News vom 31.05.2018

Weitergabe von Kontaktdaten: Wenig Problembewusstsein

Ein Artikel von , veröffentlicht am 31.05.2018

Nutzer gehen mit den Daten ihrer Freunde sehr freizügig um. Laut einer österreichischen Studie fehlt es am Respekt vor den Daten anderer und an der Einsicht, welche Folgen die Weitergabe hat. Das Problem ist die Schwachstelle Mensch, aber auch zu vage Formulierungen bei der Abfrage von App-Berechtiungen.

Ein internationales Forschungsteam um die Österreicherin Bernadette Kamleitner von der Wirtschaftsuniversität Wien hat in einer Umfrage untersucht, wie Nutzer von Apps mit der Weitergabe von Daten Dritter umgehen.

Das Forschungsteam fragte unter anderem 505 Mitglieder einer Umfrageplattform, wie sie nach der Installation eines Messengers wie WhatsApp mit den Berechtigungen umgehen würden, die Apps nach dem Start der Anwendung oft erfragen – etwa den Zugriff auf Kontaktdaten.

Nachdem sie im Testszenario die jeweiligen Berechtigungen fiktiv erteilt hatten, wollte die Forscherin wissen, inwiefern die Nutzer verstanden hatten, was sie getan haben. 71 Prozent der Befragten hätten „nicht das volle Ausmaß“ erkannt, wie Kamleitner der österreichischen Presseagentur APA berichtete. So sei vielen nicht bewusst gewesen, dass sie den Apps Zugriff auf die Anruferlisten und ihre SMS erteilt hätten.

Verzerrte Wahrnehmung: Mein Handy gehört mir

Anschließend erhielten die Befragten eine Erklärung, wie solche Berechtigungen funktionieren und dass es sich oft um eine Blankozustimmung zum Zugriff auf Daten Dritter handelt. Überraschenderweise war danach dennoch knapp die Hälfte der Befragten der Meinung, dass weiterhin nur sie selbst Zugriff auf diese privaten Daten hätten – eine verzerrte Wahrnehmung. Die Wissenschaftlerin erklärt sich das mit der weit verbreiteten Vorstellung „Was auf meinem Handy ist, gehört nur mir“.

In einem drittem Schritt fragte die Forscherin, ob die Teilnehmer der Studie die App behalten würden, obwohl sie private Daten wie Geburtsdatum, Spitzname oder ähnliches an die App-Entwickler geben. 65 Prozent entschieden sich für die Anwendung. Die Weitergabe der Daten anderer, sei ihnen „nicht wirklich wichtig“, deutet das die Wissenschaftlerin.

Offline sind die Menschen respektvoller

In dieser laxen Einstellungen gegenüber der Weitergabe von Kontaktdaten und anderen privaten Informationen sieht Kamleitner ein Problem. In der Offline-Welt würden sich die meisten Menschen deutlich respektvoller in Bezug auf Daten anderer verhalten:

„Wenn man Menschen auf der Straße nach der Telefonnummer der Mutter fragt, werden sie empört einen Übergriff in die Privatsphäre beklagen. Kommt aber eine App und möchte Zugriff auf alle Fotos und Kontakte, dann stimmt man einfach zu.“

Sie kritisiert allerdings auch, dass die Formulierungen bei der Abfrage von App-Berechtigungen zu unkonkret seien. So werde eher vage nach „Kontakten“ gefragt und nicht ausreichend klar gemacht, dass eine App die Telefonnummer von Freunden und Verwandten haben wolle. Sie fordert verantwortungsvollere Anwendungen, die sicherstellen, dass „Menschen nicht zur Schwachstelle für die Privatsphäre anderer“ werden.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Ecosia: Suchen und Bäume pflanzen

Die Suchmaschine Ecosia wird in Berlin entwickelt und setzt auf Umweltschutz. Wer sie nutzt, unterstützt das Pflanzen von Bäumen. In Sachen Datenschutz könnte das Unternehmen aber noch mehr für die Nutzer*innen tun. Die Ecosia-Apps können wir momentan nicht empfehlen.

Mehr
Ratgeber 

Navi-Apps im Check: Waze – nicht zu empfehlen

Die Navigations-App Waze bezieht Geo- und Verkehrsdaten von seiner Community – ist aber ein rein kommerzielles Produkt. Der Dienst schaltet Werbung und speichert den Standortverlauf der Nutzer*innen dauerhaft.

Mehr
YouTube-Video 

Google Pay: Wenn, dann mit dieser Einstellung

Wir können von Google Pay nur abraten. Wer den Bezahldienst aber nutzt, sollte unbedingt von einer Widerspruchsmöglichkeit Gebrauch machen. Im Google-Zahlungscenter können Sie den Datenaustausch mit Dritten verbieten. Wir zeigen, wie es geht.

Ansehen
Ratgeber 

Nicht lustig: Kettenbriefe auf WhatsApp

Lästige Kettenbriefe auf WhatsApp machen oft die Runde: Sie schüren Angst vor der Verwendung privater Fotos durch Online-Dienste, der man rechtzeitig wiedersprechen müsste - oder davor, dass WhatsApp kostenpflichtig wird. Nicht jede*r erkennt sie als das, was sie sind: Falschmeldungen. Wir erklären, was es mit dem Phänomen auf sich hat.

Mehr