Heimweg-App Vivatar kurz vorgestellt

Vivatar

Die Heimweg-App Vivatar der Firma Bosch bietet einen Begleitservice und eine Notfallfunktion – allerdings nur in der Premiumversion. Was die App genau tut und welche Daten gespeichert werden, erklärt der Dienst nur lückenhaft.

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Handyortung · Standort
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Auf einen Blick

Das ist Vivatar

Mit der App Vivatar können Nutzer*innen sich von einer anderen Person auf ihrem Heimweg begleiten lassen. Die App überträgt den Standort an die Begleitung, die den Weg auf einer Karte mitverfolgen und im Notfall Hilfe rufen kann.

Eine Notruffunktion direkt aus der App steht nur in der Premium-Version zur Verfügung (30 Tage kostenlos, danach 4,99 Euro pro Monat). Betätigt man den Notruf, geht zunächst ein*e Vivatar-Mitarbeiter*in ans Telefon. Das Team ist laut Webseite für Premium-Nutzer*innen 24 Stunden täglich erreichbar.

Bei Bedarf verständigt das Team die Polizei und teilt den genauen Standort der*des Betroffenen mit. Ruft man die Polizei direkt unter 110 an, kann diese den Standort nur (ungenauer) über das Mobilfunknetz ermitteln.

Warum die Polizei nur ungenau orten kann, erklären wir im Beitrag: Handy orten – wie geht das?

Entwickelt hat Vivatar die Firma Bosch, die neben technischen Geräten auch Software „für mehr Lebensqualität“ anbietet, wie es auf der Webseite heißt. Die App gibt es für Android und iOS.

Als Zubehör zur App bietet Bosch einen physischen Notfallknopf an, den Nutzer*innen an ihrer Kleidung anbringen und schneller betätigen können. Der Knopf „Vivatar Go“ kostet einmalig 29,99 Euro und lässt sich per Bluetooth mit dem Handy verbinden.

Diese Daten fragt die App ab

Wer die App installiert, muss gleich zu Anfang eine Reihe von Berechtigungen einräumen: Den Zugriff auf das Adressbuch, die Telefonfunktion, die SMS-Funktion und auf den Standort. Erst dann geht es weiter.

Das ist ungewöhnlich: Apps auf neueren Geräten fragen normalerweise erst dann Berechtigungen ab, wenn sie sie zum Ausführen einer konkreten Funktion brauchen. Dadurch wird Nutzer*innen klar, wozu eine Berechtigung nötig ist.

Auch fordert die App zu Beginn dazu auf, drei Häkchen zu setzen: Zur Bestätigung des Alters von mindestens 16 Jahren, der Kenntnis der Nutzungsbedingungen und zur Zustimmung zur Datenverarbeitung.

Was Klarheit und Transparenz schaffen soll, kommt unglücklich daher: Wer eine Heimweg-App das erste Mal nutzt – womöglich in einer Situation, in der er*sie sich ohnehin unsicher fühlt – wäre mit einem freundlicheren Menü und mehr Erklärungen besser bedient.

Anschließend werden Vor- und Nachname sowie die Telefonnummer oder wahlweise eine E-Mail-Adresse abgefragt.

Ein mobilsicher-Datentest der Android-App zeigte außerdem, dass Vivatar bei Installation eine eindeutige, unveränderbare Seriennummer des verwendeten Geräts erhält.

Wenn Nutzer*innen eine Tour starten, werden die Standortdaten an die Firma Bosch gesendet. Laut Datenschutzerklärung werden diese nicht zur Bildung von Bewegungsprofilen verwendet.

Diese Daten speichert Vivatar über Sie

Alle Daten, die Sie in der App hinterlegen, werden auf den Servern der Firma Bosch gespeichert, bis Sie Ihr Profil löschen.

Das können neben dem Namen und der Handynummer oder E-Mail-Adresse auch Angaben aus dem „digitalen Notfallpass“ sein, falls Sie diesen nutzen. Diese App-Funktion dient dazu, „im Notfall den Helfern möglichst genaue Informationen zu bieten“. Sie können hier Daten zum Gesundheitszustand, zu Allergien und eingenommenen Medikamenten eintragen.

Überlegen Sie sich gut, ob Sie diese Funktion nutzen möchten – Gesundheitsdaten gehören zu den besonders sensiblen Daten und auch große Firmen sind vor Hacks und Datenklau nie ganz sicher.

Ob und wie lange die Firma Bosch Ihre Gerätedaten und Standortinformationen von begleiteten Touren speichert, sagt die Datenschutzerklärung nicht. mobilsicher hat eine entsprechende Anfrage an Bosch gestellt.

Diese Daten gibt die App weiter

Vivatar bindet mehrere Google-Dienste ein, neben Google Maps für das Kartenmaterial zum Beispiel die Push-Dienste zum Anzeigen von Benachrichtigungen.

Ein mobilsicher-Datentest der Android-App ergab, dass Google von Nutzer*innen die Werbe-ID sowie die GSF-Nummer, die auf Ihr Google-Konto verweist, erhält. Auf die Weitergabe der Werbe-ID weist die Datenschutzerklärung von Vivatar hin und gibt auch den Hinweis, dass man diese zurücksetzen kann.

Darüber hinaus lässt die Lektüre der Datenschutzerklärung viele Fragen offen. Es ist von Partnern und Drittanbietern die Rede, mit denen Daten geteilt werden – wer genau das ist und welche Daten konkret gemeint sind, verrät die Firma allerdings nicht.

Fazit: In der aktuellen Form nicht empfehlenswert

Das Geschäftsmodell von Vivatar sieht vor, dass Nutzer*innen nach Ablauf von 30 Tagen für die Vollversion bezahlen, um auch die Notruffunktion nutzen zu können. Allerdings wird in der App nicht klar, wie sich die Basis- und die Vollversion unterscheiden.

Wer sich nach dem ersten Ausprobieren auf die Notruffunktion verlässt, könnte davon überrascht werden, dass sie plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht – vielleicht genau im falschen Moment. Hier sehen wir die Anbieter*innen in der Pflicht, innerhalb der App genau zu informieren.

Kritisch bewerten wir auch die Datenschutzerklärung, die Nutzer*innen in ihrer jetzigen Version nur sehr unkonkret über die Verwendung und Speicherung ihrer Daten informiert.

Bei unserem Test mit einem Google Pixel 2 (Android 9) und einem iPhone S6 (iOS 12) ließ die Funktionalität von Vivatar zu wünschen übrig. Auch nach mehreren Versuchen und Neuinstallation der App schlug die Kommunikation zwischen den beiden Geräten fehl und es ließ sich keine begleitete Tour starten. In Kommentaren von Nutzer*innen in den App-Stores ist ebenfalls von Problemen zu lesen.

Aus diesen Gründen können wir Vivatar momentan nicht empfehlen.

 

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