News vom 02.03.2022

Sicherer Messenger Threema wird in der Ukraine (fast) kostenlos

Ein Artikel von , veröffentlicht am 01.03.2022, bearbeitet am02.03.2022

Threema bietet abhörsichere Kommunikation – auch im Krieg in der Ukraine. Damit sie möglichst viele Menschen nutzen können, hat die Firma den Preis für ihre Android-App auf den niedrigsten möglichen Betrag gesetzt.

Die Anbieter der Schweizer Messengers Threema haben den Preis für ihre App im ukrainischen Google Play-Store auf den niedrigsten möglichen Preis gesetzt: Sie kostet jetzt nur noch zwei ukrainische Hrywnja (UAH), das entspricht 0,059 Euro. Das teilte die Threema GmbH auf Anfrage von mobilsicher.de am gestrigen Montag mit.

Der ursprüngliche Plan, die App für die Dauer des Konfliktes in der Ukraine ganz kostenlos anzubieten, scheiterte an technischen Grenzen: „Google lässt nicht zu, die App für eine bestimmte Zeit in einem bestimmten Land kostenlos anzubieten, deshalb die Reduktion auf diesen Mindestbetrag“, schrieb Threema der mobilsicher.de-Redaktion in einer E-Mail.

Mit der (beinahe) kostenlosen Version der App sollen Menschen in der Ukraine unterstützt werden, die nach der russischen Invasion im Februar 2022 auf sichere Kommunikation angewiesen sind. mobilsicher.de begrüßt diesen Schritt ausdrücklich, denn Threema steht schon lange auf der Empfehlungsliste der Redaktion. In der aktuellen Situation könnte sich der Messenger als besonders nützlich erweisen.

Die iOS-Version von Threema behält den Preis von 3,99 Euro, da sich Preise in Apples App Store nicht regional anpassen ließen, sagte die Threema GmbH.

Die Vorteile von Threema

Threema lässt sich vollständig anonym und ohne SIM-Karte nutzen. Sämtliche versendeten Inhalte sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, das bedeutet, nur Sender und Empfänger können sie lesen. Auch Anrufe sind so verschlüsselt. Die Verschlüsselungstechnik des Messengers gilt unter IT-Fachleuten als exzellent. Mit der Schweiz hat die Betreiberfirma einen neutralen Standort.

Mehr Wissenswertes zu Threema finden Sie in unserem Artikel Messenger-App Threema kurz vorgestellt.

Der Messenger Telegram, der in der Ukraine am weitesten verbreitet ist, hat hingegen in Sachen Sicherheit gravierende Nachteile: So sind Nachrichten in der Standardeinstellung nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, Nutzer*innen müssen dies extra einschalten. Allerdings ist diese Möglichkeit vielen nicht bekannt. Per Voreinstellung kann die Betreiberin des Dienstes alle versendeten Inhalte einsehen – und gegebenenfalls auch weitergeben. Für die beliebten Gruppen-Chats gibt es bei Telegram keine Option zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Die Telegram-Betreiber haben sich in der Vergangenheit den Zugriffswünschen der russischen Regierung (und auch anderer) zwar standhaft widersetzt und sogar den Firmensitz nach Dubai verlegt, um vor Begehrlichkeiten sowohl aus Russland als auch seitens der USA geschützt zu sein. Allerdings gehören die Vereinigten Arabischen Emirate ausgerechnet zu jenen Ländern, die sich nicht klar gegen die russische Aggression positionieren. Bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über eine Resolution gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine enthielten sie sich neben China und Indien.

Darüber hinaus ist für die Nutzung von Telegram eine SIM-Karte notwendig, dadurch ist der Messenger nicht vollständig anonym nutzbar. Das gilt übrigens auch für den Messenger Signal, den wir ebenfalls empfehlen. Dieser dürfte sich als US-amerikanisches Produkt im aktuellen Fall aber schwerer durchsetzen.

Die Autorin

E-Mail

m.ruhenstroth@mobilsicher.de

PGP-Key

0xAC27FCDCF277F1E4

Fingerprint

E479 C1CD 0FC9 E373 A4B3 F5DB AC27 FCDC F277 F1E4

Miriam Ruhenstroth

begleitet mobilsicher.de seit der Gründung – zuerst als freie Autorin, dann als Redakteurin. Seit Januar 2017 leitet sie das Projekt, das 2020 um den AppChecker erweitert wurde. Davor arbeitete sie viele Jahre als freie Technik- und Wissenschaftsjournalistin.

Weitere Artikel

Ratgeber 

Contact-Tracing in Österreich: „Stopp Corona“-App kurz vorgestellt

Die Corona-Tracing-App auf Bluetooth-Basis ist schon seit April in Österreich im Einsatz. Anbieter ist das Österreichische Rote Kreuz. Eine Untersuchung des Programmcodes brachte etliche Mängel beim Datenschutz ans Licht. Diese sollen spätestens mit einem Update Mitte Juni behoben werden.

Mehr
Ratgeber 

Kindersicherung bei Samsung: Kindermodus und Samsung Kids

Samsung hat in Sachen Kindersicherung ganz eigene Lösungen entwickelt. Auf älteren Geräten gibt es die App „Kindermodus“, ab Android 9 „Samsung Kids“. Die Apps sind durchaus gut durchdacht, gerade beim Kindermodus gibt es aber auch Kritikpunkte.

Mehr
Ratgeber 

DuckDuckGo: Suchen ganz ohne Google

Die Suchmaschine DuckDuckGo finanziert sich durch Werbung, verzichtet dabei aber ganz auf Google-Dienste. Ihren Such-Index bildet sie aus vielen verschiedenen Quellen. In einigen Browsern können Sie DuckDuckGo mit nur einem Klick als Standard-Suche festlegen.

Mehr
YouTube-Video 

Collabora Office: Diese Google-Docs-Alternative empfehlen wir

Texte bearbeiten auf dem Handy - dafür braucht es eine gut laufende App. Wer auf Google Docs lieber verzichtet, findet mit Collabora Office eine vollwertige Alternative für Android und iOS. Die App ist quelloffen, kostenlos und werbefrei.

Ansehen