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Spionage-Software: Journalisten-Hack als Verkaufsargument

Die „NSO Group“, ein führender Hersteller von Spionage-Software, hat gezielt das Smartphone eines Journalisten gehackt, um die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate von der Funktionsfähigkeit der Software zu überzeugen. Das zeigen Dokumente eines Whistleblowers.

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Spionage-Apps · Überwachung
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Die in Israel ansässige NSO Group ist einer der großen Hersteller von Software zum  von Smartphones. Interne Firmendokumente, die in zwei Gerichtsverfahren in Israel und Zypern vorgelegt wurden, zeigen den Mailverkehr zwischen NSO-Tochterunternehmen und der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate. Das berichtet die New York Times.

Gezielter Hack eines Journalisten

Laut den Dokumenten hat das Unternehmen in Verhandlungen mit der Regierung gestanden. Es sei darum gegangen, den Preis für ein Update einer Spionage-Software zu rechtfertigen.

Die Regierung habe in der Mailkommunikation klar zu erkennen gegeben, dass sie die Software für Cyber-Spionage nutzen will. Als konkrete Ziele habe sie unter anderem einen saudischen Prinzen genannt sowie den libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri.

Um die Geschäftspartner von den Fähigkeiten der Software zu überzeugen, habe ein Tochterunternehmen der NSO Group im Jahr 2014 testweise das Smartphone eines Journalisten gehackt, der für die in London herausgegebenen Zeitung Al-Arab arbeitete. Anschließend habe das Unternehmen der Regierung zwei Sprachaufnahmen vom gehackten Handy geschickt.

Trojanische Nachrichten

Wie aus dem Bericht der New York Times hervorgeht, basieren Angriffe durch die eingesetzte NSO-Spionagesoftware Pegasus auf simplen Textnachrichten, die an das Überwachungsopfer geschickt werden.

Klickt die Zielperson auf die Nachricht, lädt sich die Software auf das Smartphone. Dann sei es möglich, Telefonanrufe und E-Mails zu überwachen, Einblick in das Telefonbuch zu erlangen und Gespräche in der Umgebung des Gerätes abzuhören.

Formulierungsvorschläge als Service

Eine Firmentochter der NSO Group habe der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate sogar Formulierungsvorschläge zur Tarnung dieser Schadnachrichten unterbreitet – angepasst an die Weltregion, in der die Software zum Einsatz kommen soll. Ein Beispiel lautet: „Der Ramadan steht bevor – es gibt unglaubliche Rabatte“.

Vorwurf: Scheinheiligkeit

Hersteller von Spionage-Tools mit Sitz in westlichen Demokratien betonen immer wieder: bei Geschäften mit autoritären Regime achte man darauf, dass die Software nicht für ethisch zweifelhafte Zwecke zum Einsatz komme, etwa für die Überwachung von Oppositionellen und Journalisten. Menschenrechtsorganisationen zweifeln schon länger, dass es den Unternehmen damit ernst ist.

Der nun verhandelte Fall zeigt einmal mehr, dass die Skepsis berechtigt ist. Ein führendes Unternehmen der Branche hat in Eigenregie einen Unschuldigen gehackt – als Verkaufsargument in Verhandlungen mit einer Regime, das von der Organisation Amnesty International harsch für die Verletzung von Menschenrechten kritisiert wird.

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