News vom 12.03.2018

Suchtpotenzial bei Games: Apple reglementiert virtuelle Schatzkisten

Ein Artikel von , veröffentlicht am 12.03.2018

Apple zwingt Entwickler von iOS-Apps zu mehr Transparenz vor einem In-App-Kauf von „Lootboxen“. Solche kostenpflichtigen virtuellen Überraschungs-Kisten, bei denen man nicht vorher weiß, was enthalten ist, erinnern an Elemente aus dem Glücksspiel und gelten als potenzielle Suchtauslöser.

Apple geht gegen Glücksspielelemente in Gaming-Apps vor. Bei virtuellen Schatzkisten, sogenannten Lootboxen, müssen Spieleentwickler mittlerweile offenlegen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein bestimmtes digitales Gut enthalten ist.

Ende 2017 hat Apple das in seinen überarbeiteten Entwicklerrichtlinien vorgeschrieben, ohne konkrete Termine zu nennen. Nun scheint der IT-Konzern ernst zu machen. In den letzten Tagen hat sich die Aktualisierung verschiedener Spiele-Apps wie „The Alchemist Code“ oder „Final Fantasy Brave Exvius“ im iTunes-Store von Apple verzögert, da sie die Auflagen von Apple nicht erfüllt hatten.

Lootboxen enthalten Spielelemente, die das Vorankommen in einem Spiel schneller machen können oder die gar nötig sind, um das Spiel sinnvoll zu spielen. Doch was genau enthalten ist, weiß man vor dem Kauf nicht: Es kann ein zusätzlicher Held mit einer bestimmten Kampfstärke sein, eine Waffe, ein Heiltrank oder ein Zauberspruch. Solche virtuellen Schatzkisten können über In-App-Käufe erworben werden und bilden das Erlösmodell vieler kostenloser Spiele-Apps.

Schon länger gibt es die Kritik, dass Lootboxen das Suchtpotenzial von Smartphone-Spielen erhöhen.

Erst angefixt, dann abgezockt?

Christian Tuhacek von der Beratungsstelle für exzessiven Medienkonsum "Real Life" sieht vor allem Probleme bei kostenlosen Smartphone-Spielen: „Der Spieler wird zunächst angefixt und mit Belohnungen zugeschüttet", sagte Tuhacek gegenüber der Presseagentur dpa. Im nächsten Schritt gehe es im Spiel langsamer voran und dem Nutzer werde signalisiert, dass er Vorteile gegen Geld erwerben kann. Vor allem bei mobilen Spielen gehe es mitunter darum, möglichst viel Geld in kurzer Zeit aus Nutzern herauszupressen.

Eltern, deren Kinder ein problematisches Spieleverhalten aufweisen, rät er zu Fingerspitzengefühl. Sie sollten Kindern nicht etwa gleich das Smartphone wegnehmen, sondern zunächst vor allem weitere Abbuchungen unterbinden.

Nur bei einem Bruchteil komme es zu einer tatsächlichen Abhängigkeit, meint Tuhacek. Die Suchtpotenziale von In-App-Käufen bei Handyspielen würden aber mittlerweile zum Tagesgeschäft der Beratungsstelle gehören.

Geschrieben von

Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

Weitere Artikel

Ratgeber 

„Im Internet läuft etwas schief“ – Essay von James Bridle

Der britische Blogger James Bridle sorgte im November mit seinem aufwühlenden Essay über gewaltsame Kindervideos auf YouTube für Aufsehen in der Netzwelt. Wir liefern die deutsche Übersetzung.

Mehr
Ratgeber 

Dauerbrenner Phishing: So schützen Sie sich

Phishing ist eine altbekannte Methode, die immer wieder in neuem Gewand auftaucht. Dabei werden Nutzer*innen durch gefälschte Nachrichten animiert, Zugangsdaten zu Online-Konten preiszugeben. Wie Sie Phishing-Maschen erkennen und wie Sie am besten damit umgehen, erklären wir hier.

Mehr
Ratgeber 

App-Check: Kindersicherung Kaspersky SafeKids

Bei Privatsphäre und Datensicherheit gibt es für die Kindersicherungs-App Minuspunkte: Eltern können ihre Kinder damit genau überwachen, zum Beispiel Suchbegriffe und Chatverläufe mitlesen. Sämtliche Daten vom überwachten Gerät landen beim Anbieter, der sie ebenfalls einsehen könnte.

Mehr
YouTube-Video 

Apps gecheckt: Speed-Checker fürs WLAN

Langsames Internet? Apps zum Messen der WLAN-Geschwindigkeit helfen, dem Problem auf den Grund zu gehen. Wir haben die wichtigsten Speed-Checker geprüft, das Ergebnis: viel unnötige Datensammelei und zwei Apps, die erfreulich sauber sind.

Ansehen