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„Schutzranzen“: fragwürdiges Kinder-Tracking per App

Der „digitale Schutzranzen“ will Eltern von Grundschulkindern helfen, den Standort Ihrer Kinder per Smartphone zu verfolgen und sie im Verkehr zu schützen. Das Konzept ist nicht neu. Nach einem offenen Brief des Vereins Digitalcourage regt sich nun aber Kritik.

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Datenschutz · Kinder · Tracking
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Das Prinzip funktioniert mit zwei Apps: Die eine App, der „Schutzranzen für Ihre Kinder“ erhebt die Positionsdaten des Gerätes, auf dem sie installiert ist. Diese Daten stehen dann zwei Nutzergruppen zur Verfügung.

Wer die zugehörige App „Schutzranzen für Eltern und Autofahrer“ installiert hat, erhält optische und akustische Hinweise, sobald sich ein Handy mit aktiver „Schutzranzen für Kinder“-App im Umkreis von 150 Meter befindet. Zudem zeigt die App Grundschulen an und sendet einen Hinweis, wenn man sich in deren Nähe befinden. Gedacht ist dieser Nutzungsfall für Autofahrer, die gewarnt werden wollen, wenn sich Kinder in der Nähe befinden.

Tracking-Funktion bei Schutzranzen-App

Man kann die App „Schutzranzen für Eltern und Autofahrer“ auch mit einem bestimmten Handy verbinden, auf dem die Kinder-App läuft. Dann kann man sich die genauen Positionsdaten von diesem Handy anzeigen lassen. Gedacht ist dieser Nutzungsfall für Eltern, die wissen wollen, wo sich ihr Kind gerade aufhält. Um die beiden Geräte zu verbinden, muss man physischen Zugriff auf beide Geräte haben.

 

Hinter den Schutzranzen-Apps steht die Müncher Coodriver GmbH. Sie wirbt mit dem Argument, dass Schulkinder durch den „digitalen Schutzranzen“, den die App darstelle, vor Unfällen geschützt würden.

Prominente Partner

Es gibt viele Apps dieser Art. Doch der „Schutzranzen“ wird oder wurde von namhaften Unternehmen gesponsert und gefördert, darunter Telekom, VW und der Schulranzenhersteller Scout. Im September 2017 verkündete die Stadt Ludswigsburg im Umfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung eine Zusammenarbeit mit dem Anbieter, deren Ziel sei es, „als erste Stadt in Deutschland eine flächendeckende Verbreitung der Schutzranzen-App“ zu erreichen.

Nicht zuletzt deshalb hat nun der Verein Digitalcourage e.V. die App näher untersucht und damit eine Diskussion angestoßen. Der Verein hält es für prinzipiell problematisch, dass Eltern so ermutigt werden, ihre Kinder per Smartphone zu tracken. „Es ist falsch, Kinder mit vernetzten Gegenständen zu überwachen.“ heißt es in einem Blogpost des Vereins.

Fragwürdiger Umgang mit Daten

Der Vein hält auch den Umgang der App mit Daten für fragwürdig. Tests hätten gezeigt, dass sich die Apps mit den Servern verschiedener Unternehmen verbinden, darunter die US-Konzerne Google, Facebook, Microsoft, Akamai und Amazon, sowie das deutsche Unternehmen 1&1. Zudem würden ungekürzte IP-Adressen an Google-Server in den USA weitergeleitet. Die Datenschutzbestimmungen würden über diese Datenweitergabe nicht genügend aufklären.

Die niedersächsische Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel bezeichnete das Projekt gegenüber dem IT-Portal Heise online als „gesellschaftspolitisch kritisch zu hinterfragen“. Ihr Baden-Württemberger Kollege Stefan Brink meinte: „Auch Kinder müssen das Recht haben, sich abhängig von ihrem Alter unbeobachtet fortbewegen zu können.“ Zudem zweifelte er an, dass die App tatsächlich für mehr Verkehrssicherheit sorge.

Digitalcourage fordert wegen der Datensicherheitsmängel eine Deaktivierung der App, bis die Probleme behoben sind. Zudem fordert der Verein in einem offenen Brief VW auf, seine Kooperation zu beenden und das „Kinder-Tracking“ zu stoppen.

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