News vom 28.08.2018

Studie: Adblocker schützen nur bedingt vor Tracking

Ein Artikel von , veröffentlicht am 28.08.2018

Werbeblocker versprechen gern, auch vor Web-Tracking zu schützen, der umfassenden Analyse von Webseitenaufrufen durch die Werbewirtschaft. Das können sie aber nur bedingt, meint eine US-amerikanische Studie. Vor allem der verbreitete Blocker Adblock Plus hat schlecht abgeschnitten.

Werbeblocker schützen nur eingeschränkt vor der Beobachtung durch die Werbewirtschaft.

Auch beim wirkungsvollsten von drei getesteten Blockern konnten in einer Studie externe Unternehmen immer noch die Hälfte aller Seitenaufrufe analysieren. Grund sei die arbeitsteilige Vernetzung innerhalb der Werbewirtschaft, die dazu führe, dass Informationen über Nutzeraktivitäten innerhalb der Branche ausgetauscht werden.

Adblocker versprechen viel

Ein Forscherteam der Northeastern University im US-amerikanischen Boston hat untersucht, wie gut Werbeblocker auch vor Tracking schützen. Werbeblocker verhindern, dass ein Browser beim Surfen im Internet die, auf der Webseite eigentlich vorgesehenen, Anzeigen lädt. Die Anbieter der Blocker stellen aber auch in Aussicht, dass die Programme das Tracking von Nutzerinnen und Nutzern eindämmen oder gar verhindern.

Die Forscher fanden heraus, dass beim Surfen ohne Werbeblocker etwa 50 besonders gut vernetzte Unternehmen aus der Werbe- und Trackingindustrie mehr als 90 Prozent aller Seitenaufrufe beobachten konnten. Beim Einsatz einer Werbeblockers war die Quote niedriger, es gelang den Blockern aber nicht, Tracking zu verhindern. Die Forscher verglichen die Adblocker "Adblock Plus", "Ghostery" und "Disconnect".

Adblocker als Browser-Erweiterung

Alle drei getesteten Angebote sind auch für Smartphones verfügbar. Auf PCs kommen Adblocker meist in Gestalt von Browser-Erweiterungen daher, auf mobilen Geräten zusätzlich in Form von speziell angepassten Browsern. Adblock Plus sowie Ghostery gibt es kostenlos für Android und iOS. Disconnect dagegen gibt es als App nur in einer Bezahlversion. Allerdings ist für Samsung-Modelle ein kostenloser Disconnect-Browser verfügbar.

Letzter Platz: Adblock Plus

Das verbreitete Programm Adblock Plus schnitt sehr schlecht ab. Die Forscher kamen zu dem Schluss, der Einsatz des Programms habe „im Grunde genommen keinen Einfluss“ auf die beobachteten Seitenaufrufe.

Der Grund: bei Adblock Plus gibt es eine Liste mit Unternehmen, die vom Blockieren ausgenommen sind. Auf diese Liste kommen nach Angaben von Adblock Plus Unternehmen, die „akzetable Werbung“ ausliefern, die möglichst wenig störe. Von größeren Unternehmen verlangt die, hinter Adblock Plus stehende, deutsche Eyeo GmbH zudem eine Listungsgebühr. Dieses Modell ist umstritten.

Auf Nachfrage des Blogs Netzpolitik.org teilte die Eyeo GmbH mit, dass man Nutzer und Nutzerinnen mittlerweile einstellen können, die "akzeptable Werbung" auch zu blockieren.

Beste Wirkung: Disconnect

Ghostery, der zweite getestete Anbieter, bewirkte im Test der Forscher, dass 90 Prozent aller Unternehmen aus der Werbe- und Trackingindustrie maximal 75 Prozent aller Seitenaufrufen beobachten konnten. Beim Blocker Disconnect, der am besten abschnitt, waren es nur maximal 53 Prozent aller Seitenaufrufe.

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Stefan Mey

Stefan Mey ist freier Autor für verschiedene spezialisierte IT-Magazine und für die Technologie-Ressorts IT-ferner Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Technologie auf Alltag, Gesellschaft und Politik. Vor allem hält er es für wichtig, die sich überschlagenden Entwicklungen im mobilen Internet fundiert und kritisch zu begleiten. Bis November 2018 hat er das mobilsicher-Team als Redakteur unterstützt.

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