Maps bietet Apple bisher nicht an – die URL maps.apple.com führt lediglich auf die Marketing-Seite. Es gibt seit 2018 jedoch eine Schnittstelle, die es ermöglicht, Kartenausschnitte von Apple in Webseiten einzubinden.

Statt auch eine Schnittstelle zum Einbinden von „Karten“ in Apps bereitzustellen, wählt Apple den umgekehrten Weg: Über die Geräteeinstellungen kann „Karten“ mit anderen Apps verbunden werden. Dann kann man etwa direkt aus der „Karten“-App ein Taxi rufen oder einen Tisch reservieren.

Eine Funktion zur offline-navigation ist in „Karten“ nicht vorgesehen.

Kartenmaterial anderer Anbieter

Für seinen Kartendienst setzt Apple auf Kartenmaterial des niederländischen Herstellers TomTom und aus dem Projekt Open Street Map. Die erste Version der iOS-App enthielt jedoch eine Reihe von Darstellungsfehlern, was schließlich zu einer offiziellen Entschuldigung des damaligen Konzernchefs Tim Cook führte.

Obwohl Apple bei seiner Karten-App inzwischen stark nachgebessert hat, bringt die Nutzung des Kartenmaterials anderer Anbieter immer noch Nachteile mit sich. So kann Apple Probleme nicht immer selbst beheben, sondern muss sie mit den Partnern abklären, was unter Umständen Monate dauern kann.

Privatsphäre bei „Karten“

Apple gibt an, bei der Verwendung von Karten keinerlei personenbezogene Daten zu erheben. Funktionen, die eine Kommunikation mit Apple-Servern erfordern, werden auf Grundlage anonymisierter Nutzerdaten angeboten. Um Nutzer zu identifizieren, vergibt Apple jeweils eine eigene ID beim Öffnen von „Karten“, die beim Schließen der App gelöscht und beim erneuten Öffnen neu vergeben wird.

Diese IDs werden laut Apple nie mit der Apple-ID verknüpft. Wenn „Karten“ Ihren Standort an Apple sendet, sollte Apple diesen also nicht mit Ihrer Identität verknüpfen können.

Ausnahmen sind die Funktionen „Karten verbessern“ und „Problem melden“ in der Karten-App. Wenn Sie „Karten verbessern“ aktivieren, vergleicht Apple die Adresse, die mit Ihrer Apple-ID verknüpft ist, mit den Standortdaten aus „Karten“. Wenn Sie ein Problem melden, verknüpft Apple die Meldung mit Ihrer Apple-ID.

„Karten“ lässt sich aber auch ohne Zugriff auf den Standort nutzen. Um der App die Standortabfrage zu verbieten, öffnen Sie die Geräteeinstellungen, tippen Sie in der App-Liste auf Karten und dann auf Standort.

Unternehmen können sich bei Apple registrieren, so dass ihr Name auf der Karte angezeigt wird. Bezahlte Links und Werbung schaltet „Karten“ derzeit aber nicht.

Apples Ortungsdienste

Wenn Sie Apples Ortungsdienste aktiviert haben, ermittelt Ihr iPhone oder iPad mit Hilfe von GPS und einer Datenbank von Apple seinen genauen Standort. Dazu sendet es zum Beispiel Namen von WLAN-Hotspots an Apple. Ist der Standort dieses Hotspots bei Apple bekannt, sendet Apple den Standort auf das Gerät zurück. Auch der Standort von Mobilfunkmasten und Bluetooth-Sendern wird auf diese Weise abgeglichen.

Diese Standortermittlung läuft unabhängig von Ihrer App-Nutzung. Apple erfasst die so ermittelten Standortdaten und nutzt sie für veschiedene Dinge. Zum Beispiel, um standortbezogene Werbung auszuspielen und um standortbezogene Suchvorschläge und News anzubieten.

Sie können einstellen, dass Apple diese Standortdaten nicht auswertet. Navigieren Sie zu Einstellungen > Datenschutz > Ortungsdienste > Scrollen bis ganz unten zu Systemdienste > Ortsabhängige Ads, Ortsabhängige Vorschläge, etc. Bewegen Sie hier die Schieberegler bei den entsprechenden Funktionen nach links.

Sie können natürlich die Ortungsdienste auch ganz ausschalten. Dann kann Ihr Gerät seinen eigenen Standort nicht mehr bestimmen.

Zukunftsmusik: Apples Vermessung der Welt

Aktuell ziehen viele iOS-Nutzer aufgrund des größeren Komforts noch den Konkurrenten Google Maps vor, der in Apples App-Store zu haben ist. Dies könnte sich aber bald ändern.

Im Juli 2018 wurde bekannt, dass Apple nicht länger mit Fremdmaterial arbeiten will und seit einiger Zeit seine eigenen Karten für den Ausbau seiner App produziert. Bereits seit 2015 vermessen weiße Apple-Vans die Straßen großer Städte. Wo Apples Fahrzeuge aktuell unterwegs sind, teilt der Konzern hier mit.

Die neue Version von „Karten“ soll nicht nur zuverlässiger funktionieren, sondern auch umfangreiche Neuerungen enthalten. Laut dem englischsprachigen Online-Magazin TechCrunch versichert Apple, die Programmierung seiner neuen Karten-App so zu gestalten, dass Nutzer komplett anonym bleiben.

Die neue Karten-App wird voraussichtlich im Herbst 2018 mit der neuen Betriebssystem-Version iOS 12 an iPhone- und iPad-Nutzer ausgeliefert. Bisher sind jedoch erst Teile Kaliforniens im neuen „Karten“-Design gestaltet – einen Zeitplan für den Rest der Welt gibt es noch nicht.


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