News vom 17.10.2016

Türkische Regierung reagiert mit Sperren auf Enthüllungen

Ein Artikel von , veröffentlicht am 17.10.2016

Erdoğans Regierung greift erneut zur Internetzensur. Betroffen ist unter anderem Dropbox. Als Anlass wird die Angst vor den weiteren Veröffentlichungen einer Hackergruppe gesehen. Sie brach in die Mobilgeräte des Energieministers ein und fand brisantes Material.

Als Reaktion auf die Ankündigung der türkischen Hackergruppe RedHack Ende September, vertrauliche Daten zu veröffentlichen, sperrte die türkische Regierung mehrere große Cloud-Angebote. Betroffen sind die Dienste von Dropbox, Google Drive, Microsofts OneDrive und das Entwicklerportal Github.

Zunächst hatte RedHack begonnen, das Material auf Twitter zu veröffentlichen. Daraufhin wurde Twitter blockiert, jedoch wieder freigegeben, nachdem das soziale Netzwerk mit der türkischen Regierung kooperierte und die Nutzerkonten der Gruppe sperrte. RedHack hat inzwischen neue Konten angelegt.

Das Material ist brisant: E-Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak sollen unter anderem Hinweise auf Korruption, Vetternwirtschaft und die Zusammenarbeit der Türkei mit dem Islamischen Staat enthalten. Besonders delikat daran: Albayrak ist der Schwiegersohn von Staatsführer Erdoğan.

In den Datensätzen befinden sich ferner Einzelheiten zum Einsatz von Internet-Trollen für Propagandazwecke der türkischen Regierung. Rund 6000 Personen soll die türkische Regierung angeheuert haben, um in sozialen Netzwerken regierungsfreundliche Propaganda zu verbreiten, sowie gegen Kritiker und regimefeindliche Kräfte vorzugehen.

RedHack hatte sich zunächst trickreich Zugang zu den Mobilgeräten des Ministers verschafft. Als sie feststellten, dass Albayrak für alle Zugänge und Konten das gleiche Passwort verwendet, konnten sie sich seiner E-Mails bemächtigen.

Die Hacktivisten hatten bereits zuvor mit spektakulären Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt. Sie hackten 2012 das Computernetz der Polizei in Ankara und fanden heraus, dass die Behörde fast ausschließlich Raubkopien benutzt und selbst für sensible Daten nur einfache Passwörter wie „123456“ verwendet. Mitglieder der Gruppe sollen erstmals 1990 die Polizei-Computer gehackt und alle im Straßenverkehr angefallenen Strafzettel gelöscht haben.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Was ist eigentlich Offline-Tracking?

Die meisten Smartphones senden ständig Signale aus - zum Beispiel um WLAN-Netze oder Bluetooth-Geräte zu finden. Über diese Signale kann man die Geräte identifizieren und verfolgen - zum Beispiel in Einkaufszentren, Straßen oder Kongresshallen.

Mehr
Ratgeber 

Passwort-Manager richtig verwenden

Diese Nachricht gibt es inzwischen fast täglich: „Onlinedienst gehackt, tausende Anmeldedaten gestohlen“. Auch wenn es nervt: Anwender müssen sich selbst um die Sicherheit ihrer Online-Konten kümmern. Ein Passwort-Manager kann dabei helfen.

Mehr
YouTube-Video 

Android 8 (Oreo): Update-Problem gelöst

Bei Android 8 (Oreo) hat Anbieter Google sich auf Verbesserungen bei Sicherheit und Datenschutz konzentriert. Die neue Version löst damit auch endlich ein altes Android-Problem: Updates des Betriebssystems sind jetzt einfacher möglich. Warum es erst jetzt soweit war, erfahren Sie im Video.

Ansehen
Ratgeber 

SIM-Swapping: Identitätsklau per SIM-Karte

Beim sogenannten „SIM-Swapping“ handelt es sich um eine Betrugsmasche, bei der ein*e Angreifer*in versucht, Zugriff auf die Telefonnummer des Opfers zu erlangen. Die Masche ist seit Jahren bekannt – der Schaden liegt dennoch in Millionenhöhe.

Mehr