News vom 30.09.2018

US-Regierung fordert Hintertür zu Facebook-Messenger

Ein Artikel von , veröffentlicht am 20.08.2018, bearbeitet am30.09.2018

Erneut fordert die US-Regierung eine Firma auf, die Verschlüsselung ihres Produktes für die Strafverfolgung auszuhebeln. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf Insiderinformationen. Genau wie Apple vor zwei Jahren lehnt auch Facebook die Forderung ab.

Update: Wie Reuters am 28. September berichtete, hat das Gericht die Forderung der US-Behörden abgelehnt.

US-Strafverfolgungsbehörden wünschen sich Zugang zu der verschlüsselten Facebook-Messenger-Kommunikation eines Verdächtigen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag unter Berufung auf mehrere Insider, die mit dem Fall vertraut sind, aber anonym bleiben wollen.

Konkret geht es um Ermittlungen gegen die Verbrechergruppe „Mara Salvatrucha“, auch bekannt unter dem Namen „MS-13“. Die Gruppe ist im Drogen- und Menschenhandel aktiv und für ihr besonders grausames Vorgehen berüchtigt.

Der Haken bei der – eigentlich berechtigten – Forderung der US-Behörden: Die betreffende Kommunikation, so Reuters, sei Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Bei dieser Technik werden Nachrichten auf dem Absendergerät verschlüsselt und erst wieder auf dem Empfängergerät entschlüsselt. Sie gilt als Goldstandard in der Kryptographie – denn keiner kann unterwegs in die Nachricht hineinsehen. Auch der Anbieter des Messengers - hier Facebook - nicht.

Die Behörden fordern daher, dass die Firma eine Hintertür in die Software des Facebook-Messengers einbaut, mit der die Verschlüsselung in Zukunft ausgehebelt werden kann.

Ob Facebook gezwungen werden kann, solche Schwachstellen in seine Produkte einzubauen, wird nun vor einem kalifornischen Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen Facebook und dem US-Justizministerium verhandelt.

Das Urteil gilt als wegweisend für alle Messenger, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einsetzen. Sollte Facebook verlieren, könnten auch Dienste wie Signal oder WhatsApp in Zukunft verpflichtet werden, Hintertüren in ihre Produkte einzubauen. Experten fürchten, dass die Kommunikation dadurch für alle Nutzer unsicherer wird.

Hinweis: Nachrichten sind im Facebook-Messenger nur Ende-zu-Ende-verschlüsselt, wenn Nutzer diese Funktion aktiv einschalten. Ansonsten gilt die normale Transportverschlüsselung. Solche Nachrichten kann Facebook entschlüsseln und bei entsprechendem richterlichen Beschluss an Behörden weitergeben.

Warum unsere Favoriten bei den Messengern Signal, Threema und Wire heißen, erfahren Sie hier und hier.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

Projektleiterin. Miriam Ruhenstroth hat mobilsicher.de seit Beginn des Projektes begleitet – zuerst als freie Autorin, später als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Video-Chat Skype kurz vorgestellt

Wenn alle Stricke reißen, findet man sich in der Regel bei Skype wieder - funktioniert fast immer, kennt fast jeder. Auf Windows-Rechnern ist Skype inzwischen derart hartnäckig vorinstalliert, dass man es kaum wieder loswird. Alle Vor- und Nachteile im Überblick.

Mehr
Ratgeber 

App-Store Aptoide: Alternative mit Fallstricken

Aptoide ist nach eigenen Angaben der größte Marktplatz für Android-Apps nach Google Play. Vielen gilt er als Sammelbecken für Raubkopien und Schadsoftware, anderen als einzige Rettung vor Google. Wie sieht es in Aptoide wirklich aus? Wir haben den Store für Sie erkundet.

Mehr
YouTube-Video 

Instagram versteckt Likes – warum das vor allem ein kluger PR-Streich ist

Wer durch sein Instagram-Newsfeed scrollt, sieht normalerweise auf jedem Post die Zahl der Likes. Diese Likes will die Fotoplattform zukünftig verbergen - um den sozialen Druck zu verkleinern, wie es heißt. Warum wir davon wenig beeindruckt sind, erfahren Sie im Video.

Ansehen
Checkliste 

iPhone weg – was tun?

Gerade bei den teuren iPhones ist ein Verlust schmerzhaft - und für Diebe sind sie eine besonders begehrte Beute. Mit diesen Tipps können Sie im Verlustfall den schlimmsten Schaden abwenden - und das Gerät mit etwas Glück sogar wiederfinden.

Mehr